SANDISK Aktie: 94 Milliarden US-Dollar vertraglich gebunden

SanDisk meldet Rekordumsatz im vierten Quartal, doch die Prognose für Q1 2027 enttäuscht. Analysten reagieren mit gemischten Kurszielen.

Auf einen Blick:
  • Rekordumsatz von 8,97 Milliarden Dollar
  • Enttäuschende Prognose für Q1 2027
  • Aktienrückkaufprogramm über 14 Milliarden Dollar
  • Analysten uneins über Kursentwicklung

Sandisk hat mit seinem vierten Geschäftsquartal die bislang höchsten Zahlen der Unternehmensgeschichte vorgelegt – und trotzdem gerät die Aktie weiter unter Druck. Das Papier notiert am Freitag bei 1.060,00 Euro und gibt damit 3,64 Prozent nach, nachdem der Titel am Donnerstag noch bei 1.100,00 Euro geschlossen hatte. Über die vergangenen 30 Tage summiert sich das Minus bereits auf 30,26 Prozent. Der Grund für die anhaltende Skepsis liegt nicht in der Vergangenheit, sondern im Ausblick.

Rekordumsatz, aber verhaltene Prognose

Im vierten Geschäftsquartal erzielte SanDisk einen Umsatz von 8,97 Milliarden US-Dollar, ein Plus von 51 Prozent zum Vorquartal, bei einem bereinigten Gewinn pro Aktie von 39,25 US-Dollar. Der GAAP-Nettogewinn lag bei 6,90 Milliarden US-Dollar beziehungsweise 43,97 US-Dollar je Aktie. Für das gesamte Geschäftsjahr 2026 weist das Unternehmen einen Umsatz von 20,25 Milliarden US-Dollar aus, ein Anstieg von 175 Prozent gegenüber dem Vorjahr, mit einem Jahresüberschuss von 11,43 Milliarden US-Dollar. Rund zwei Drittel des sequenziellen Wachstums stammten aus höheren Preisen, ein Drittel aus höheren Volumina.

Treiber der Entwicklung war erneut das Rechenzentrumsgeschäft: Der Umsatz in diesem Segment sprang binnen eines Quartals um 103 Prozent auf 2,98 Milliarden US-Dollar und wuchs im Jahresvergleich von 12 auf 38 Prozent des Gesamtportfolios – getragen von starker Nachfrage nach KI-Inferenz und dem Hochlauf der QLC-Stargate-Plattform. Im Gegenzug schrumpfte das Konsumentengeschäft um 32 Prozent auf 556 Millionen US-Dollar.

Ausgelöst wurde der Kurseinbruch nicht von diesen Zahlen, sondern vom Ausblick: SanDisk stellte für das erste Quartal des Geschäftsjahres 2027 einen Umsatz von 10,30 bis 10,80 Milliarden US-Dollar in Aussicht. Der Mittelwert blieb hinter der Konsenserwartung von 10,8 Milliarden US-Dollar zurück. Im US-vorbörslichen Handel brach die Aktie deshalb um rund 9,2 Prozent ein, Branchennachbar Western Digital verlor sogar rund 14,6 Prozent – auch Micron und Seagate gerieten in den Abwärtsstrudel.

Rückkaufprogramm und langfristige Verträge als Gegengewicht

Der Verwaltungsrat genehmigte parallel ein zusätzliches Aktienrückkaufprogramm über 14 Milliarden US-Dollar, sodass insgesamt 15,5 Milliarden US-Dollar an Ermächtigung verbleiben – nachdem im vierten Quartal bereits 4,5 Milliarden US-Dollar für Rückkäufe verwendet wurden. Das Unternehmen verweist zudem auf zehn sogenannte New-Business-Model-Vereinbarungen, davon fünf neu seit dem April-Call, die zusammen ein Mindestumsatzvolumen von 94 Milliarden US-Dollar und offene Leistungsverpflichtungen von 91 Milliarden US-Dollar umfassen, abgesichert durch Finanzgarantien von 16,5 Milliarden US-Dollar. Mehr als die Hälfte der für das Geschäftsjahr 2027 erwarteten Speicherbits ist damit bereits vertraglich gebunden, für 2028 rund zwei Drittel. Chairman und CEO David Goeckeler sprach von einer Nachfragesichtbarkeit von über vier Jahren.

Analysten senken Kursziele, bleiben aber mehrheitlich bullisch

Citi kappte am Donnerstag sein Kursziel für SanDisk von 2.500 auf 2.100 US-Dollar. Analystin Asiya Merchant öffnete jedoch parallel eine 90-Tage-Long-Position und wertet den Rückschlag als Einstiegschance, nicht als Trendbruch. Goldman Sachs bestätigte seine Kaufempfehlung mit einem Kursziel von 2.200 US-Dollar; Analyst James Schneider begründete die kurzfristige Kursschwäche damit, dass die Prognose beim Umsatz unter den Erwartungen lag, beim Gewinn pro Aktie aber im Rahmen. Weitere Häuser reagierten uneinheitlich: Mizuho senkte sein Ziel auf 1.900 von 2.200 US-Dollar bei weiterhin Kaufempfehlung, Morgan Stanley und Wedbush bestätigten ihre positiven Einstufungen mit Zielen von 1.750 beziehungsweise 2.000 US-Dollar. Jefferies nahm die deutlichste Kürzung vor, von 3.000 auf 1.750 US-Dollar, während RBC vor möglicherweise ausgereizten Margen und moderierendem Preiswachstum warnte. Barclays-Analyst Tom O’Malley bezeichnete den Rückschlag hingegen als attraktive Kaufgelegenheit.

Technologie-Vorstoß und Termin im Blick

Kurz vor den Zahlen hatte SanDisk gemeinsam mit SK hynix die erste technische OCP-Spezifikation für sogenannten High Bandwidth Flash veröffentlicht, ein Standardisierungsschritt für Speichertechnologie mit hoher Bandbreite. Auf der Fachmesse FMS 2026 präsentierte das Unternehmen zudem die neue BiCS10-QLC-NAND-Generation sowie die HBF-Technologie, die auf die Anforderungen von KI-Inferenz im großen Maßstab zielt. Am 13. August lädt SanDisk zu einem Investor Day, bei dem CEO Goeckeler und Finanzchef Luis Visoso Geschäftslage und Ausblick erläutern wollen. In den vergangenen drei Monaten verzeichnete das Unternehmen keine Insiderkäufe, dafür Verkäufe von Führungskräften im Umfang von rund 10,9 Millionen US-Dollar – ein Signal, das Anleger im Vorfeld des Termins im Blick behalten dürften.

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