Liebe Leserin, lieber Leser,
ganz kurz schob sich die Aktie von SAP zum Wochenstart wieder auf 148,62 Euro. Doch die Papiere des Softwarekonzerns hielten diese Bewertung nicht allzu lange, rutschten alsbald wieder in den Bereich von rund 145 Euro zurück. Damit ist die Hoffnung auf Besserung bei der SAP-Aktie vorerst wieder beendet. In der vergangenen Woche sah das nach zwei angekündigten und einer vollzogenen Übernahme noch anders aus: Gut 156 Euro standen am Mittwoch wieder auf dem Kurszettel, doch es war ein kurzes Vergnügen.
SAP geht jetzt in die KI-Offensive
Denn insbesondere die Sorge, neue KI-Technologien könnten die Geschäftsmodelle von Softwareanbietern wie SAP ins Wanken bringen, hatten die Aktie trotz eines ordentlichen Quartalsergebnisses zuletzt belastet. Und genau an diesem Punkt will der Konzern nun gegensteuern. SAP stärke mit der Übernahme von Dremio seine Datenbasis für agentische KI, hieß es am 4. Mai. Mit der geplanten Übernahme stärke SAP gezielt seine Business Data Cloud und schaffe die Grundlage, SAP- und Nicht SAP-Daten nahtlos zu integrieren, um agentische KI in Unternehmen schneller und wirkungsvoller nutzbar zu machen, hieß es.
„Die offene und leistungsstarke Datenplattform von Dremio erweitert SAPs Fähigkeit, analytische und KI Workloads in Echtzeit und über Systemgrenzen hinweg auf einer konsistenten, geschäftsrelevanten Datenbasis auszuführen“, so die Mitteilung. Die finanziellen Rahmendaten der Transaktion wurden derweil nicht veröffentlicht. Der Abschluss der Übernahme stehe noch unter dem Vorbehalt behördlicher Genehmigungen.
SAP will eine Milliarde in Prior investieren
Noch interessanter allerdings ist wohl der Plan von SAP, Prior Labs zu übernehmen und Europas führendes Frontier-KI-Lab aufzubauen. Dazu haben die Walldorfer mit dem Freiburger Start-up eine verbindliche Vereinbarung unterzeichnet, wie am gleichen Tag bekannt wurde. Damit werde SAP „seinen Weg im Bereich TFMs, der mit RPT‑1 begann, beschleunigen und eines der weltweit führenden Forschungsteams für tabellarische Foundation Models in der SAP‑Familie willkommen heißen“, hieß es in der Pressemitteilung.
Prior Labs werde nach Abschluss der Übernahme weiterhin als eigenständige Einheit operieren. SAP verpflichtet sich indes, in den kommenden vier Jahren mehr als eine Milliarde Euro zu investieren, um Prior Labs zu einem weltweit führenden Frontier‑AI‑Labor für strukturierte Daten auszubauen – „jene Daten, auf denen die Geschäfte der Welt basieren“, wie man betonte.
SAP hat Übernahme von Reltio abgeschlossen
- Die SAP-Aktie schob sich nach den beiden Ankündigungen wieder deutlich nach vorne, hielt das Kursniveau aber nicht
- Daran änderte auch die Meldung vom Donnerstag nichts, dass SAP die Übernahme von Reltio abgeschlossen habe
Mit der Akquisition des Anbieters von Master Data Management (MDM) Software, unterstütze SAP ihre Kunden dabei, Unternehmensdaten aus SAP- und Nicht-SAP-Systemen für den Einsatz von KI vorzubereiten. „Die Kunden erhalten damit leistungsstarke Werkzeuge, um Daten über verschiedene Quellen hinweg zu vereinheitlichen, zu bereinigen und zu harmonisieren, um so eine leistungsfähige agentische KI im gesamten Unternehmen einsetzen zu können“, so das Versprechen.
Analysten bestätigten Kaufempfehlung
Die Anleger bleiben bei SAP dennoch skeptischer als die Analysten. So hatte etwa die schweizer UBS im Nachgang der Meldungen eine Kaufempfehlung bei einem Kursziel von 205 Euro ausgesprochen. Die britische Investmentbank Barclays bestätigte SAP auf „Overweight“ mit einem Kursziel von sogar 220 Euro – rund 50 Prozent über dem aktuellen Kursniveau.
Mit der Übernahme von Dremio und Prior Labs stärke SAP sein Daten- sowie KI-Fundament und untermauere die Ambitionen im Bereich der agentenbasierten KI, schrieb Barclays-Analyst Sven Merkt laut finanzen.net in seiner Einschätzung. Das Potenzial sei beträchtlich, das Umsetzungsrisiko aber hoch, und die Dynamik im Partnerbereich bleibe eine zentrale Frage, hieß es einschränkend. Das sieht man am Markt offenbar ähnlich.
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