Starke Zahlen, schwache Kurse. Bei SAP klaffen operative Realität und Börsenstimmung derzeit weit auseinander. Das DAX-Schwergewicht kämpft an mehreren Fronten. Drei externe Faktoren ziehen den Softwarekonzern tief in den roten Bereich.
Abwärtsstrudel zieht Aktie nach unten
Die SAP-Aktie beendete die Handelswoche bei 134,00 Euro. Damit notiert das Papier nur denkbar knapp über seinem 52-Wochen-Tief. Seit Jahresbeginn summiert sich der Verlust auf schmerzhafte 33 Prozent. Der Abstand zum Rekordhoch beträgt fast 50 Prozent.
Ein Auslöser für die jüngste Schwäche kommt aus den USA. Oracle schockte den Markt mit gigantischen Investitionsplänen. Bis zu 95 Milliarden US-Dollar will der Konkurrent im Geschäftsjahr 2027 ausgeben. Anleger fürchten nun explodierende Kosten für die KI-Infrastruktur im gesamten Sektor. UBS stufte daraufhin europäische IT-Werte ab. SAP verlor im Sog dieser Nachrichten auf Wochensicht rund fünf Prozent.
Margendruck und Zinswende
Auch Analysten liefern neues Belastungsmaterial. Die Investmentbank Goldman Sachs senkte ihre Prognose für SAPs Bruttomarge im zweiten Halbjahr 2026 leicht ab. Als Grund nannten die Experten steigende Hardwarekosten. Der Markt reagierte sofort und schickte die Aktie an einem Tag um vier Prozent abwärts. Die Kaufempfehlung ließ Goldman Sachs allerdings unangetastet.
Erschwerend wirkt das makroökonomische Umfeld. Die US-Notenbank signalisiert unter ihrem neuen Chef Kevin Warsh eher Zinserhöhungen als Senkungen. Goldman Sachs rechnet erst 2027 mit einer Lockerung. Das drückt die Bewertung von Wachstumstiteln wie SAP spürbar.
Regulatorischer Schatten lichtet sich
Ein drittes Risiko stammt aus Brüssel. Seit September 2025 prüft die EU-Kommission mögliche Kartellverstöße bei Wartungsdiensten. Eine Strafe von bis zu zehn Prozent des Jahresumsatzes stand im Raum.
Hier zeichnet sich nun Entspannung ab. Brüssel testet aktuell Zugeständnisse des Softwarekonzerns. SAP bietet Kunden mehr Freiheit bei der Anbieterwahl und streicht bestimmte Gebühren. Bleiben ernsthafte Einwände aus, endet das Verfahren ohne Bußgeld. SAP erwartet keine wesentlichen finanziellen Folgen.
Fundamentaldaten trotzen dem Trend
Das Paradoxe: Das operative Geschäft brummt. Im ersten Jahresviertel sprang der Cloud-Auftragsbestand um 20 Prozent nach oben. Der Cloud-Umsatz stieg um 19 Prozent auf rund sechs Milliarden Euro. Auch das Betriebsergebnis legte zweistellig zu.
Viele Analysten bleiben entsprechend optimistisch. Bernstein sieht das Kursziel bei 276 Euro. Das entspricht einer Verdopplung des aktuellen Niveaus. Berenberg peilt 215 Euro an. Bank of America rät ebenfalls zum Kauf. Lediglich JPMorgan und die DZ Bank äußern sich skeptischer.
Am 23. Juli muss SAP nun Farbe bekennen. Dann präsentiert der Konzern die Zahlen für das zweite Quartal. Investoren achten besonders auf das Wachstum des Cloud-Auftragsbestands und die Entwicklung der Bruttomarge. Ein laufendes Aktienrückkaufprogramm flankiert die Kursentwicklung. Bis Ende Juli 2026 kauft SAP eigene Papiere für bis zu 2,6 Milliarden Euro zurück. Das stützt die Aktie in dieser volatilen Phase.
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