Liebe Leserinnen und Leser,
die SAP hat gestern Abend nun die lange erwarteten Quartalszahlen präsentiert. Sie haben in den vergangenen Tagen an dieser Stelle dazu einige Vorab-Analysen gelesen. Aus gutem Grund, denn die Börsen hatten über längere Zeit dem Unternehmen eine Schwäche zugeschrieben, die Analysten so nicht ganz teilen konnten oder wollten.
Die Zahlen, die gestern Abend präsentiert worden sind, könnten jedenfalls für die Aktie durchaus eine Wende einleiten. Insgesamt fielen die Zahlen solide aus und enthalten sowohl positive als auch weniger überzeugende Aspekte. Die Börsen haben unmittelbar reagiert und deuten zumindest an, dass es eine gewisse Beachtung gibt.
SAP: Sie war unter Druck geraten
Zunächst zur Ausgangslage: Die SAP-Aktie war in den vergangenen Wochen deutlich unter Druck geraten. Gestern schloss das Papier im Xetra-Handel bei 128,32 Euro und verlor dabei rund 2 %. Im nachbörslichen Handel an der Börse München legte die Aktie dagegen bereits wieder um 0,75 % auf rund 234 Euro zu. Zwar wurden zu diesem Zeitpunkt nur noch geringe Stückzahlen gehandelt, dennoch könnte dies bereits ein erster Hinweis darauf sein, wie der Markt die Zahlen bewertet. Sie dürfen gespannt sein, was sich z. B. an den Börsenplätzen heute in diesem Zusammenhang entwickelt.
Dabei war die Ausgangslage seit längerer Zeit schwach.
In den vergangenen Wochen und Monaten war SAP an der Börse deutlich abgestraft worden. Zuletzt war sogar die wichtige Unterstützung bei 130 Euro unterschritten worden. Das belegte noch einmal nachdrücklich, wie gering das Vertrauen der Anleger unmittelbar vor den Quartalszahlen war.
Die Hoffnung der Analysten nun im Vorfeld der Zahlen und bei der Formulierung der Kursziele richtete sich vor allem auf das Wachstum im Cloud-Geschäft. Hier hatten die Konsensschätzungen einen Umsatz von 6,25 Milliarden Euro erwartet.
Die Zahlen waren gemischt, in wichtigen Punkten aber gut
Die jetzt veröffentlichten Zahlen zeigen ein gemischtes Bild. Positiv ist vor allem das oben genannte Cloud-Geschäft ausgefallen. SAP konnte das Wachstum trotz einer leichten Abschwächung gegenüber dem Vorquartal besser als erwartet gestalten. Zudem entwickelte sich der Auftragsbestand stärker als prognostiziert.
Der Cloud-Umsatz stieg währungsbereinigt gegenüber dem Vorjahresquartal auf 6,28 Milliarden Euro. Erwartet worden waren wie beschrieben 6,25 Milliarden Euro. Damit wurden die Analystenschätzungen leicht übertroffen, was durchaus nicht alle Beobachter erwartet haben.
Zwar fiel das Cloud-Wachstum mit 24 % geringer aus als im Vorquartal (dem 1. Quartal) mit damals 27 %, SAP hatte jedoch bereits zuvor darauf hingewiesen, dass sich das Wachstumstempo im Jahresverlauf etwas normalisieren werde. Mit anderen Worten: Investoren dürfen damit rechnen, dass der Markt nicht enttäuscht ist.
Ausblick für das Cloud-Wachstum ist gut
Auch der Ausblick bleibt stabil. Für das Gesamtjahr erwartet SAP weiterhin ein währungsbereinigtes Wachstum des Cloud-Umsatzes von 23 bis 25 %. Das entspräche einem Cloud-Umsatz zwischen 25,8 und 26,2 Milliarden Euro. Zum Vergleich: Im Gesamtjahr 2025 hatte das Cloud-Wachstum bei 26 % gelegen.
