Sanofi steht vor einer der größten strategischen Weichenstellungen der europäischen Pharmabranche. Der Konzern hängt in hohem Maße von seinem umsatzstärksten Medikament Dupixent ab.
Das Immunologie-Präparat steuerte zuletzt gut ein Drittel zum Gesamtumsatz von knapp 44 Milliarden Euro bei. Für die Unternehmensführung unter Belén Garijo drängt die Zeit, denn zu Beginn des nächsten Jahrzehnts beginnen die ersten Schutzrechte für das wichtige Medikament auszulaufen.
Das Mittel gegen Entzündungskrankheiten wird weltweit bei mehr als 1,5 Millionen Patienten eingesetzt und treibt das Wachstum des französischen Herstellers verlässlich an. Nach den Plänen des Managements soll der Dupixent-Umsatz bis zum Ende des Jahrzehnts auf rund 25 Milliarden Euro anwachsen. Parallel dazu peilt der Konzern rund 10 Milliarden Euro aus neuen Produkteinführungen an.
Garijo, die im Mai die Führung des Pharmaunternehmens übernahm, sieht allein im Markt für atopische Dermatitis das Potenzial für eine Verdopplung des Volumens binnen fünf Jahren. Branchenexperten verweisen jedoch darauf, dass der anstehende Schutzverlust in den 2030er-Jahren eine empfindliche Erlöslücke hinterlassen könnte, sollten künftige Entwicklungen nicht rechtzeitig marktreif werden.
Brückenschlag mit Regeneron
Um die Pipeline langfristig abzusichern, verständigte sich Sanofi gestern mit dem US-Partner Regeneron auf eine erweiterte Zusammenarbeit. Die Vereinbarung umfasst bis zu 8 Milliarden US-Dollar für mehrere langwirksame Antikörperkandidaten. Davon fließt eine Milliarde Dollar vorab, während bis zu 7 Milliarden Dollar an erfolgsabhängige Meilensteine geknüpft sind.
Entwicklungskosten und künftige Erträge der neuen Wirkstoffe teilen beide Partner hälftig, während Regeneron die Forschung leitet und Sanofi die weltweite Vermarktung übernimmt. Zugleich legten die beiden Konzerne frühere juristische Differenzen bei. An der bestehenden Gewinnverteilung für das gemeinsame Hauptprodukt Dupixent ändert sich durch das Abkommen nichts.
Der am weitesten fortgeschrittene Wirkstoffkandidat REGN20423 befindet sich in der ersten klinischen Phase zur Behandlung von atopischer Dermatitis. Drei weitere Programme sollen ab 2027 in die klinische Prüfung gehen. Zudem sicherte sich Regeneron eine Option auf Sanofis Wirkstoff Lunsekimig nach dessen späten Studien gegen die chronische Lungenkrankheit COPD.
Gedämpfte Stimmung am Markt
An den Finanzmärkten sorgte der Ausbau der Forschungsallianz für ein geteiltes Echo. Analysten begrüßten zwar den Neustart der Zusammenarbeit und die Beilegung juristischer Streitigkeiten, forderten mit Blick auf die auslaufenden Schutzrechte jedoch weitere Pipeline-Schritte.
Die Skepsis der Investoren spiegelt sich im Kursverlauf wider. Im Handel fiel die Aktie heute um 3,9 Prozent auf 70,35 Euro. Über einen Zeitraum von zwölf Monaten summiert sich das Minus im Kurszettel auf 17 Prozent. Für Sanofis Führungsspitze bleibt die Schließung der drohenden Erlöslücke nach der Dupixent-Ära die bestimmende Aufgabe der kommenden Jahre.
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