Für SAP endet die Woche mit einer weiteren regulatorischen Entlastung. Das Bundeskartellamt hat seine Vorermittlungen gegen den Walldorfer Softwarekonzern eingestellt. Im Fokus stand der Verdacht, SAP habe seine Marktmacht gegenüber dem Wettbewerber Celonis missbraucht und dessen Marktzugang behindert. Die Behörde sieht dafür keine hinreichenden Anhaltspunkte.
Zweite Entwarnung binnen eines Monats
Die Entscheidung des Bundeskartellamts ist bereits die zweite kartellrechtliche Entlastung für SAP innerhalb weniger Wochen. Erst Anfang Juli hatte die Europäische Kommission ihre Untersuchung zur Wartungspolitik von SAP für On-Premise-Software beendet. Laut Reuters akzeptierte die Kommission dabei rechtlich bindende Verpflichtungszusagen des Konzerns für die kommenden zehn Jahre und verzichtete auf ein Bußgeld. Zwei parallel laufende Verfahren, die SAPs Geschäftspraktiken im Wettbewerbsumfeld betrafen, sind damit ohne Sanktionen abgeschlossen. Für Anleger dürfte das vor allem eines bedeuten: Ein potenzielles regulatorisches Risiko, das über Monate im Raum stand, ist vom Tisch.
Kapitalrückführung läuft weiter, Großaktionär meldet höhere Beteiligung
Parallel zu den Verfahrensabschlüssen treibt SAP seine Kapitalrückführung voran. Am Montag startete der Konzern die zweite Tranche seines Aktienrückkaufprogramms, dessen Gesamtvolumen bis zu 10 Milliarden Euro umfasst und im Vorjahr angekündigt wurde. Zusätzlich sorgte eine korrigierte Stimmrechtsmitteilung für Aufmerksamkeit: Harald Tschira meldete gemäß § 40 Abs. 1 WpHG, seine Stimmrechtsquote sei zum 20. Juli auf 4,22 Prozent gestiegen, nach zuvor 0,57 Prozent. Grund für den Sprung waren neu abgeschlossene Stimmbindungsverträge. Solche Meldungen ändern die Aktionärsstruktur nicht grundlegend, geben aber Hinweise auf koordiniertes Abstimmungsverhalten größerer Anteilseigner.
Cloud wächst kräftig, Guidance wird wegen Zukäufen gekürzt
Die fundamentale Basis für die jüngste Kursbewegung legte SAP bereits vergangene Woche mit den Zahlen zum zweiten Quartal und ersten Halbjahr 2026. Die Clouderlöse legten währungsbereinigt um 24 Prozent auf 6,28 Milliarden Euro zu, der Auftragsbestand im Cloud-Geschäft wuchs währungsbereinigt um 26 Prozent auf 22,9 Milliarden Euro. Das IFRS-Ergebnis je Aktie stieg auf 1,89 Euro nach 1,46 Euro im Vorjahresquartal. Gleichzeitig senkte SAP die Prognose für das operative Ergebnis nach Non-IFRS-Rechnung für das Gesamtjahr auf eine Spanne von 11,8 bis 12,2 Milliarden Euro, zuvor waren bis zu 12,3 Milliarden Euro in Aussicht gestellt. Als Grund nannte der Konzern Verwässerungseffekte durch jüngste Übernahmen. Erst Mitte Juli hatte SAP den Kauf der US-Datenplattform Dremio sowie des KI-Start-ups Prior Labs abgeschlossen, beide Zukäufe sollen die „Business AI“-Strategie des Konzerns stärken. Wachstumstempo und Integrationskosten laufen damit derzeit parallel – ein Muster, das bei akquisitionsgetriebenen Softwarekonzernen nicht ungewöhnlich ist, aber kurzfristig auf die Marge drückt.
Aktie erholt sich, bleibt aber unter mittelfristigen Marken
Nach dem herben Rücksetzer infolge der gesenkten Guidance hat sich die SAP-Aktie zuletzt wieder gefangen. Binnen sieben Handelstagen legte das Papier um 11,32 Prozent zu und notiert damit klar über dem Niveau unmittelbar nach der Prognosekorrektur. Von seinem 200-Tage-Durchschnitt ist der Kurs mit einem Abstand von -10,45 Prozent aber weiterhin deutlich entfernt, was die mittelfristige Erholung relativiert. Am heutigen Freitag zeigt sich der Titel im Tagesverlauf leicht schwächer, die grundsätzliche Entlastung durch die beendeten Kartellverfahren scheint der Markt bereits vorwegzunehmen. Für Anleger bleibt damit die Kernfrage bestehen, ob das robuste Cloud-Wachstum die margenseitigen Belastungen aus den jüngsten Zukäufen in den kommenden Quartalen ausgleichen kann.
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