SAP treibt seine Wachstumsstrategie weiter voran. Nach dem starken Kurssprung infolge der jüngsten Quartalszahlen richtet der Softwarekonzern den Blick nun auf strukturelle Weiterentwicklung: neue KI-Funktionen im Kerngeschäft und die Integration frisch übernommener Technologiefirmen.
Agentic AI auf Basis von ABAP
Am Dienstag stellte SAP technologische Weiterentwicklungen im Bereich „Agentic AI“ vor. Ziel ist die Automatisierung von Geschäftsprozessen direkt auf Basis der unternehmenseigenen Programmiersprache ABAP. Der Vorstoß zeigt, dass SAP künstliche Intelligenz nicht als Zusatzfunktion, sondern als integralen Bestandteil seiner Kernarchitektur positioniert – ein Feld, in dem sich der Konzern zunehmend von Wettbewerbern absetzen will.
Am selben Tag veröffentlichte SAP zudem eine Kapitalmarktinformation zum laufenden Aktienrückkaufprogramm per EQS-Mitteilung. Solche Rückkäufe signalisieren üblicherweise Vertrauen des Managements in die eigene Bewertung und stützen tendenziell den Kurs, indem sie die Zahl im Umlauf befindlicher Aktien reduzieren.
Übernahmen verwässern kurzfristig die Guidance
Bereits am 10. August hatte SAP seine Prognose für das laufende Geschäftsjahr präzisiert: Das Non-IFRS-Betriebsergebnis soll nun zwischen 11,8 und 12,2 Milliarden Euro liegen.
Die leichte Anpassung resultiert aus Verwässerungseffekten durch die im Juli abgeschlossenen Übernahmen von Dremio, einem Spezialisten für Datenarchitektur, und Prior Labs, einem KI-Unternehmen. Beide Zukäufe wurden im vergangenen Monat final vollzogen und sollen die technologische Basis für die aktuelle KI-Strategie stärken.
Kurzfristige Kostenbelastungen durch Integration sind bei Übernahmen dieser Art üblich – entscheidend für Anleger ist, ob sich die strategische Investition mittelfristig in Umsatzwachstum niederschlägt. Die zugrunde liegenden Geschäftszahlen sprechen dafür: Der Cloud-Auftragsbestand stieg zuletzt um 27 Prozent auf 22,9 Milliarden Euro, der Cloud-Umsatz legte um 22 Prozent zu.
BlackRock stockt Beteiligung auf
Auch aus der Investorenlandschaft kommt ein bemerkenswertes Signal: BlackRock meldete am 14. August per Stimmrechtsmitteilung nach § 40 WpHG einen Gesamtanteil von 6,69 Prozent an SAP, davon 6,60 Prozent direkte Stimmrechte. Eine derart hohe Beteiligung eines der größten Vermögensverwalter der Welt unterstreicht das institutionelle Vertrauen in die langfristige Ausrichtung des Konzerns.
Kurs nahe Mehrmonatshoch
Die Aktie notiert aktuell bei 185,36 Euro und damit leicht über dem gestrigen Schlusskurs von 184,86 Euro. Auf Sicht von 30 Tagen steht ein Plus von 36 Prozent, seit Jahresbeginn liegt das Papier dagegen noch 12 Prozent im Minus.
Der jüngste Anstieg folgt auf eine Erholung von rund 40 Prozent seit dem Mehrjahrestief bei 127,50 Euro, die Anfang des Monats einen neuen langfristigen Aufwärtstrend einleitete.
Zwei Analystenhäuser äußerten sich Anfang August zur Aktie: Goldman Sachs bestätigte die Einstufung „Buy“ mit einem Kursziel von 215 Euro und verwies auf eine starke Produkt-Pipeline trotz makroökonomischer Unsicherheiten. UBS bestätigte ebenfalls „Buy“, beließ das Kursziel jedoch bei 164 Euro – ein Hinweis darauf, dass nicht alle Marktbeobachter nach der jüngsten Rally noch viel Aufwärtspotenzial sehen.
Für Anleger ergibt sich damit ein zweigeteiltes Bild: Operative Fortschritte bei Cloud-Wachstum und KI-Integration treffen auf eine Aktie, die technisch bereits deutlich gelaufen ist. Ob die fundamentale Story die hohe Bewertung auf Dauer trägt, dürfte sich an den kommenden Quartalsergebnissen entscheiden.
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