SAP treibt seine Transformation zum KI-Datenkonzern mit einer milliardenschweren Wette auf strukturierte Unternehmensdaten voran. Am 17. Juli schloss der Walldorfer Konzern die Übernahme von Prior Labs ab, einem Pionier für sogenannte Tabellarische Foundation Models.
Diese Modelle sollen künftig direkt auf strukturierten Geschäftsdaten arbeiten, statt wie klassische Sprachmodelle auf Text trainiert zu sein. SAP kündigte an, in den kommenden vier Jahren mehr als eine Milliarde Euro zu investieren, um aus Prior Labs ein weltweit führendes Frontier-AI-Labor für strukturierte Daten zu formen.
Die Ambition ist deutlich: SAP will nicht nur Software-Anbieter für Unternehmensprozesse bleiben, sondern die zugrundeliegende KI-Infrastruktur für diese Prozesse selbst kontrollieren. Der Schritt reiht sich ein in eine Serie von Zukäufen, mit denen SAP sein Cloud- und KI-Portfolio verbreitert – zuletzt mit der größten Übernahme seit dem milliardenschweren Qualtrics-Deal von 2018.
Neue Referenzkunden für Cloud-Portfolio
Parallel zur strategischen Neuausrichtung sammelt SAP weiter prominente Referenzkunden ein. Am Montag vermeldete der Konzern, dass Lockheed Martin seine Personalprozesse mit SAP-SuccessFactors-Lösungen modernisiert. Solche Abschlüsse mit Großkonzernen unterstreichen, dass SAP auch im hart umkämpften HR-Software-Segment weiterhin Boden gutmacht.
Bereits Anfang September hatte der Industriezulieferer HARTING seine Cloud-Transformation mit RISE with SAP vorangetrieben – ein weiteres Beispiel dafür, wie SAP klassische Bestandskunden aus dem Mittelstand in die Cloud migriert.
Diese Kundengewinne fügen sich in ein Bild, das die jüngsten Quartalszahlen bereits gezeichnet hatten: Der Cloud-Backlog legte im zweiten Quartal um 27 Prozent auf 22,9 Milliarden Euro zu, die Cloud-Erlöse wuchsen währungsbereinigt um 24 Prozent.
Der Konzern hatte im Zuge dessen seine Gewinnprognose für das laufende Jahr aktualisiert und rechnet nun mit einem Non-IFRS-Betriebsgewinn von 11,8 bis 12,2 Milliarden Euro – trotz eines Verwässerungseffekts von über 100 Millionen Euro durch die Übernahmen von Dremio und Prior Labs.
Regulatorische Altlasten abgearbeitet
Auch auf regulatorischer Seite hat SAP zuletzt Klarheit gewonnen: Die Europäische Kommission schloss ihre Überprüfung der Wartungs- und Support-Richtlinien für On-Premise-Lösungen ab, was der Konzern ausdrücklich begrüßte. Diese Überprüfung hatte über Monate hinweg für Unsicherheit gesorgt, insbesondere bei Bestandskunden, die klassische SAP-Systeme betreiben und Sorge vor verschärften Konditionen hatten.
Für Anleger zeichnet sich damit ein Bild einer Konzernstrategie, die auf mehreren Ebenen gleichzeitig ausgebaut wird: technologisch durch die KI-Investition in Prior Labs, kommerziell durch neue Großkundenverträge, und regulatorisch durch die abgeschlossene EU-Überprüfung.
Die Aktie notierte am Freitag bei 178,50 Euro und legte um 0,8 Prozent zu, bleibt aber mit einem Minus von 26 Prozent zum 52-Wochen-Hoch von 242,00 Euro spürbar unter ihren Höchstständen.
Auf Sicht von zwölf Monaten steht ein Kursrückgang von 19 Prozent zu Buche, während sich der Titel gegenüber seinem 52-Wochen-Tief von 127,52 Euro um 40 Prozent erholt hat. Die operative Substanz aus Cloud-Wachstum und KI-Investitionen steht damit einer Marktbewertung gegenüber, die den Konzernumbau bislang nur teilweise honoriert.
SAP-Aktie: Kaufen oder verkaufen?! Neue SAP-Analyse vom 12. September liefert die Antwort:
Die neusten SAP-Zahlen sprechen eine klare Sprache: Dringender Handlungsbedarf für SAP-Aktionäre. Lohnt sich ein Einstieg oder sollten Sie lieber verkaufen? In der aktuellen Gratis-Analyse vom 12. September erfahren Sie was jetzt zu tun ist.
