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Sandisk hat 2026 mit Speicher für Smartphones und PCs mehr je Gigabyte verdient als mit Speicher für KI-Rechenzentren. Trotzdem lenkt der Konzern seine Produktion mit hohem Tempo weg von diesem Geschäft. Was wie ein Widerspruch wirkt, folgt einer klaren Logik. Wer sie kennt, liest auch die niedrige Bewertung der Aktie anders.
Sandisk verdient mit Endgeräten mehr als im Rechenzentrum
Den Ausgangspunkt liefern die Zahlen des vierten Geschäftsquartals, das Anfang Juli endete. Sandisk setzte 8,97 Milliarden Dollar um, 51 Prozent mehr als im Vorquartal. Auf Rechenzentren entfielen davon 2,98 Milliarden Dollar, also rund ein Drittel. Gleichzeitig gingen aber 38 Prozent aller ausgelieferten Bits an diese Kunden.
Die Gegenrechnung ist aufschlussreich. Das Edge-Geschäft, also Speicher für Smartphones, PCs, Autos und Spielegeräte, brachte 5,43 Milliarden Dollar. Das Geschäft mit Endverbrauchern steuerte 556 Millionen Dollar bei. Zusammen ergibt das zwei Drittel des Umsatzes bei nur 62 Prozent der Menge. Je Speichereinheit erlöste Sandisk im Rechenzentrum damit rund 19 Prozent weniger als im übrigen Geschäft.
Das überrascht, denn die Nachfrage der KI-Betreiber gilt als Motor des gesamten Booms. Die Erklärung liegt auf der Angebotsseite. Alle großen Hersteller haben ihre Produktion zu den Rechenzentren umgeleitet. Für Gerätehersteller blieb weniger übrig, und sie überboten sich im Kampf um die Restmengen.
Sandisk liefert dafür selbst den Beleg. Im Gesamtjahr stieg der Edge-Umsatz um 195 Prozent auf 12,16 Milliarden Dollar. Im Verbrauchergeschäft sanken die ausgelieferten Mengen sogar, während der Erlös je Gigabyte kletterte. Der Konzern verkaufte dort weniger und nahm trotzdem mehr ein.
Warum der Preisvorteil im Edge-Geschäft wackelt
Ein Preis, der aus Verknappung entsteht, hält nur so lange wie die Verknappung. Darin liegt die Schwäche des Geschäfts mit Endgeräten. Smartphone- und PC-Hersteller kaufen überwiegend von Quartal zu Quartal. Feste Abnahmezusagen über mehrere Jahre waren dort lange die Ausnahme.
Die Nachfrage zeigt bereits Risse. Das Management rechnet für dieses Jahr mit deutlich sinkenden Stückzahlen bei Smartphones und PCs. Das Minus soll im mittleren Zehnprozentbereich liegen. Für 2027 erwartet die Führung eine Stabilisierung. Marktforscher sind skeptischer und sehen ein weiteres Minusjahr.
Hinzu kommt ein Effekt, den Finanzchef Luis Visoso im September auf einer Investorenkonferenz beschrieb. Günstige Einstiegsgeräte rechnen sich bei den heutigen Speicherpreisen kaum noch. Die Hersteller streichen sie und konzentrieren sich auf teurere Modelle. Ein Teil der Nachfrage verschwindet damit dauerhaft.
Im Verbrauchergeschäft ist die Wende schon sichtbar. Der Umsatz fiel dort im Schlussquartal um 32 Prozent gegenüber dem Vorquartal. Im selben Zeitraum wuchs der Konzern insgesamt um die Hälfte.
Auf der Angebotsseite baut sich zugleich Druck auf. Marktbeobachter erwarten ab der zweiten Jahreshälfte 2027 spürbar mehr Speicher am Markt. Neue Fabriken und dichter gepackte Chipgenerationen sorgen dafür. Die Rechenzentren haben ihre Mengen über Langfristverträge gesichert. Zusätzliche Ware landet deshalb zuerst dort, wo keine Verträge bestehen. Das ist der freie Markt für Endgeräte.
Sandisk tauscht Spitzenpreise gegen Planbarkeit
An dieser Stelle setzt der Umbau an. Sandisk hat seit Jahresbeginn zehn mehrjährige Lieferverträge geschlossen, intern New Business Model genannt. Sie laufen im Schnitt über mehr als vier Jahre und enthalten Mindestpreise. Allein zu diesen Mindestpreisen summieren sich die zugesagten Erlöse auf 93,9 Milliarden Dollar. Die Kunden sichern ihre Zusagen mit finanziellen Garantien ab. Mehrere von ihnen haben ihre Verträge schon kurz nach Abschluss aufgestockt.
