Wells Fargo traut SanDisk trotz eines bereits kräftigen Kursanstiegs noch mehr Luft nach oben zu. Analyst Aaron Rakers hob das Kursziel für die Aktie am 22. Juli 2026 von 1.250 auf 1.620 US-Dollar an und bestätigte gleichzeitig die Einstufung Equal-Weight. Rakers begründete den Schritt mit einem positiven Umfeld vor dem anstehenden Quartalsbericht, neuen Liefervereinbarungen im Bereich NBM, der Dynamik bei Enterprise-SSDs sowie dem Hochlauf des Stargate-Projekts.
Speichermarkt zwischen Euphorie und Warnsignal
Die Rally bei Speicherherstellern erhielt zuletzt einen Dämpfer durch TrendForce. Der Marktforscher warnte, dass sich die Angebotsengpässe bei NAND-Flash in der zweiten Hälfte 2027 abschwächen dürften, getrieben durch Prozessumstellungen und steigende Bit-Produktion bei gleichzeitig schwächerer Konsumentennachfrage. Die Server-Nachfrage soll bis 2027 hoch bleiben, während die CPU-Nachfrage nachlassen könnte, sobald AMD und Intel ihre Produktionsengpässe überwinden. Am Tag der Warnung verlor die Sandisk-Aktie 4,24 Prozent, während Wettbewerber wie Micron, Western Digital, Seagate und SK Hynix ebenfalls nachgaben. Der Analystenkonsens bleibt dennoch überwiegend positiv: Für SanDisk wird ein Kurspotenzial von 34,16 Prozent gesehen, bei Micron sind es sogar 64,81 Prozent.
Auch Morgan-Stanley-Analyst Joseph Moore ordnete die jüngsten Verkaufswellen bei Speicherwerten als Kaufgelegenheit ein. Speicher entwickle sich zunehmend zum Engpass für Künstliche Intelligenz, so Moore – die zuletzt sichtbaren Sorgen über eine Abkühlung der Nachfrage oder steigende Investitionsausgaben seien vorhersehbar gewesen, der aktuelle Zyklus unterscheide sich aber von früheren Abschwüngen.
Milliardenverträge sollen den Boom-Bust-Zyklus brechen
Hinter der Kursziel-Anhebung stehen handfeste Geschäftszahlen. Im dritten Quartal, das Ende April schloss, steigerte SanDisk den Umsatz auf 5,95 Milliarden US-Dollar – ein Plus von 251 Prozent gegenüber dem Vorjahr. Das Ergebnis je Aktie von 23,41 US-Dollar lag deutlich über der eigenen Prognosespanne von 12 bis 14 US-Dollar. Besonders das Datacenter-Geschäft explodierte: Der Umsatz in diesem Segment kletterte um 645 Prozent im Jahresvergleich und um 233 Prozent im Quartalsvergleich, Enterprise-SSDs machen inzwischen rund ein Viertel des Konzernumsatzes aus.
Um den für die Speicherbranche typischen Boom-Bust-Zyklus zu durchbrechen, hat SanDisk fünf Mehrjahresverträge mit Hyperscalern abgeschlossen. Diese Vereinbarungen sichern nach Unternehmensangaben mehr als ein Drittel der für das Geschäftsjahr 2027 geplanten Bit-Lieferungen ab und enthalten finanzielle Garantien von über 11 Milliarden US-Dollar. Die drei ersten dieser Verträge sollen allein Mindesteinnahmen von 42 Milliarden US-Dollar generieren. Ergänzend hat das Unternehmen das Gemeinschaftsunternehmen mit Kioxia bis 2034 verlängert und eine Milliarde US-Dollar in den DRAM-Partner Nanya investiert. Die Non-GAAP-Bruttomarge lag bei 78 Prozent, Ziel sind 79 bis 81 Prozent. Der bereinigte freie Cashflow summierte sich auf rund 2,955 Milliarden US-Dollar, parallel liefen Aktienrückkäufe im Volumen von 6 Milliarden US-Dollar. Insider verkauften in den vergangenen drei Monaten Aktien im Wert von 10,2 Millionen US-Dollar.
Blick auf den 5. August und die Kursentwicklung
Die nächste Bewährungsprobe steht am 5. August an, wenn SanDisk die Zahlen zum vierten Fiskalquartal vorlegt. Das Unternehmen selbst hat einen Umsatz zwischen 7,75 und 8,25 Milliarden US-Dollar sowie ein Ergebnis je Aktie von 30 bis 33 US-Dollar in Aussicht gestellt. Analysten rechnen mit noch mehr: Der Konsens sieht einen Umsatz von 8,34 Milliarden US-Dollar, ein Plus von 338 Prozent gegenüber dem Vorjahr, sowie ein Ergebnis je Aktie von 34,15 US-Dollar.
Rückenwind kommt auch von der Konkurrenz: SK-Hynix-Chef Kwak Noh-Jung erwartet, dass sich der globale Speichermangel 2027 weiter verschärft und die Nachfrage bis über das Jahr 2030 hinaus das Angebot übersteigt. SanDisk hält laut Counterpoint einen NAND-Marktanteil von 13 Prozent und profitiert über variable Preiskomponenten in seinen Langfristverträgen zusätzlich von steigenden Preisen.
An der Börse spiegelt sich die Gemengelage aus Euphorie und Vorsicht in erhöhter Schwankungsbreite wider. Zuletzt (Mittwoch) schloss die Aktie bei 1.400,00 Euro, nach einem Plus von 12,90 Prozent innerhalb von sieben Tagen. Auf Monatssicht steht dennoch ein Rückgang von 19,54 Prozent zu Buche, und zum 52-Wochen-Hoch von 2.060,00 Euro vom 22. Juni 2026 fehlen der Aktie noch 32,04 Prozent. Die Bewertung bleibt trotz der Kursausschläge moderat: Vor dem Bericht am 5. August wird die Aktie mit einem Kurs-Gewinn-Verhältnis im niedrigen einstelligen Bereich der erwarteten Gewinne gehandelt, was die Diskussion um weiteres Aufwärtspotenzial befeuert.
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