Achtzehn Monate. So lange existiert Prior Labs, ein Startup aus Freiburg, das sich auf KI-Modelle für strukturierte Daten spezialisiert hat. Das reichte SAP, um die Schecks zu zücken. Der Deal selbst ist nach Informationen von Pathfounder ein fast vollständig in Cash abgewickelter Kauf, mit weit über einer halben Milliarde Dollar direkt an die Gründer Frank Hutter, Noah Hollmann und Sauraj Gambhir. Den genauen Kaufpreis nennt SAP nicht.
Eine Milliarde Euro obendrauf
Was SAP sehr wohl nennt: Die Investition, die folgen soll. Über die nächsten vier Jahre will der Konzern eine Milliarde Euro in Prior Labs stecken, um daraus ein KI-Labor für strukturierte Daten zu formen. Also für genau das, womit SAP seit Jahrzehnten sein Geld verdient: Tabellen, Datenbanken, Buchhaltung, HR, Einkauf.
Prior Labs hat mit seiner TabPFN-Modellreihe offenbar echten Nerv getroffen. Über drei Millionen Downloads der Open-Source-Modelle, ein Balderton-Partner nennt den Exit auf X schon jetzt „eines der größten Venture-Ergebnisse Deutschlands“. Für ein anderthalb Jahre altes Startup ist das ordentlich.
SAP spielt Angriff und Abwehr zugleich
Denn während SAP mit der Akquisition offensiv in Richtung KI marschiert, zieht der Konzern gleichzeitig die Zugbrücke hoch. Laut einem Bericht von The Information blockiert SAP KI-Agenten wie OpenClaw, die nicht ausdrücklich autorisiert wurden. Die eigene API-Politik ist eindeutig: Nur „SAP-endorsed architectures“ dürfen auf die Produkte zugreifen. Dazu zählen natürlich die eigenen Joule Agents, noch in der Beta-Phase, sowie NemoClaw von Nvidia, das auf Nvidias Agent Toolkit aufbaut und explizit freigegeben ist.
Salesforce macht das anders. Der andere große Incumbent, der gerade ebenfalls mit der sogenannten SaaSpocalypse kämpft, lässt seine Kunden mit der neuen Headless-360-Architektur selbst entscheiden, welche Agenten sie einsetzen wollen, OpenClaw eingeschlossen. SAP setzt auf Kontrolle, Salesforce auf Offenheit. Welcher Ansatz sich durchsetzt, wird sich zeigen.
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„Die größte ungenutzte Chance“
SAP-CTO Philipp Herzig formulierte es in einem Statement so: „Schon früh erkannte SAP, dass die größte ungenutzte Chance in der Unternehmens-KI nicht bei großen Sprachmodellen lag, sondern bei KI, die für die strukturierten Daten gebaut ist, auf denen die Geschäfte der Welt laufen.“ Das klingt nach Überzeugung. Es klingt aber auch ein bisschen danach, dass man sich rechtfertigt, warum man dieses Labor nicht selbst gebaut hat, sondern kaufen musste. Anderthalb Jahre alt, drei Millionen Downloads, und SAP schreibt einen sehr großen Scheck. Manchmal ist der schnellste Weg nach vorn eben der durch die Akquisitionskasse.
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