Sandisk: Die Cash-Maschine vor dem Härtetest

Sandisk tilgte seine Schulden und erzielte 2026 hohen freien Cashflow; langfristige Speicherverträge sollen die Planbarkeit erhöhen.

Auf einen Blick:
  • Umsatz 2026 um 175 Prozent gestiegen
  • Langfristige Schulden vollständig zurückgezahlt
  • Speicherverträge sichern 93,9 Milliarden Dollar Mindestumsatz
  • Quartalszahlen erscheinen am 29. Oktober

Sehr geehrte Leserinnen und Leser,

vor zwei Jahren war Sandisk ein Sorgenkind. Western Digital wollte die Flash-Sparte loswerden, sie schrieb seit drei Jahren Verluste. Heute fließt so viel Geld in die Kasse, dass der Konzern schuldenfrei ist. Folgt man den Konsensschätzungen, könnte Sandisk im laufenden Geschäftsjahr rund 12 Prozent seines Börsenwerts als freien Cashflow erwirtschaften. Am 29. Oktober legt das Unternehmen die Zahlen zum ersten Fiskalquartal vor. Dann zeigt sich, ob diese Rechnung trägt.

Sandisk: Vom Verlustbringer zum schuldenfreien Konzern

Die Ausgangslage bei der Abspaltung im Februar 2025 war schwierig. Im Geschäftsjahr 2025 setzte Sandisk 7,36 Milliarden Dollar um und verlor 1,64 Milliarden Dollar. Darin steckte eine Abschreibung auf den Firmenwert von 1,83 Milliarden Dollar. Kurz vor der Trennung nahm Sandisk zudem einen Kredit über 2 Milliarden Dollar auf. Davon flossen 1,5 Milliarden Dollar an die frühere Mutter.

Ein Jahr später sieht die Bilanz völlig anders aus. Der Umsatz im Geschäftsjahr 2026 stieg um 175 Prozent auf 20,25 Milliarden Dollar. Der Nettogewinn lag bei 11,43 Milliarden Dollar. Die langfristigen Schulden sind komplett getilgt, die Barmittel wuchsen auf 4,76 Milliarden Dollar.

Treiber ist das Rechenzentrum. KI-Modelle werden größer und brauchen mehr Speicher. Ein Beispiel ist der sogenannte KV-Cache. Darin hält ein KI-System den Kontext eines Gesprächs fest. Diese Daten im Grafikspeicher zu halten, kostet viel Geld. Betreiber lagern deshalb Teile auf günstigeren Flash-Speicher aus. Der Datacenter-Umsatz von Sandisk stieg im abgelaufenen Geschäftsjahr um 437 Prozent.

Free Cashflow als Maßstab für die Sandisk-Aktie

Der freie Cashflow ist das Geld, das nach allen Investitionen übrigbleibt. Aus ihm speisen sich Dividenden und Aktienrückkäufe. Sandisk weist für Geschäftsjahr 2026 einen bereinigten Wert von 8,74 Milliarden Dollar aus. Das entspricht einer Marge von 43,2 Prozent auf den Umsatz. Ein Jahr zuvor waren es nur 0,24 Milliarden Dollar.

Der berichtete Wert liegt mit 11,49 Milliarden Dollar sogar höher. Die Differenz stammt aus Vorauszahlungen und Kautionen von Großkunden. Für das Geschäftsjahr 2027 erwarten Analysten einen freien Cashflow von knapp 30 Milliarden Dollar. Bezogen auf den Börsenwert von rund 248 Milliarden Dollar entspricht das gut 12 Prozent. Anders ausgedrückt kostet die Aktie etwa das 8,3-Fache des erwarteten freien Cashflows. Micron kommt auf eine ähnliche Quote von rund 12 Prozent. Western Digital, inzwischen auf Festplatten konzentriert, liegt bei etwa 4,5 Prozent.

Diese 12 Prozent sind keine Rendite, die Aktionären automatisch zufließt. Sie zeigen aber, wie viel Geld theoretisch für Ausschüttungen bereitstünde. Sandisk zahlt momentan keine Dividende. Das Management will aber den gesamten überschüssigen Cash an die Aktionäre zurückgeben. Zum Ende des Geschäftsjahres standen im Rückkaufprogramm noch 15,5 Milliarden Dollar zur Verfügung.

Was der Markt in Sandisk einpreist

Eine umgekehrte Bewertungsrechnung dreht die übliche Frage um. Sie ermittelt nicht den fairen Wert, sondern das Wachstum, das der aktuelle Kurs voraussetzt. Marktbeobachter kommen dabei auf ein klares Ergebnis. Bei einem Abzinsungssatz von 10 Prozent und 2 Prozent Dauerwachstum muss der freie Cashflow fünf Jahre lang um gut 21 Prozent jährlich steigen. Er müsste also von 8,7 auf rund 23 Milliarden Dollar klettern.

