Das Bundeskartellamt hat seine Vorermittlungen gegen SAP eingestellt. Die Wettbewerbsbehörde sieht laut einer Mitteilung des Unternehmens von der Einleitung eines förmlichen Missbrauchsverfahrens ab. Für den Softwarekonzern aus Walldorf ist das eine handfeste Entlastung, nachdem regulatorischer Druck monatelang über dem Konzern schwebte.
Die Nachricht reiht sich in eine Serie positiver Meldungen der vergangenen Tage ein. Der Aktienkurs hat davon bereits kräftig profitiert: Am Freitag schloss das Papier bei 178,66 Euro, ein Plus von 3,46 Prozent an einem einzelnen Handelstag. Über die vergangenen 30 Tage summiert sich der Zugewinn auf 29,31 Prozent – ein Tempo, das den Relative-Stärke-Index inzwischen auf einen Wert von 74,9 treibt und damit ein technisch überkauftes Bild zeichnet.
Kritische Sicherheitslücke im NetWeaver-Kern entdeckt
Kaum einen Tag nach der kartellrechtlichen Entwarnung meldete sich SAP mit einer sicherheitsrelevanten Mitteilung zu Wort: Im Kern der NetWeaver-Plattform wurde eine kritische Schwachstelle mit einem CVSS-Score von 9,9 identifiziert – nahezu der höchstmögliche Wert auf dieser Risikoskala. Das Unternehmen reagierte umgehend und stellt entsprechende Patches bereit. Für Kunden mit NetWeaver-Installationen dürfte das kurzfristig Handlungsdruck erzeugen, für den Konzern selbst zunächst vor allem ein Reputationsthema sein, solange keine Ausnutzung der Lücke bekannt wird.
Wachstumsdynamik im Cloud-Geschäft treibt die Rallye
Der eigentliche Treiber der jüngsten Kursbewegung liegt aber in den Zahlen zum zweiten Quartal 2026, die SAP vergangene Woche vorgelegt hat. Der Cloud-Umsatz kletterte auf 6,28 Milliarden Euro, ein Plus von 22 Prozent gegenüber dem Vorjahresquartal. Noch deutlicher fällt der Blick in die Zukunft aus: Der Cloud-Auftragsbestand wuchs währungsbereinigt um 27 Prozent auf 22,9 Milliarden Euro und liefert damit sichtbare Visibilität für die kommenden Quartale. Das Non-IFRS-Betriebsergebnis stieg um 7 Prozent auf 2,74 Milliarden Euro.
Der Konzern nutzte die Gelegenheit, seine Jahresprognose zu schärfen. Die Zielspanne für das Non-IFRS-Betriebsergebnis 2026 liegt nun bei 11,8 bis 12,2 Milliarden Euro, nach zuvor 11,9 bis 12,3 Milliarden Euro – eine leichte Verengung nach unten, die operative Stärke mit vorsichtiger Kalibrierung verbindet.
Neue Partnerschaften unterstreichen Cloud-Strategie
Parallel zu den Zahlen meldete SAP zwei strategische Kooperationen. Mit dem Versicherer Signal Iduna vereinbarte der Konzern eine Innovationspartnerschaft zur Entwicklung KI-basierter Lösungen für die Versicherungsbranche. Zudem weitet Airbus die Nutzung von „RISE with SAP“ sowie der Sovereign Cloud aus, um zentrale Geschäftsprozesse zu transformieren. Beide Vereinbarungen fügen sich in die Strategie, das Cloud- und KI-Portfolio branchenübergreifend zu verankern, und stützen indirekt die Wachstumszahlen im Auftragsbestand.
Ausblick
Die Kursentwicklung der vergangenen Wochen zeigt, wie stark der Markt auf die Kombination aus Wachstumsbeschleunigung im Cloud-Geschäft und nachlassendem regulatorischem Risiko reagiert hat. Der überkaufte RSI-Wert mahnt zwar zur Vorsicht bei kurzfristigen Rückschlägen, ändert aber nichts an der fundamentalen Storyline: steigender Auftragsbestand, neue Großkunden-Partnerschaften und eine Wettbewerbsbehörde, die ihre Bedenken fallen gelassen hat. Die nächste Standortbestimmung folgt mit den Ergebnissen zum dritten Quartal 2026, die für den 21. Oktober angesetzt sind. Bis dahin dürfte vor allem interessieren, wie schnell die NetWeaver-Schwachstelle unter Kontrolle gebracht wird und ob sich das Momentum im Cloud-Geschäft in den kommenden Monaten fortsetzt.
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