Der Kurs von SAP schoss am Freitag um 9,15 Prozent auf 140,80 Euro nach oben. Auslöser war die Bilanz für das zweite Quartal, die einen Tag zuvor veröffentlicht wurde. Anleger reagierten trotz einer leicht gesenkten Gewinnprognose euphorisch – der Grund liegt im Detail der Zahlen.
Cloud-Auftragsbestand wächst zweistellig, Guidance sinkt leicht
SAP steigerte den Gesamtumsatz im zweiten Quartal um 9 Prozent auf 9,88 Milliarden Euro. Der Cloud-Umsatz legte sogar um 22 Prozent auf 6,28 Milliarden Euro zu. Besonders bemerkenswert: Der Current Cloud Backlog, also der Bestand an vertraglich gesicherten Cloud-Abos, kletterte um 27 Prozent auf 22,9 Milliarden Euro. Dieser Wert gilt als Frühindikator für künftige Umsätze und hat sowohl die eigenen Erwartungen als auch die des Marktes übertroffen.
Gleichzeitig musste SAP die Prognose für das operative Ergebnis im Gesamtjahr 2026 nachjustieren. Statt der bisherigen Spanne von 11,9 bis 12,3 Milliarden Euro rechnet der Konzern nun mit 11,8 bis 12,2 Milliarden Euro non-IFRS. Als Begründung nennt das Unternehmen erhöhte Investitionen in KI-Akquisitionen. Der Markt nahm die leichte Korrektur am oberen Ende der Spanne offenbar gelassen, weil das Wachstumssignal aus dem Cloud-Geschäft schwerer wog.
Analysten uneins: Zwischen Kaufempfehlung und Verkaufsvotum
Die Reaktionen der Analysehäuser fielen am Freitag gespalten aus. Jefferies-Analyst Charles Brennan bestätigte seine Einstufung „Buy“ mit einem Kursziel von 210 Euro und hob hervor, dass der Cloud-Auftragsbestand sowohl die eigenen als auch die Markterwartungen übertroffen habe. Auch die Deutsche Bank blieb bei „Buy“ mit einem Kursziel von 200 Euro – die Analysten werten das starke zweite Quartal als Bestätigung für eine Wachstumsbeschleunigung bei den Cloud-Erlösen ab dem Jahr 2027.
Skeptischer zeigte sich JPMorgan-Analyst Toby Ogg, der seine „Neutral“-Einstufung mit einem Kursziel von 175 Euro bekräftigte. Er bewertet den Margendruck im Quartal trotz des positiven Cloud-Momentums als negative Überraschung. Am kritischsten positionierte sich die DZ Bank: Sie senkte ihren fairen Wert von 125 auf 120 Euro und beließ die Einstufung bei „Verkaufen“. Als Argumente führten die Analysten anorganische Effekte durch Zukäufe sowie anhaltenden Druck auf die operativen Margen an.
Die Spannbreite der Kursziele – von 120 bis 210 Euro – spiegelt die grundsätzliche Debatte um SAP wider: Wachstumstempo im Cloud-Geschäft gegen kurzfristigen Margendruck durch Investitionen. Mit einem Abstand von 10,41 Prozent zum 52-Wochen-Tief hat sich der Kurs zumindest von seinen Jahrestiefständen gelöst, auch wenn die grundsätzliche Richtung noch nicht entschieden ist.
Übernahmen und Stimmrechte: SAP baut KI-Strategie und Familieneinfluss aus
Parallel zur Quartalsberichterstattung meldete SAP im Juli den Abschluss der Übernahmen von Prior Labs, einem Spezialisten für strukturierte Daten, und Dremio, einer Data-Lakehouse-Plattform. Beide Zukäufe sollen die operative Umsetzung der „Agentic AI“-Strategie des Konzerns stärken – jener erhöhte Investitionsaufwand, den das Unternehmen auch als Grund für die angepasste Gewinnprognose anführt.
Auf der Eigentümerseite meldeten Harald und Udo Tschira am 21. Juli gemäß § 40 Abs. 1 WpHG eine Erhöhung ihrer Stimmrechtsanteile auf 4,22 beziehungsweise 4,19 Prozent. Grundlage waren neu abgeschlossene Stimmbindungsverträge innerhalb der Gründerfamilie, die den Einfluss der Familie auf die Unternehmensführung weiter bündeln.
Bereits im Mai hatte die Hauptversammlung zudem René Obermann, ehemaliger Vorstandsvorsitzender der Deutschen Telekom, in den Aufsichtsrat gewählt. Er gilt als möglicher künftiger Nachfolger des amtierenden Vorsitzenden Pekka Ala-Pietilä. Für Anleger bleibt damit neben der operativen Entwicklung auch die personelle Neuaufstellung an der Konzernspitze ein Thema, das die weitere strategische Ausrichtung mitprägen dürfte.
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