SAP bleibt für Berenberg ein klarer Kauf. Analyst Nay Soe Naing beließ sein Votum auf „Buy“ und bestätigte das Kursziel von 205 Euro auf Zwölfmonatssicht. Seine Begründung: Die Stimmung in der Software- und IT-Branche verbessert sich, Kunden fahren ihre Investitionen in klassische Software wegen der KI-Adaption kaum zurück. Für die kommenden Quartale erwartet er robuste Ergebnisse und positive Signale für 2027.
Die Aktie notiert aktuell bei 185,30 Euro und gibt damit auch am heutigen Freitag um 0,5 Prozent nach. Der Kurs bleibt damit weiterhin deutlich unter dem Berenberg-Kursziel und rund 23 Prozent unter dem 52-Wochen-Hoch von 242,00 Euro aus dem Oktober vergangenen Jahres. Auf Sicht von sieben Tagen konnte das Papier immerhin 4,0 Prozent zulegen, seit Jahresbeginn steht aber weiterhin ein Minus von 12 Prozent.
Cloud-Geschäft liefert die Substanz hinter dem Kaufvotum
Die Zuversicht der Analysten stützt sich auf harte Zahlen aus dem operativen Geschäft. Im zweiten Quartal wuchs der Cloud-Umsatz um 22 Prozent, das Cloud-ERP-Segment sogar um 25 Prozent. Der Auftragsbestand im Cloud-Geschäft, der sogenannte Current Cloud Backlog, kletterte um 27 Prozent auf 22,9 Milliarden Euro.
Im ersten Halbjahr erzielte SAP einen freien Cashflow von 6,25 Milliarden Euro, für das Gesamtjahr werden rund 10 Milliarden Euro erwartet. Das Non-IFRS-Betriebsergebnis soll zwischen 11,8 und 12,2 Milliarden Euro liegen.
Diese Wachstumsraten erklären, warum Berenberg trotz der volatilen Marktlage an seiner positiven Einschätzung festhält. Während viele Softwareanbieter unter Druck stehen, weil Unternehmen ihre IT-Budgets prüfen, bleibt SAP nach Einschätzung des Analysten von den Sparmaßnahmen weitgehend verschont – ein Hinweis darauf, dass die Kernsysteme des Konzerns für Kunden kaum verzichtbar sind.
Auszeichnung im HR-Cloud-Bereich unterstreicht Marktposition
Neben der Analystenmeinung liefert auch die Produktseite Rückenwind für die Investmentthese. SAP wurde im Fosway-9-Grid für Cloud-HR 2026 als „Strategic Leader“ ausgezeichnet. Fosway-CEO David Wilson bewertete die Sparte SAP SuccessFactors mit einer „Excelling Trajectory“ für das laufende Jahr.
Als Praxisbeispiel dient der niederländische Logistikkonzern PostNL, der seine Payroll-Bearbeitungszeit mithilfe von SAP SuccessFactors und der KI-Lösung Joule von fünf Tagen auf vier Stunden senkte – eine Verkürzung um 90 Prozent. PostNL rechnet zudem mit um 80 Prozent geringeren Supportkosten.
Solche Referenzen zahlen auf ein größeres Thema ein: Payroll-Prozesse werden durch Cloud, Automatisierung und flexible Arbeitsmodelle zunehmend komplexer, während Unternehmen gleichzeitig höhere Datenqualität und strengere Compliance-Vorgaben verlangen. SAP positioniert sich hier als Anbieter, der diese Vernetzung zwischen HR, IT, Finance und Compliance abbilden kann.
Bewertung bleibt trotz Kurserholung moderat
Trotz der jüngsten Erholung sehen Beobachter die Aktie weiterhin als unterbewertet an – auch im Vergleich zu anderen Dividendentiteln. Für das Gesamtjahr wird eine EPS-Prognose von 7,05 Euro genannt, die kommenden Quartalszahlen sind für den 21. Oktober terminiert. Bis dahin dürfte das Kaufvotum von Berenberg mit dem Kursziel von 205 Euro der wichtigste Orientierungspunkt für Anleger bleiben, die auf eine fortgesetzte Aufholjagd der Aktie setzen.
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