Ein Schock aus den USA traf diese Woche die ohnehin angeschlagene SAP-Aktie. Oracle lieferte den Auslöser. Der US-Rivale präsentierte starke Quartalszahlen. Dennoch brach der Aktienkurs ein. Oracle plant nämlich für 2027 gigantische Investitionen von bis zu 95 Milliarden US-Dollar. Das offenbart eine fundamentale Frage für den gesamten Software-Sektor. Was kostet die KI-Ära eigentlich wirklich?
Der Margendruck wächst
Für SAP ist diese Summe hochrelevant. Beide Konzerne kämpfen im Markt für Unternehmenssoftware um Marktanteile. Oracles Milliardenpläne senden ein klares Signal. Wer in der KI-Liga mitspielen will, muss massiv in Infrastruktur investieren. Das frisst unweigerlich die Margen.
Parallel dazu zog Goldman Sachs die Konsequenzen. Die Analysten senkten ihre Margenprognose für das zweite Halbjahr auf 72,8 Prozent. Sie verweisen auf steigende Hardwarekosten. Auch das geschätzte Gewinnwachstum fällt nun geringer aus. Eine Abstufung europäischer IT-Aktien durch die UBS verstärkte den Verkaufsdruck.
Absturz auf Raten
Die Quittung der Börse fiel hart aus. Die SAP-Aktie beendete die Woche bei 141,64 Euro. Das entspricht einem Wochenverlust von fast zwölf Prozent. Seit Jahresbeginn steht ein Minus von knapp 30 Prozent auf der Anzeigetafel.
Vom 52-Wochen-Hoch bei 266,00 Euro ist das Papier meilenweit entfernt. Auch charttechnisch sieht es düster aus. Der Kurs notiert gut 24 Prozent unter der wichtigen 200-Tage-Linie. Der Markt sucht derzeit jeden Anhaltspunkt für Margendruck.
Teure Zukäufe für die Vision
Dahinter steckt ein strukturelles Dilemma. SAP baut mit Hochdruck an einer umfassenden KI-Plattform. KI-Agenten sollen künftig ganze Unternehmensprozesse steuern. Dafür kauft der Konzern gezielt Technologie ein.
Die Übernahme des Daten-Spezialisten Reltio ist bereits abgeschlossen. Zwei weitere Zukäufe stehen kurz bevor. Dremio und Prior Labs sollen das Portfolio ergänzen. Reltio bereinigt die Daten, Dremio vereint sie, Prior Labs liefert die Modelle.
Strategisch ist das absolut kohärent. Finanziell ist es jedoch eine Belastung. Die Zukäufe verwässern laut Goldman Sachs die Marge leicht. Genau das stört Investoren bei einem Premium-Software-Anbieter. Die Infrastrukturkosten fressen die erhofften Gewinne auf.
Der Tag der Wahrheit
Alles fokussiert sich nun auf den 23. Juli 2026. An diesem Tag präsentiert SAP die Zahlen für das zweite Quartal. Der reine Umsatz rückt dabei in den Hintergrund. Der Markt verlangt Antworten auf zwei drängende Themen.
Erstens geht es um das Wachstum der Cloud-Auftragsbestände. Zweitens fordern Analysten konkrete Aussagen zur Kostenkontrolle im KI-Bereich. Der Vorstand muss beweisen, dass Walldorf den Spagat schafft. SAP muss die KI-Infrastruktur massiv ausbauen und gleichzeitig die Margen stabilisieren. Gelingt das nicht, droht der nächste Rückschlag.
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