Das klingt ambitioniert. Der Konsens für 2027 liegt allerdings schon deutlich über dieser Zielmarke. Wächst der freie Cashflow im laufenden Jahr nur um 33 Prozent, sinkt die nötige Rate für die restlichen vier Jahre auf gut 18 Prozent. Das Management peilt für die Geschäftsjahre 2028 bis 2030 ein Umsatzplus im mittleren bis hohen Zehnerbereich an. Die Bruttomarge soll bei etwa 80 Prozent liegen, die Cashflow-Marge bei rund 50 Prozent.

Langfristverträge als Puffer gegen den Speicherzyklus

Speicherchips sind ein Zyklusgeschäft. 2022 lag die Branchenkapazität bei rund 1,83 Millionen Wafern pro Monat. Dann brach die Nachfrage ein, die Auslastung fiel auf etwa 70 Prozent. Die Hersteller nahmen rund 560.000 Wafer Monatskapazität dauerhaft vom Netz. Neue Fabriken lassen sich nicht schnell bauen. Deshalb trifft der KI-Boom heute auf ein knappes Angebot.

Sandisk nutzt diese Lage für ein neues Vertragsmodell. Kunden verpflichten sich über bis zu fünf Jahre zur Abnahme fester Mengen. Im Schnitt laufen die Verträge mehr als vier Jahre. Sie enthalten Preisuntergrenzen und Preisobergrenzen. Allein zu den Mindestpreisen sichern die bestehenden Verträge 93,9 Milliarden Dollar Umsatz. Die Kunden hinterlegten zudem Sicherheiten von 16,5 Milliarden Dollar, etwa in Form von Bareinlagen.

Die Verträge decken mehr als die Hälfte der geplanten Bit-Produktion für 2027 ab. Für 2028 sind es etwa zwei Drittel. Ein Abo-Geschäft wird aus Sandisk damit nicht. Die Planbarkeit steigt aber deutlich.

Darauf kommt es bei den Sandisk-Zahlen an

Für das erste Quartal stellt das Management 10,3 bis 10,8 Milliarden Dollar Umsatz in Aussicht. Die Bruttomarge soll bei 83 bis 85 Prozent liegen. Die Messlatte des Konsenses liegt höher. Für das Gesamtjahr erwarten Analysten 49,1 Milliarden Dollar Umsatz. Selbst am oberen Ende der Prognose müsste Sandisk danach im Schnitt 12,8 Milliarden Dollar pro Quartal erlösen. Das wären rund 42 Prozent mehr als im vierten Quartal 2026.

Vier Punkte verdienen besondere Aufmerksamkeit. Erstens das Verhältnis von Preis und Menge. Im Schlussquartal kam ein Drittel des Wachstums aus höheren Volumen, zwei Drittel aus Preisen. Mehr Mengenwachstum würde belegen, dass Sandisk nicht allein von der Knappheit lebt. Zweitens die Marge. Zuletzt lag sie bei 84,6 Prozent. Ein Rückgang wäre ein frühes Signal für mehr Angebot am Markt.

Drittens das Rechenzentrum. Die Sparte erlöste im vierten Quartal 2,98 Milliarden Dollar, rund ein Drittel des Umsatzes. Weiteres Wachstum hier würde zeigen, dass auch die Menge zum Umsatz beiträgt. Viertens die Langfristverträge. Neue Kunden, größere Mengen oder zusätzliche Sicherheiten würden das Fundament verbreitern.

Das Risiko steckt im Kleingedruckten

Die größte Stärke birgt zugleich das größte Risiko. Sandisk schloss die Verträge in einer Phase sehr hoher NAND-Preise. Fallen die Preise wie 2022 deutlich, liegt der Spotmarkt plötzlich unter den vereinbarten Konditionen. Dann könnten Kunden versuchen, nachzuverhandeln oder Abnahmen zu umgehen. Die Sicherheiten dämpfen dieses Risiko, beseitigen es aber nicht. Wie belastbar die Verträge sind, zeigt erst der nächste Abschwung.

Fazit: Sandisk muss Menge liefern, nicht nur Preis

Sandisk hat sich binnen kurzer Zeit vom Verlustbringer zur Cash-Maschine gewandelt. Der freie Cashflow ist der Schlüssel zur Bewertung. Gemessen an den Erwartungen für 2027 wirkt die Aktie trotz der Rally nicht überteuert. Diese Rechnung steht und fällt jedoch mit der Annahme, dass Speicher knapp bleibt. Die Zahlen am 29. Oktober liefern dafür den ersten harten Test. Entscheidend ist weniger die Höhe des Umsatzes als seine Herkunft. Wächst die Menge, trägt die 12-Prozent-Rechnung auch dann, wenn die Preise eines Tages nachgeben.

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