Der Gewinn wächst, die Aktie fällt. Bei Santander überlagern schwache Provisionen und eine höhere Risikovorsorge das starke Quartal. Zudem verschärft die Charttechnik den Druck.
Gewinn steigt, Details enttäuschen
Der um Sondereffekte bereinigte Gewinn legte im dritten Quartal um fast ein Fünftel auf 3,85 Milliarden Euro zu. Treiber war vor allem die Übernahme der US-Bank Webster. Unter dem Strich sank der Gewinn wegen akquisitionsbedingter Einmalkosten leicht auf 3,4 Milliarden Euro. Die Experten hatten damit gerechnet.
Die Erträge wuchsen um zwölf Prozent auf knapp 16 Milliarden Euro. Anleger störten sich dennoch an den Details: Die Provisionseinnahmen stagnierten, die Risikovorsorge fiel höher aus als erwartet.
Jefferies-Analystin Miruna Chirea sieht nachlassenden Schwung. Abseits der Übernahmeeffekte habe die Dynamik beim Zinsüberschuss im Vergleich zum Vorquartal trotz höherer Kreditvergabe nachgelassen. Auch RBC-Analyst Benjamin Toms hält die Margen für etwas schwach. Citi-Analyst Borja Ramirez monierte die unerwartet schwachen Provisionen.
Positiv fiel die Kostenseite auf. Die Ausgaben entwickelten sich laut Chirea besser als erwartet.
Verkaufssignal im Chart
Die Aktie verlor am Mittag rund vier Prozent auf etwa 10,80 Euro. Das ist das niedrigste Niveau seit Juni, und sie war damit Schlusslicht im Branchenindex Stoxx 600 Banks. Vom Mehrjahreshoch im August knapp über 13 Euro fehlen inzwischen fast 20 Prozent.
Technisch wiegt der Rückschlag schwer. Bereits am Montag fiel der Titel erstmals seit Langem unter die 200-Tage-Linie, was Chartanalysten als klassisches Verkaufssignal werten. Am Dienstag hatte die Aktie noch bis an diese Marke zurückgefunden, am Mittwoch drehte sie wieder ab.
Im Jahresverlauf steht noch ein Plus von rund sieben Prozent. Damit hinkt Santander dem Bankensektor leicht hinterher. Mit einem Börsenwert von knapp 160 Milliarden Euro bleibt die Bank dennoch die wertvollste der Eurozone.
Im Sektor fiel die Reaktion differenziert aus. Die Deutsche Bank legte nach ihren Zahlen kräftig zu, die UBS gab ebenfalls nach. Der Rückschlag bei Santander ist also kein Branchenphänomen, sondern hängt an den eigenen Zahlen.
Für die Aktie rückt nun die Marke von zehn bis elf Euro in den Blick, auf der sie zuletzt im Juni stand. Hält dieses Niveau nicht, wäre der übergeordnete Abwärtstrend aus Sicht der Charttechniker bestätigt.
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