Liebe Leserin, lieber Leser,
die Sorge, dass Künstliche Intelligenz (KI) außer Kontrolle geraten könnte, hat zum Wochenstart einen ganzen Sektor an der Börse einknicken lassen – von Nvidia bis Siemens Energy. Völlig unbeschadet davon kam die Aktie von SAP. Der Software-Gigant aus Walldorf hat am Montag sogar deutlich zugelegt, von zuvor rund 179 aus 187 Euro. Wenngleich die SAP-Aktie seitdem wieder ein wenig abgegeben hat, ein Plus von mehr als vier Prozent auf Wochensicht kann sich noch immer sehen lassen. Die jüngste Sorge, der Konzern könnte im Zuge der KI den Anschluss verpassen, hat sich nun praktisch ins Gegenteil verkehrt.
SAP Aktie Chart
SAP setzt auf geprüfte KI-Lösungen
Denn SAP kann laut einer McKinsey-Studie aus den aktuellen Ängsten rund um Künstliche Intelligenz (KI) nicht nur Risiken ableiten, sondern vor allem Chancen generieren. Der Schlüssel liege darin, KI als Enabler für Effizienz, Compliance und neue Geschäftsmodelle zu begreifen – und dies transparent zu kommunizieren. Die heutige Debatte um KI-Sicherheit schafft demnach zugleich ein Klima des Vertrauens, in dem Unternehmen vermehrt auf geprüfte KI-Lösungen setzen.
Gleichzeitig eröffne KI die Gelegenheit, SAPs Kernprodukte zu modernisieren, heißt es. Intelligente Automatisierung, prädiktive Analytik und KI-gestützte Steuerung von Geschäftsprozessen können S/4HANA, SAP Analytics Cloud und Industry Cloud aufwerten – so zumindest die Absicht. Unternehmen profitieren im Idealfall von reduzierten Durchlaufzeiten, geringeren Fehlerquoten und besserer Planung. Ein fokussierter Ausbau von KI-Copiloten in ERP-Umgebungen steigert laut der Studie die Produktivität der Fachbereiche, „während Sicherheits- und Datenschutzfeatures Vertrauen schaffen“.
SAP hat laut Analyst „noch viel zu tun“
Ob SAP tatsächlich einen Nutzen daraus ziehen wird, bleibt abzuwarten. Die Schweizer Großbank UBS etwa hatte die SAP-Aktie Anfang des Monats zwar auf „Neutral“ belassen, das Kursziel von 201 Euro allerdings lässt durchaus noch Luft nach oben. Die Walldorfer machten „kleine Fortschritte bei der Integration von KI-Assistenten, es gebe aber noch viel zu tun“, schrieb Michael Briest.
Das ist den Verantwortlichen im Unternehmen offenbar bewusst – und auch dem CEO. SAP-Chef Christian Klein hat Künstliche Intelligenz zum Jahreswechsel zur Chefsache gemacht, „All-in on AI“ lautet beim Softwarehersteller seither die Devise. Nach Handelsblatt-Informationen leitet Klein selbst mehrere zentrale Bereiche der Produkt- und Technologieentwicklung. Im Zuge einer Restrukturierung – Codename „Fuji“ – habe der CEO ab Juli die Verantwortung für „Autonomous Suite“ übernommen.
- Unter diesem Schlagwort fasst SAP die zentralen Komponenten seiner Geschäftssoftware zusammen
- Auch die Technologieplattform, jetzt „Business AI Platform“ genannt, sei nun in Kleins Ressort angesiedelt
Fast alle Analysten raten zum Kauf der Aktie
Und so schauen die Analysten insgesamt positiv auf die Bemühungen der Walldorfer. Das durchschnittliche Kursziel für SAP liegt laut marketscreener.com bei derzeit rund 207 Euro. Somit erkennen die institutionellen Beobachter ein weiteres Aufwärtspotenzial bei der Aktie von knapp 12 Prozent. Noch beeindruckender lesen sich die Empfehlungen: Von derzeit 28 gelisteten Analysten würden
- Aktuell 24 die Aktie von SAP kaufen
- Vier raten zum Halten der Papiere
- Kein einziger empfiehlt den Verkauf
Goldman Sachs weiter mit hohem SAP-Kursziel
Besonders positiv blickt Mohammed Moawalla von der US-Investmentbank Goldman Sachs auf die SAP-Aktie. Er hatte das Kursziel für SAP nach Zahlen zum zweiten Quartal Ende Juli zwar leicht von 230 auf 215 Euro gesenkt, die Einstufung aber auf „Buy“ belassen. Der Bestand an Cloud-Aboverträgen habe sich als robust erwiesen, schrieb er in seiner Nachbetrachtung. Zudem sei die Produkt-Pipeline trotz gesamtwirtschaftlicher Unsicherheiten stark. Das sehen die Anleger offenbar ganz ähnlich.
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