Ein Patenturteil gegen SAP setzt einen Gegenpunkt zur positiven Geschäftsentwicklung: Am Montag wurde über das Verbot einer bestimmten Signavio-Funktion in Deutschland berichtet. SAP erklärte, Berufung eingelegt zu haben. Die Aktie legte gestern dennoch um 2,0% zu. Als Anlass für die positive Börsenreaktion nannte dpa-AFX das starke Cloudgeschäft und den optimistischeren Ausblick.
Patenturteil betrifft einzelne Signavio-Funktion
Medienberichten zufolge untersagte das Landgericht München I SAP eine bestimmte Funktion von Signavio Process Intelligence wegen einer Patentverletzung zugunsten von Celonis. Damit betrifft die Entscheidung eine konkrete Funktion in Deutschland, nicht das gesamte Angebot von SAP.
Für Anleger ist diese Abgrenzung wesentlich. Das Urteil stellt ein rechtliches Risiko innerhalb des Produktangebots dar. Es rechtfertigt aber keine pauschale Aussage über Einschränkungen des gesamten Geschäfts. Ebenso ist die von SAP erklärte Berufung nicht mit einer Aufhebung des Verbots gleichzusetzen.
Die rechtliche Auseinandersetzung und die operative Entwicklung müssen deshalb getrennt bewertet werden. Während das Verfahren eine einzelne Funktion betrifft, vermitteln die Geschäftszahlen ein breiteres Bild der Nachfrage.
Cloudwachstum prägt die Börsenbewertung
Die gestern veröffentlichten Quartalszahlen bilden den wirtschaftlichen Hintergrund der Kursreaktion. Im dritten Quartal 2026 stieg der Umsatz um 13 % auf 10,27 Mrd. €. Damit wuchs das Gesamtgeschäft deutlich, während die Cloudaktivitäten noch stärker zulegten.
Gerade dieser Unterschied erklärt, weshalb die Börse ihren Blick auf die Cloudentwicklung richtet. Entscheidend sind dabei nicht allein bereits verbuchte Erlöse, sondern auch die Entwicklung des vertraglich gesicherten Geschäfts.
Der Cloud-Umsatz erhöhte sich um 26 % auf 6,67 Mrd. €. Der Current Cloud Backlog wuchs um 28 %.
Dieser Auftragsbestand erreichte 24,1 Mrd. €. Zugleich meldete SAP einen Anstieg des IFRS-Betriebsergebnisses um 18 %.
Optimistischere Erlöserwartung, unveränderte Ergebnisspanne
Der Ausblick enthält allerdings eine wichtige Differenzierung: SAP erwartet die Cloud- sowie die Cloud- und Softwareerlöse jeweils am oberen Ende der bisherigen Prognosespanne. Eine entsprechend angehobene Ergebnisspanne meldete das Unternehmen nicht.
Für 2026 blieb der Non-IFRS-Ausblick beim Betriebsergebnis bei 11,8 bis 12,2 Mrd. €. Die höhere Zuversicht bei den Erlösen ist somit nicht mit einer Anhebung dieser Gewinnprognose gleichzusetzen.
Die positive Kursreaktion spiegelt damit vor allem das Cloudwachstum und die zuversichtlichere Umsatzerwartung wider. Das Signavio-Urteil bleibt ein gesonderter rechtlicher Belastungsfaktor. Für die Einordnung zählt beides: die konkrete Reichweite des Verbots und die unveränderte Ergebnisspanne trotz des stärkeren Erlösausblicks.
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