Rekordumsatz, Rekordgewinn – und trotzdem ein Kursrutsch, der sich gewaschen hat. Sandisk verliert im vorbörslichen Handel am Donnerstag zeitweise mehr als 9 Prozent, Branchenpartner Western Digital sogar über 13 Prozent. Wer nur auf die Schlagzeilen schaut, versteht die Reaktion nicht sofort.
Rekordquartal, aber die Prognose bremst
Sandisk meldet für das vierte Quartal des Geschäftsjahres 2026 einen Umsatz von 8,97 Milliarden US-Dollar, ein Plus von 51 Prozent zum Vorquartal. Für das gesamte Geschäftsjahr steigt der Umsatz um 175 Prozent auf 20,25 Milliarden US-Dollar, getrieben vom Datacenter-Geschäft, das laut Unternehmensangaben um 437 Prozent zulegt. Der GAAP-Nettogewinn liegt bei 6,90 Milliarden US-Dollar, das verwässerte Ergebnis je Aktie bei 43,97 US-Dollar nach GAAP beziehungsweise 39,25 US-Dollar auf Non-GAAP-Basis.
Für das erste Quartal des Geschäftsjahres 2027 stellt Sandisk jedoch nur noch einen Umsatz zwischen 10,30 und 10,80 Milliarden US-Dollar in Aussicht. Das klingt nach Wachstum, bedeutet gegenüber dem gerade abgelaufenen Quartal aber nur noch ein Plus im niedrigen bis mittleren zweistelligen Bereich – ein deutlich langsameres Tempo als die zuletzt verzeichneten 51 Prozent.
Der eigentliche Knackpunkt: Preis statt Menge
Sandisk selbst räumt ein, dass rund zwei Drittel des sequenziellen Umsatzwachstums im vierten Quartal aus höheren Preisen stammen, nur ein Drittel aus höheren Absatzmengen. Genau das dürfte der wunde Punkt sein: Steigt der Umsatz vor allem, weil Speicherchips teurer werden, statt weil mehr davon verkauft werden, hängt die künftige Entwicklung stark davon ab, wie lange sich diese Preisdynamik am Markt halten lässt. Der Vorstand versucht dennoch, Vertrauen zu signalisieren, und stockt das Rückkaufprogramm um 14 Milliarden US-Dollar auf – insgesamt bleiben damit 15,5 Milliarden US-Dollar an Ermächtigung bestehen.
Der Ausverkauf blieb nicht auf Sandisk beschränkt. Auch Western Digital, trotz eines Umsatzsprungs von 44 Prozent auf 3,75 Milliarden US-Dollar im Quartal, geriet unter Druck – die eigene Prognose einer Wachstumsrate von 42 bis 49 Prozent für das laufende Quartal reicht den Anlegern offenbar nicht als Beschleunigungssignal. Die Verkaufswelle schwappte über den Pazifik: Kioxia verlor in Tokio zweistellig, Samsung Electronics und SK Hynix gaben in Seoul deutlich nach, der Kospi-Index brach ein.
Ein belastbarerer Hinweis auf die Tragfähigkeit der aktuellen Preisdynamik dürfte sich erst zeigen, wenn Sandisk und Western Digital ihre Zahlen zum ersten Quartal des Geschäftsjahres 2027 vorlegen. Erst dann wird sich zeigen, ob die in Aussicht gestellten Umsatzspannen tatsächlich erreicht werden – oder ob sich der aktuelle Preisboom am Speichermarkt bereits wieder abschwächt.
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