Zwei Übernahmen bekommen grünes Licht. Der Aktienkurs bricht trotzdem ein. Bei SAP zeigt sich am Mittwoch, wie wenig Unternehmensnachrichten gegen ein aufgewühltes Marktumfeld ausrichten können.
Das Bundeskartellamt hat die Übernahmen der US-Firma Dremio und der Freiburger Prior Labs GmbH freigegeben. Kartellamtspräsident Andreas Mundt sieht keine wettbewerblichen Bedenken. Die Prüfung lief über die Transaktionswertschwelle, die bei einem Volumen von über 400 Millionen Euro greift.
Zwei Zukäufe für die KI-Strategie
Dremio bringt SAP näher an moderne Datenanalyse heran. Das 2015 gegründete Unternehmen hat sich auf Data-Lakehouse-Lösungen spezialisiert. Damit lassen sich Analysen direkt auf großen Cloud-Speichern durchführen.
Prior Labs verfolgt einen anderen Ansatz. Die 2024 gegründete Firma aus Freiburg entwickelt sogenannte Tabular Foundation Models. Diese Modelle bilden die Grundlage für spezialisierte KI-Analysen und agentische KI-Anwendungen.
Beide Deals passen zur aktuellen Konzernstrategie. SAP richtet sein Geschäft konsequent auf KI-gestützte Cloud-Lösungen aus. Auch Partnerunternehmen ziehen mit: Die SNP SE stellte am Mittwoch auf der „Transformation World“ in Heidelberg neue Kooperationen vor, die SAP-Kunden mit KI-Layern schneller in die Cloud bringen sollen.
Geopolitik überschattet die guten Nachrichten
Die Kartellamt-Freigabe konnte den Kurs nicht stützen. Die SAP-Aktie fiel um 3,49 Prozent und notiert bei 138,18 Euro. Damit steht seit Jahresbeginn ein Minus von 31,59 Prozent zu Buche.
Der Auslöser liegt außerhalb des Unternehmens. Eine Waffenruhe im Nahen Osten wurde für beendet erklärt, die USA griffen Ziele in der Region an. Der DAX brach daraufhin zeitweise um mehr als 2,5 Prozent ein. Steigende Ölpreise und neue Inflationssorgen trafen zinssensitive Technologiewerte wie SAP besonders hart.
Im Jahresvergleich fällt das Bild noch deutlicher aus. Der Kurs liegt gegenüber dem Stand vor zwölf Monaten um 47,44 Prozent niedriger. Zum 52-Wochen-Hoch von 266,00 Euro aus dem Juli 2025 klafft mittlerweile eine Lücke von über 48 Prozent.
Charttechnik zeigt Nähe zum Jahrestief
Das Papier bewegt sich derzeit nur noch 5,64 Prozent über seinem 52-Wochen-Tief von 130,80 Euro, markiert erst am 25. Juni. Der Relative-Stärke-Index liegt bei 45,4 – eine neutrale Zone ohne klares Signal. Gegenüber dem 200-Tage-Durchschnitt von 179,66 Euro liegt die Aktie jedoch rund 23 Prozent zurück.
Diese Diskrepanz zeigt: Das kurzfristige Handelsgeschehen hat sich vom längerfristigen Trend weit entfernt. Auch der 50-Tage-Durchschnitt von 145,99 Euro liegt klar über dem aktuellen Kurs.
Der Blick der Anleger richtet sich nun auf die Berichtssaison für das zweite Quartal. Dort muss SAP zeigen, ob die milliardenschweren KI-Investitionen bereits messbare Effekte auf die Cloud-Wachstumsraten haben. Erst konkrete Zahlen können belegen, ob Zukäufe wie Dremio und Prior Labs operativ Wirkung zeigen – losgelöst vom aktuellen geopolitischen Störfeuer.
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