Ein Analystenurteil in den USA reicht aus, um alte Sorgen bei SAP neu zu befeuern. KeyBanc stuft Salesforce herab und zweifelt öffentlich am KI-Versprechen der Branche. Die SAP-Aktie notiert aktuell bei 139,28 Euro, ein Plus von 0,61 Prozent – doch das ändert nichts am eigentlichen Problem.
KeyBanc kappt Kursziel für Salesforce komplett
Analyst Jackson Ader senkt seine Einstufung für Salesforce am Mittwoch von „Overweight“ auf „Sector Weight“. Sein Kursziel streicht er komplett. Der Grund: Ihm fehlen die Beweise, dass die KI-Plattform Agentforce das Wachstum bald beschleunigt.
Ader begründet seinen Schritt mit Beobachtungen von zahlreichen Partner- und Kundenveranstaltungen. Zwei Probleme ziehen sich durch: Die Kundendaten sind oft nicht sauber genug für sinnvolle KI-Arbeit. Zudem sei Agentforce als Produkt schlicht noch nicht reif.
Hinzu kommt ein Warnsignal aus Aders Umfragen. Mehr Kunden planen, ihr Salesforce-Budget in den kommenden zwölf Monaten zu kürzen, als es aufzustocken. Die Salesforce-Aktie gerät nach der Herabstufung deutlich unter Druck.
Warum das auch SAP betrifft
Die Episode trifft einen wunden Punkt der gesamten Softwarebranche. Investoren fragen sich branchenweit, ob sich milliardenschwere KI-Investitionen zeitnah in Umsatz übersetzen lassen. Manche befürchten sogar, dass KI-Agenten bestehende Lizenzmodelle unter Druck setzen könnten.
Genau diese Sorge lastet seit Monaten auch auf SAP. Die Aktie hat im laufenden Jahr sogar deutlich stärker verloren als Salesforce.
Der Kurs steht seit Jahresbeginn mit 31,05 Prozent im Minus, auf Zwölfmonatssicht sind es 46,79 Prozent. Vom 52-Wochen-Hoch bei 265,75 Euro aus dem Juli 2025 trennen die Aktie mittlerweile 47,59 Prozent. Zum 52-Wochen-Tief von 130,80 Euro, markiert erst am 25. Juni, sind es nur noch 6,48 Prozent Abstand.
Auf Wochensicht zeigt sich der Kurs mit minus 0,03 Prozent nahezu unverändert. Der Monatsrückgang liegt bei 5,99 Prozent. Der 50-Tage-Durchschnitt liegt bei 145,73 Euro, der 200-Tage-Durchschnitt bei 178,71 Euro – SAP handelt damit deutlich unter beiden Marken.
Der RSI von 47,0 zeigt weder eine überkaufte noch eine überverkaufte Lage. Die annualisierte Volatilität von 38,61 Prozent auf Monatssicht signalisiert aber ein weiterhin nervöses Handelsumfeld.
Blick auf die Quartalszahlen am 23. Juli
Der Fall Salesforce lenkt die Aufmerksamkeit zusätzlich auf die kommenden SAP-Zahlen. Wenn der Walldorfer Konzern seine Ergebnisse für das zweite Quartal und das erste Halbjahr 2026 vorlegt, wird eine Frage zentral sein: Kann SAP belastbare Belege für eine echte Monetarisierung seiner KI-Angebote liefern?
Bleibt SAP diese Belege schuldig, könnte sich die Skepsis, die aktuell Salesforce belastet, direkt auf den Kurs übertragen. Liefert der Konzern dagegen konkrete Fortschritte bei der KI-Monetarisierung, hätte die Aktie nach den herben Verlusten der vergangenen Monate eine erste Basis für eine Stabilisierung.
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