Zwei Übernahmen, ein Ziel: SAP baut sein KI-Geschäft aus. Das Bundeskartellamt hat den Zukäufen von Dremio und Prior Labs zugestimmt – ausgerechnet in einer Woche, in der die Aktie auf Jahressicht rund ein Drittel ihres Werts verloren hat.
Zwei Bausteine für die KI-Strategie
Die Bonner Wettbewerbsbehörde hat SAP im Vorprüfverfahren freigegeben, das US-Unternehmen Dremio sowie die Freiburger Prior Labs GmbH zu übernehmen. Beide Deals zielen auf dasselbe Feld: Datenmanagement und KI-basierte Analyse.
Dremio hat sich auf sogenannte Data Lakehouses spezialisiert. Das 2015 gegründete Startup macht unstrukturierte Daten für Business Intelligence und KI-Anwendungen nutzbar. Prior Labs aus Freiburg ist deutlich jünger – erst 2024 gegründet – und entwickelt Tabular Foundation Models: vortrainierte KI-Modelle für strukturierte Tabellendaten.
Kartellamtspräsident Andreas Mundt begründete die Freigabe mit der wachsenden Bedeutung von Datenorganisation für agentische KI. SAP stärkt mit beiden Zukäufen genau diese Position.
Keine Bedenken trotz Marktmacht im ERP-Geschäft
Die Behörde prüfte auch, ob SAP seine starke Stellung im ERP-Markt durch die Zukäufe ausbauen könnte. Sie fand dafür keine ausreichenden Anhaltspunkte. Eine vertiefte Prüfung war damit nicht nötig.
Geprüft wurden beide Fälle nach der Transaktionswertschwelle. Diese greift bei Kaufpreisen über 400 Millionen Euro, selbst wenn die Zielunternehmen in Deutschland noch kaum Umsatz erzielen. Das Amt stellte zudem fest: Dremio und Prior Labs treffen in ihren jungen Marktsegmenten auf mehrere leistungsfähige Wettbewerber.
Führungsumbau läuft parallel
Die Kartellfreigabe fällt in eine Phase tiefgreifender Umstrukturierung bei SAP. Zum 1. Juli hat CEO Christian Klein die Produktführung neu geordnet. Zwei neue Machtzentren entstehen: die Business AI Platform unter Philipp Herzig für die technologische Basis, und die Autonomous Suite unter Manoj Swaminathan für KI in Finanzen, Lieferkette und Personalwesen.
Der Umbau hat auch Konsequenzen für die Führungsspitze. Muhammad Alam, bisher Leiter der Produktentwicklung, verlässt das Unternehmen im Frühjahr 2027. Michael Ameling scheidet sofort aus.
Aktie nahe am Jahrestief, Zahlen stehen bevor
Am Kapitalmarkt zeigt sich derweil ein anderes Bild. Die SAP-Aktie schloss am Freitag bei 138,50 Euro, ein leichtes Plus von 0,13 Prozent. Auf Monatssicht steht dennoch ein Rückgang von 6,52 Prozent zu Buche, seit Jahresbeginn sogar von 31,44 Prozent.
Binnen zwölf Monaten hat das Papier 47,09 Prozent verloren. Damit liegt der Kurs 47,88 Prozent unter dem 52-Wochen-Hoch von 265,75 Euro aus dem Juli 2025. Zum erst im Juni markierten Jahrestief von 130,80 Euro sind es dagegen nur noch 5,89 Prozent Abstand – die Aktie bewegt sich also nahe ihrem Tiefpunkt.
Nächste Woche legt SAP die Zahlen für das zweite Quartal vor. Analysten erwarten im Schnitt ein Ergebnis je Aktie von 1,76 Euro, deutlich mehr als die 1,46 Euro im Vorjahr. Beim Umsatz rechnet der Markt mit rund 9,85 Milliarden Euro, ein Plus von 9,08 Prozent.
Die freigegebenen Übernahmen sollen die neu geordnete Produktarchitektur um Datenmanagement- und Analysefähigkeiten ergänzen. Ob das reicht, um den Kurs von seinem 200-Tage-Durchschnitt bei 178,70 Euro wegzubewegen, entscheidet sich auch an den Zahlen der kommenden Woche.
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