Das Bundeskartellamt hat seine Vorermittlungen gegen SAP wegen des Verdachts auf Marktmachtmissbrauch beim Datenzugriff eingestellt und sieht von einem förmlichen Verfahren ab. Die Vorwürfe des Wettbewerbers Celonis wurden damit nicht bestätigt. Für SAP-Anleger ist das eine der wichtigsten Nachrichten der vergangenen Wochen – sie fällt in eine Phase, in der der Softwarekonzern zugleich mit einer gesenkten Gewinnprognose und einem neuen Milliarden-Rückkaufprogramm für Schlagzeilen sorgt.
Kartellamt schafft Klarheit, Kurs zieht deutlich an
Die Einstellung des Verfahrens beseitigt eine seit längerem schwelende regulatorische Unsicherheit rund um SAPs Datenzugriffspraxis. Der Kurs honoriert das Signal: Am Freitag schloss die Aktie bei 159,40 Euro, ein Plus von 1,65 Prozent auf Tagessicht. Über die vergangenen 30 Handelstage summiert sich der Zuwachs sogar auf 13,45 Prozent – ein deutliches Zeichen dafür, dass der Markt die Häufung positiver Nachrichten goutiert. Vom Rekordhoch bei 258,60 Euro Ende Juli vor einem Jahr bleibt die Aktie mit einem Abstand von gut 38 Prozent aber weit entfernt, und auch seit Jahresbeginn steht ein deutliches Minus zu Buche.
Wachstum bei Cloud und Auftragsbestand, aber gesenkte Margenprognose
Die Kursbewegung der vergangenen Wochen wurzelt auch in den Quartalszahlen, die SAP am 23. Juli vorgelegt hat. Der Gesamtumsatz kletterte um 9 Prozent auf 9,88 Milliarden Euro, das Cloud-Geschäft wuchs mit 22 Prozent auf 6,22 Milliarden Euro deutlich schneller als der Konzern insgesamt. Besonders bemerkenswert: Der Current Cloud Backlog, also der bereits gebuchte künftige Cloud-Umsatz, legte um 27 Prozent auf 22,9 Milliarden Euro zu und liefert damit einen Ausblick auf die kommenden Quartale. Das IFRS-Ergebnis je Aktie stieg von 1,44 auf 1,88 Euro.
Gleichzeitig musste der Konzern seine Prognose für das bereinigte operative Ergebnis 2026 zurücknehmen: Statt eines Wachstums von 14 bis 18 Prozent erwartet SAP nun nur noch 13 bis 17 Prozent. Verantwortlich dafür sind laut dpa Verwässerungseffekte durch jüngste Akquisitionen. SAP hat in diesem Zusammenhang die Übernahmen des Data-Lakehouse-Spezialisten Dremio sowie von Prior Labs abgeschlossen – beide Zukäufe sollen die KI- und Datenstrategie des Konzerns stärken, belasten aber kurzfristig die Marge.
Rückkaufprogramm, Insiderkäufe und ein wachsender Großaktionär
Parallel zu den Zahlen hat SAP am 27. Juli die zweite Tranche seines Aktienrückkaufprogramms 2026 gestartet, mit einem Volumen von bis zu 2,6 Milliarden Euro. Das Gesamtprogramm ist bis Ende 2027 auf bis zu 10 Milliarden Euro angelegt und signalisiert Vertrauen des Managements in die eigene Bewertung. Untermauert wird dieses Bild durch eine Serie von zwölf Insider-Käufen von Führungskräften zwischen dem 17. und 24. Juli mit einem Gesamtvolumen von rund 3,22 Millionen Euro.
Auf der Aktionärsseite hat zudem Harald Tschira seinen Stimmrechtsanteil an SAP durch Stimmbindungsverträge mit Udo Tschira von 0,57 auf 4,22 Prozent erhöht, wie SAP per Pflichtmitteilung bekanntgab. Ein solcher Schritt eines langjährigen Anteilseigners wird von Anlegern häufig als zusätzliches Vertrauenssignal gewertet.
Analysten uneins über die Bewertung
Die Reaktionen der Investmentbanken auf die Quartalszahlen fallen ungewöhnlich gespalten aus. Jefferies bestätigte am 28. Juli nach Analyse des Cloud-Auftragsbestands seine Kaufempfehlung mit einem Kursziel von 210 Euro. Deutlich vorsichtiger positionierte sich UBS: Die Schweizer senkten ihr Kursziel am 27. Juli drastisch von 205 auf 164 Euro, blieben dabei aber bei der Einstufung „Buy“. Weitere Häuser bewegten sich in der Spanne dazwischen, mit Kurszielen zwischen 175 und 215 Euro und Einstufungen von „Neutral“ bis „Verkaufen“ – die Bandbreite der Einschätzungen blieb damit ungewöhnlich groß.
Strategische Partnerschaften als Wachstumstreiber
Neben den Zahlen und dem Kartellverfahren setzt SAP auch operativ Akzente: Am 28. Juli startete der Konzern gemeinsam mit dem Versicherer SIGNAL IDUNA eine strategische Innovationspartnerschaft im Bereich Künstliche Intelligenz, die Versicherungsprozesse optimieren soll. Zusammen mit den Übernahmen von Dremio und Prior Labs unterstreicht das den Anspruch, die KI- und Datenstrategie zügig auszubauen – ein Feld, auf dem sich langfristig entscheiden dürfte, ob SAP das gesenkte Margenziel in den kommenden Quartalen wieder anheben kann.
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