Zum Start der Berichtssaison gerät die SAP-Aktie zunehmend unter Druck. Am Dienstag fällt der Kurs um 1,83 Prozent auf 136,54 Euro.
Damit rückt das Papier nah an sein 52-Wochen-Tief von 130,80 Euro heran. Der Abstand beträgt nur noch 4,39 Prozent.
IBM-Schock erfasst die Softwarebranche
Der Rücksetzer bei SAP folgt einem breiteren Ausverkauf in der IT-Branche. IBM hatte mit schwachen Quartalszahlen weltweit Softwarewerte belastet. Im Community-Sentiment bringen Marktteilnehmer den aktuellen Kurseinbruch bei Technologieaktien direkt mit dem IBM-Schock in Verbindung.
Der Kurs liegt inzwischen rund 22 Prozent unter dem 200-Tage-Durchschnitt von 175,32 Euro. Das unterstreicht den Abwärtstrend der vergangenen Monate. Seit Jahresbeginn hat die Aktie fast 35 Prozent an Wert verloren.
Zweifel am KI-Burggraben belasten Klein
Neben der charttechnischen Schwäche wächst die Skepsis am Kerngeschäft. SAP-Chef Christian Klein steht unter Druck. Anleger fragen sich, ob klassische Softwareanbieter wie SAP dem Vordringen schlanker KI-Anwendungen standhalten können.
Die Sorge: Kunden könnten künftig direkt auf KI-Apps aus der Cloud setzen, statt komplexe Unternehmenssoftware zu kaufen. UBS-Analyst Michael Briest sieht den Konzern hier in einem Zwiespalt. Die Komplexität eines Softwaresystems zur Unternehmenssteuerung schaffe einerseits Herausforderungen, andererseits aber auch einen Burggraben gegen Konkurrenten. Zukäufe der jüngeren Zeit sollen dem Konzern nach Einschätzung von Briest helfen, bei der KI-Strategie auf Kurs zu kommen.
Makrosorgen und Zahlen am Donnerstag
Zu den strukturellen Zweifeln kommen aktuelle Konjunktursorgen hinzu. Stark steigende Hardware-Kosten und die Lage im Nahen Osten könnten Kunden vorsichtiger bei Software-Bestellungen machen. Das operative Geschäft im ersten Quartal hatte laut Beobachtern noch überraschend gut ausgesehen – der Konzern warnte damals aber schon vor trüberen Aussichten.
Im Fokus der Investoren steht deshalb der Current Cloud Backlog, der auf zwölf Monate erwartete Cloud-Auftragsbestand. Diese Kennzahl gilt als Frühindikator für das künftige Wachstum. Fällt sie schwächer aus als erwartet, dürfte der Kurs weiter unter Druck bleiben.
Klarheit dürfte erst der Quartalsbericht am Donnerstag bringen, den SAP nach US-Börsenschluss vorlegt. Bis dahin gilt für den Konzern die Quiet Period – das Management äußert sich nicht zur laufenden Geschäftsentwicklung.
Die 30-Tage-Volatilität liegt bei 34,37 Prozent, der RSI bei 44,6 – die Aktie ist damit weder überkauft noch überverkauft. Am Donnerstag nach US-Börsenschluss zeigen die Quartalszahlen, ob SAP die Marke von 130,80 Euro hält oder das Jahrestief reißt.
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