Insgesamt bleibt das Cloud-Geschäft damit der wichtigste Wachstumstreiber des Unternehmens. Ergänzend dazu verwies aus das Management darauf, die Ergebnisse stark. Finanzvorstand Dominik Asam benannte u.a. ausdrücklich den sog. Current Cloud Backlog (CCB). Dies ist der Wert der vertraglich bereits zugesicherten Cloud-Umsätze, die in den kommenden 12 Monaten voraussichtlich verbucht werden können. Damit ist dies eine Kennzahl, die eine rollierende Betrachtung abgibt. Sie ist damit eine der wichtigsten Kennzahlen des Unternehmens.
Im zweiten Quartal stieg dieser Wert währungsbereinigt um 26 % auf 22,9 Milliarden Euro. Analysten hatten im Vorfeld lediglich mit 22,1 Milliarden Euro gerechnet. So werden auch die künftigen Umsätze in diesem Segment in das kommende Jahr hinein also stärker ausfallen als gedacht.
Betriebsergebnis durch Zukäufe wohl etwas schwächer
Etwas schwächer entwickelte sich dagegen das operative Ergebnis. SAP erwartet für das Gesamtjahr nun einen Anstieg des Betriebsergebnisses von 13 bis 17 % auf 11,8 bis 12,2 Milliarden Euro. Bislang hatte die Prognose bei 14 bis 18 % gelegen. Als Grund nennt das Unternehmen Verwässerungseffekte aus den jüngsten Übernahmen von Dremio und Prior Labs. Die Effekte belaufen sich nach Unternehmensangaben auf rund 100 Millionen Euro.
Im zweiten Quartal selbst stieg das operative Ergebnis auf Non-IFRS-Basis währungsbereinigt um 9 % auf 2,74 Milliarden Euro. Analysten hatten mit etwas mehr, konkret 2,88 Milliarden Euro gerechnet. Auch die operative Marge fiel damit etwas schwächer aus. Sie sank gegenüber dem Vorjahr von 28,5 % auf 27,8 %. Erwartet worden waren 29,3 %.
Cloud-Wachstum entscheidend
Das kleine Fazit des gestrigen Abends: Unter dem Strich enthält das Zahlenwerk damit sowohl positive als auch negative Aspekte. Besonders überzeugend entwickelte sich das vorher so viel beachtete Cloud-Geschäft einschließlich des Current Cloud Backlog. Dagegen fielen die operative Marge und das operative Ergebnis etwas schwächer aus. Hier wirkten sich insbesondere die jüngsten Übernahmen belastend aus.
Entscheidend wird an den Börsen nun sein, worauf der Markt seinen Fokus legt: auf die etwas schwächere Profitabilität oder auf das weiterhin starke Wachstum im Cloud-Geschäft.
Die ersten Reaktionen der Analysten fallen entsprechend gemischt aus. Einerseits wird ausdrücklich hervorgehoben, dass SAP überraschend viele neue Cloud-Verträge abgeschlossen und die Erwartungen im Cloud-Geschäft übertroffen hat. Andererseits können Sie jetzt schon in verschiedenen Kommentaren und Analysen lesen, dass die Übernahmen die Gewinnentwicklung und den Ausblick etwas belasten.
Die ersten Kursreaktionen nach Veröffentlichung der Zahlen deuten jedoch darauf hin, dass die Börsen die Ergebnisse insgesamt eher positiv aufnehmen.
SAP Aktie Chart
Es ist offensichtlich, dass die Börsen wohl genau auch heute (und in den kommenden Tagen) auf diese Zahlen reagieren werden. Analysten haben – wie beschrieben – deutlich höhere Kursziele formuliert, als es die Kursentwicklung der vergangenen Monate vermuten ließ. Die SAP-Aktie hat in den zurückliegenden vier Wochen nur leicht verloren. Auf Sicht der vergangenen sechs Monate summiert sich das Minus jedoch auf rund 32 %, seit Jahresbeginn sogar auf 38,4 %.
Nach Einschätzung vieler Analysten könnte diese Bewertungslücke recht zügig wieder geschlossen werden. Die durchschnittlichen Kursziele liegen derzeit bei mehr als 200 Euro. Daraus ergibt sich gegenüber dem aktuellen Kursniveau ein Aufwärtspotenzial von über 30 %.
Die Zahlen von gestern Abend haben zumindest eine positive Grundlage dafür gelegt.
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