Der spanische Analysehaus-Ableger Grupo Santander hat SAP am Dienstag von „Outperform“ auf „Market Perform“ zurückgestuft. Der zuständige Analyst begründete den Schritt mit einer schleppenden Monetarisierung der KI-Angebote sowie mit dem Bewertungsdruck, der sich nach der jüngsten Kursrally aufgebaut habe. Damit reiht sich das Institut in eine wachsende Reihe kritischer Stimmen ein, die den Ausbau der SAP-KI-Strategie skeptisch begleiten.
Bereits Ende August hatte UBS-Analyst Michael Briest sein Votum von „Buy“ auf „Neutral“ gesenkt, das Kursziel dabei aber von 164 auf 201 Euro angehoben. Sein zentraler Kritikpunkt: SAP verfüge bislang nur über 17 verfügbare KI-Agenten – weit entfernt vom eigenen Jahresziel von 200. Die Diskrepanz zwischen ambitionierten Zielmarken und tatsächlicher Auslieferung dürfte auch hinter der jüngsten Santander-Entscheidung stehen.
Wachstumszahlen stehen im Kontrast zur Analystenskepsis
Die Skepsis der Analysten trifft auf ein Unternehmen, das bei den Kerngeschäftszahlen zuletzt deutlich zulegte. Im zweiten Quartal wuchs der Current Cloud Backlog um 27 Prozent auf 22,9 Milliarden Euro, die Cloud-Erlöse legten um 22 Prozent zu.
SAP bestätigte im Zuge der Zahlen den Ausblick für das Non-IFRS-Betriebsergebnis 2026 mit einer leicht angepassten Spanne von 11,8 bis 12,2 Milliarden Euro – die Korrektur resultiert aus einem Verwässerungseffekt durch die Übernahmen von Dremio und Prior Labs, nicht aus operativer Schwäche.
Genau diese Zukäufe illustrieren, worauf die Analystenkritik eigentlich zielt: SAP investiert kräftig in KI-Infrastruktur, ohne dass sich der Ertrag daraus bereits in vergleichbarem Tempo materialisiert.
Mit der abgeschlossenen Übernahme von Prior Labs, einem Pionier tabellarischer Foundation Models, kündigte SAP an, in den kommenden vier Jahren mehr als eine Milliarde Euro in den Aufbau eines eigenen Frontier-AI-Labors für strukturierte Daten zu stecken. Prior Labs soll dabei als unabhängige Einheit weiterarbeiten.
Insider und Großaktionär bleiben investiert
Trotz der Analystenskepsis zeigen sich sowohl Unternehmensinsider als auch institutionelle Anleger unbeeindruckt. Mitte August erwarb ein Insider 1.700 Aktien zu 179,15 Euro je Stück, wenige Tage vor dem UBS-Downgrade folgte ein weiterer Kauf über 1.500 Aktien zu 178,30 Euro. Parallel dazu erhöhte BlackRock seinen Stimmrechtsanteil an SAP im gleichen Zeitraum leicht auf 6,75 Prozent.
Diese Käufe fallen in eine Phase, in der die Aktie bereits ein gutes Stück von ihrem Jahrestief entfernt notierte – ein Signal, dass zumindest Teile der Eigentümerbasis die kurzfristige Bewertungsdiskussion nicht teilen. Am Freitag schloss das Papier bei 185,10 Euro, ein Minus von 0,6 Prozent auf Tagesbasis. Über die vergangene Woche verlor die Aktie 3,0 Prozent, bleibt aber auf Monatssicht mit einem Plus von 8,9 Prozent im Aufwärtstrend.
Was die Rückstufungen für Anleger bedeuten
Für Anleger zeichnet sich ein zweigeteiltes Bild: Operativ liefert SAP mit zweistelligem Cloud-Wachstum solide Zahlen, während die Analystengemeinde zunehmend hinterfragt, ob die milliardenschweren KI-Investitionen zeitnah in Erlöse münden.
Die Rückstufungen von UBS und Santander markieren keinen fundamentalen Bruch, deuten aber auf sinkende Geduld mit der Lücke zwischen KI-Ambition und KI-Ausrollung hin. Solange SAP das selbstgesteckte Ziel von 200 verfügbaren Agenten nicht erreicht, dürfte diese Diskussion die Bewertung begleiten.
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