Verteilt auf die Laufzeit sind das rund 22 Milliarden Dollar pro Jahr. Der gesamte Konzernumsatz des abgelaufenen Geschäftsjahres lag bei 20,25 Milliarden Dollar. Selbst im ungünstigsten Preisszenario decken die Verträge also mehr ab als das komplette Vorjahresgeschäft.
Im laufenden Geschäftsjahr soll etwa die Hälfte der Bits über solche Verträge laufen. Im Jahr darauf sollen es rund zwei Drittel sein. Nur das verbleibende Drittel wäre dann noch den Tagespreisen ausgesetzt.
Auch der Preisboden lässt sich einordnen. Die Bruttomarge lag zuletzt bei 84,6 Prozent. Nach Angaben des Managements sinkt sie selbst am Vertragsboden nicht unter 80 Prozent. Bei unveränderten Stückkosten entspricht das einem Preisrückgang von knapp einem Viertel. Das wäre schmerzhaft. Frühere Abschwünge der Branche fielen jedoch weit härter aus, weil jede Untergrenze fehlte.
Der CFO räumte zudem ein, dass Sandisk im Rechenzentrum spät gestartet ist. In finanziell schwierigeren Zeiten hatte das Unternehmen dem Edge-Geschäft Vorrang gegeben. Der Anteil der Rechenzentren an den Bits stieg binnen eines Jahres von 12 auf 38 Prozent. Der Rückstand ist damit kleiner geworden, aufgeholt ist er nicht.
Sandisk ohne Schulden: die Bilanz hinter dem Umbau
Den Umbau stützt eine robuste Finanzlage. Sandisk hat im März einen Kredit über zwei Milliarden Dollar getilgt und ist seither schuldenfrei. In einem Abschwung fehlt damit die Zinslast, die Verluste zusätzlich vergrößert.
Auffällig ist die Effizienz der Investitionen. Die Fertigung betreibt Sandisk gemeinsam mit dem japanischen Partner Kioxia. In den vergangenen vier Jahren entfielen auf beide 13 Prozent der Branchenausgaben für neue Anlagen. Ihr Anteil an der produzierten Speichermenge lag dagegen bei 29 Prozent. Sandisk erhöht vor allem die Speicherdichte je Siliziumscheibe, statt die Zahl der Scheiben auszuweiten.
Das zeigt sich im freien Cashflow, also dem Geld, das nach allen Investitionen übrig bleibt. Zuletzt wandelte Sandisk mehr als die Hälfte des Umsatzes in freien Cashflow um. Für eine Branche mit traditionell hohem Kapitalbedarf ist das ein ungewöhnlich hoher Wert. Überschüssige Mittel sollen vollständig über Aktienrückkäufe an die Eigentümer fließen.
Was die Bewertung der Sandisk-Aktie unterstellt
Die Börse bewertet Sandisk mit rund dem Achtfachen des erwarteten Jahresgewinns. Der Mittelwert der Branche liegt bei etwa dem 23-Fachen. Ein so niedriger Wert bei stark wachsenden Gewinnen hat in der Speicherbranche eine feste Bedeutung. Der Markt hält die aktuellen Gewinne für den Gipfel des Zyklus.
Über Jahrzehnte war diese Lesart richtig. Sie setzt allerdings voraus, dass der gesamte Umsatz den Tagespreisen folgt. Bei Sandisk trifft das mit jedem Quartal auf einen kleineren Teil des Geschäfts zu.
Die Risiken bleiben erheblich. Kippen die Edge-Preise früher als erwartet, hängt noch die Hälfte der Produktion am freien Markt. Die Langfristverträge haben zudem keinen Abschwung erlebt. Ob Kunden ihre Zusagen in einer Krise ohne Nachverhandlung erfüllen, ist ungeprüft. Auch im Rechenzentrum drängen alle Anbieter gleichzeitig in dasselbe Segment, darunter chinesische Hersteller wie YMTC. Die Lagerbestände reichen inzwischen für fast sechs Monate. Bei einem raschen Preisverfall drohen Abschreibungen.
Sandisk verringert die Abhängigkeit von seinem derzeit einträglichsten Geschäft, weil es zugleich das anfälligste ist. Entscheidend ist das Tempo. Gelingt der Wechsel, bevor die Knappheit bei Endgeräten endet, verliert die Zyklus-Bewertung ihre Grundlage. Gelingt er nicht, behält der Markt mit seiner Skepsis recht.
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