Die Stimmung gegenüber SAP hat sich verbessert. Ob damit auch die Risiken für die Geschäftsaussichten ausreichend berücksichtigt sind, bleibt jedoch die zentrale Anlegerfrage. JPMorgan beließ die Aktie am Donnerstag auf „Neutral“. Analyst Toby Ogg verwies auf ein freundlicheres Marktbild als vor den Zahlen zum zweiten Quartal, sah aber weiteren Prüfbedarf bei den Aussichten für 2026 und 2027.
Erholung ist noch kein Geschäftsbeleg
Nach der Erholung vom Juli-Tief prüfen Anleger laut Ogg, ob die Erwartungen ausreichend gegen Risiken abgesichert sind. Seine Einschätzung trennt damit zwei Dinge: eine bessere Stimmung an der Börse und die Belastbarkeit der geschäftlichen Perspektiven.
Auch das Marktgeschehen am Freitag liefert keinen eindeutigen neuen Unternehmensimpuls. Reuters zufolge stützten starke Ergebnisse von ASML, Aixtron und Ericsson die Stimmung im Technologiesektor nach dem Abverkauf von Chip- und KI-Infrastrukturwerten. Sorgen um die Finanzierung von KI-Infrastruktur und den Wettbewerb aus China blieben bestehen.
Für SAP bedeutet diese Einordnung: Ein freundlicheres Branchenumfeld ist nicht mit einer Verbesserung des eigenen Geschäfts gleichzusetzen. Der Wochengewinn von 3,7% passt zur aufgehellten Stimmung, beantwortet die Frage nach den Geschäftsaussichten aber nicht.
Cloud und KI liefern Chancen und Vorbehalte
Konkreter wird die Abwägung beim Cloud-Geschäft. BMO Capital verwies am 8. Oktober auf Cloud-Wachstum und konstruktiveres Feedback zu Joule. Zugleich nannte das Analysehaus Verzögerungsrisiken bei Cloud-Migrationen. Positive Rückmeldungen zu den KI-Angeboten und mögliche Verzögerungen bei der Umsetzung stehen damit nebeneinander.
SAP selbst stellte am 6. Oktober auf der SAP Connect Joule Work, Joule Assistants und die SAP Business AI Platform vor. Das Unternehmen ordnete sie seiner Initiative für das „autonome Unternehmen“ zu. Diese Produktvorstellungen konkretisieren die KI-Strategie, sind aber keine gemeldeten Geschäftsergebnisse.
Die ebenfalls angekündigte Übernahme des belgischen KI-Unternehmens TechWolf soll die KI-gestützte Personalplanungssoftware erweitern. Reuters zufolge wird der Abschluss voraussichtlich vor Jahresende erwartet. Die Transaktion ist damit ein geplanter Ausbau des Angebots und noch kein abgeschlossener Schritt.
Nächster Prüfpunkt ist der Ergebnisbericht
SAP hat die Veröffentlichung der Ergebnisse für das dritte Quartal 2026 für den 21. Oktober angekündigt. Der Bericht bietet den nächsten konkreten Anlass, die verbesserte Marktstimmung mit Geschäftszahlen abzugleichen.
Entscheidend ist dabei die von den Analysten beschriebene Spannung: Cloud-Wachstum und positivere Rückmeldungen zu Joule stehen möglichen Verzögerungen bei Migrationen gegenüber. Die bessere Stimmung allein löst diesen Gegensatz nicht auf.
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