SAP-Aktie: Können alle so irren?

Die SAP-Aktie kommt nach dem Oracle-Schock nicht mehr voran. Daran änderten auch die Analysteneinschätzungen nichts. Kein einziger sieht die Papiere so tief unten.

Auf einen Blick:
  • Die SAP-Aktie notiert nach ihrem Kursknick weit unter den Prognosen sämtlicher Analysten
  • Selbst für das niedrigste Kursziel müsste sie sich aktuell um gut zehn Prozent verbessern
  • Die Anleger aber fürchten offenbar hohe Ausgaben für KI-Lösungen und Cloud-Infrastruktur

Liebe Leserin, lieber Leser,

SAP gehört zu den bedeutendsten Softwareanbietern weltweit. Die Quartalszahlen waren ordentlich, auch in Sachen KI hat sich der Walldorfer Konzern längst auf den Weg gemacht. Die Aktie allerdings profitierte bislang nicht vom Boom der Künstlichen Intelligenz, ganz anders als etwa Nvidia oder Micron. Die Analysten indes hatten nach Zahlen allesamt hohe Kursziele aufgerufen – und das ist keineswegs eine Übertreibung. Sogar die niedrigste Prognose für die SAP-Aktie ist nach einem Abschlag von gut zehn Prozent aus den vergangenen sieben Handelstagen auf aktuell knapp 140 Euro längst unterschritten. Können alle vermeintlichen Experten so irren?

Kein SAP-Kursziel unter 155 Euro

Denn laut marketscreener.com liegt das niedrigste Kursziel für SAP aktuell bei 155 Euro. Selbst für diese äußerst vorsichtige Prognose müsste sich die Aktie derzeit um knapp zehn Prozent im Wert verbessern. Im Schnitt erwarten die 27 institutionellen Beobachter weitaus mehr, nämlich 215 Euro, rund 50 Prozent über dem aktuellen Kursstand. Entsprechend lauten die Empfehlungen:

  • 23 raten derzeit zum Kauf der SAP-Aktie
  • vier votieren im Moment auf „Halten“
  • kein einziger würde aktuell verkaufen

JP Morgan war bei SAP eher vorsichtig

Zu den wenigen eher vorsichtigen Analysten gehört Toby Ogg von der US-Bank JPMorgan. Er hatte die Einstufung für SAP in der Vorwoche mit einem Kursziel von 175 Euro auf „Neutral“ belassen. Ogg analysierte die Oracle-Geschäftszahlen vor einer Woche laut Medienberichten hinsichtlich ihrer Rückschlüsse für SAP.

Der Schwung bei den Cloud-Apps der Amerikaner habe erstmals in diesem Geschäftsjahr etwas nachgelassen, so der Analyst. Dies sende auch „ein leicht negatives Signal für die kurzfristigen Aussichten der Walldorfer in ihrem Enterprise-Geschäft“. Der Analyst erinnerte daran, dass der jüngste Microsoft-Bericht ähnlich zu werten gewesen sei.

Aktie mit rund 45 Prozent im Jahresminus

Leicht negativ war die Reaktion der Anleger auf die Oracle-Zahlen allerdings keineswegs – sondern massiv. Von noch 168,70 Euro im Tagesverlauf am 5. Juni rauschten die Anteilscheine von SAP auf zwischenzeitlich 138,38 Euro – ein Abschlag von nicht weniger als 18 Prozent. Auch wenn sich die Papiere mittlerweile wieder etwas gefangen haben, aufs Jahr gesehen steht noch immer ein Minus von etwa 45 Prozent.

SAP steht vor Investitionen in KI und Cloud

Was ist da los? Die Reaktion auf die Oracle-Zahlen zeige, „dass Anleger inzwischen weniger auf reine Wachstumsversprechen achten und stärker die Wirtschaftlichkeit von KI-Investitionen bewerten“, vermutet man beim Anlegermagazin sharedeals.de. „Auch für SAP dürfte sich in den kommenden Quartalen entscheiden, ob die hohen Ausgaben für KI-Lösungen und Cloud-Infrastruktur durch zusätzliche Umsätze und höhere Produktivität kompensiert werden können“, heißt es.

SAP-CEO Christian Klein habe bereits mehrfach betont, dass die aktuelle KI-Transformation mit der früheren Cloud-Umstellung vergleichbar sei. Die Folge:

  • Kurzfristig könnten höhere Investitionen die Ergebnisse belasten
  • langfristig allerdings sollen diese die Wettbewerbsposition stärken

„Komplexe Altsysteme, hohe Umstellungskosten“

Doch SAP steht vor mehreren strategischen Herausforderungen: Die Migration der Kunden auf die Cloud verläuft laut Constellation Research langsamer als erwartet, da viele Unternehmen komplexe Altsysteme, hohe Umstellungskosten und fehlende Fachkräfte bewältigen müssen. Gleichzeitig müsse SAP beweisen, „dass seine KI-Angebote einen klaren Mehrwert schaffen und nicht hinter spezialisierten Anbietern zurückbleiben“, heißt es.

SAP-Kunden kritisieren demnach zudem komplexe Lizenz- und Preismodelle. Hinzu kommen steigende Anforderungen an Datensicherheit, Compliance und die Integration neuer Technologien. Investoren beobachten offenbar kritisch, ob SAP trotz des Wandels von klassischen Softwarelizenzen zu Cloud- und KI-basierten Geschäftsmodellen das erwartete Wachstum und die Profitabilität erreichen kann. Und das haben offenbar alle Analysten unterschätzt.

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