Fast halbiert in zwölf Monaten — die SAP-Aktie steckt tief in der Krise. Anfang der Woche markierte das Papier mit 130,82 Euro ein neues 52-Wochen-Tief. Nun senden Brüssel und eine Reihe namhafter Analysten vorsichtig positive Signale.
Regulatorischer Druck lässt nach
Seit September 2025 prüft die EU-Kommission mögliche Kartellverstöße im Bereich Wartungsdienste. Dieser Schatten scheint sich zu lichten. Brüssel testet derzeit konkrete Zugeständnisse von SAP. Der Konzern bietet Kunden mehr Flexibilität bei der Anbieterwahl und verzichtet auf bestimmte Gebühren.
Gelingt eine Einigung, könnte das Verfahren ohne Bußgeld enden. Ursprünglich stand eine Strafe von bis zu zehn Prozent des Jahresumsatzes im Raum. SAP selbst rechnet bereits mit keinen wesentlichen finanziellen Folgen.
Analysten sehen massives Kurspotenzial
Trotz des Kursrückgangs von gut 33 Prozent seit Jahresbeginn halten große Investmentbanken an ihren optimistischen Einschätzungen fest. Die Lücke zwischen aktuellem Kurs und den Expertenzielen ist erheblich.
- Berenberg: Kursziel 215 Euro, Rating „Buy“ — der Markt unterschätze SAPs Transformation zur KI-Plattform
- UBS: Kursziel 205 Euro — setzt auf Margenverbesserung im zweiten Halbjahr
- Bernstein: Kursziel 276 Euro — mehr als eine Verdopplung gegenüber dem aktuellen Niveau
Oracle-Schock und der Blick auf den 23. Juli
Der jüngste Ausverkauf im Softwaresektor geht maßgeblich auf Oracle zurück. Der US-Rivale kündigte Investitionsausgaben von bis zu 95 Milliarden US-Dollar für KI-Infrastruktur an. Das schürte Sorgen über steigenden Margendruck in der gesamten Branche. Kein Wunder, dass SAP-Aktionäre nervös reagierten.
Technisch bleibt die Lage angespannt. Das Papier notiert knapp neun Prozent unter seinem 50-Tage-Durchschnitt und rund 27 Prozent unter der 200-Tage-Linie. Der RSI liegt bei 37 — nahe überverkauftem Terrain, aber noch kein klares Umkehrsignal.
Den nächsten konkreten Impuls liefert der 23. Juli 2026. Dann präsentiert SAP die Zahlen für das zweite Quartal und das erste Halbjahr. Investoren schauen vor allem auf den Cloud-Auftragsbestand, der im ersten Quartal um 20 Prozent auf 21,9 Milliarden Euro gestiegen war. Bis dahin gilt offiziell Quiet Period — das Management schweigt.
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