SANDISK Aktie: 372 Prozent Umsatzplus, Ausblick enttäuscht

SanDisk verzeichnet Rekordumsatz, doch der vorsichtige Ausblick und NAND-Preissorgen lassen die Aktie einbrechen. Analysten zeigen sich gespalten.

Auf einen Blick:
  • Umsatzplus von 372 Prozent
  • Aktie verliert über zehn Prozent
  • Analysten streiten über Kursziele
  • Milliardenschweres Aktienrückkaufprogramm

372 Prozent mehr Umsatz in einem Quartal – und trotzdem wird die Aktie seit einer Woche verprügelt. Für mich ist genau dieser Kontrast die eigentliche Geschichte hinter Sandisk in diesen Tagen: Ein Unternehmen liefert operativ so stark ab wie selten zuvor, und der Markt straft es dennoch ab. Das sagt mehr über die Erwartungshaltung der Anleger als über die tatsächliche Verfassung des Speicherherstellers.

Rekordumsatz trifft auf enttäuschten Ausblick

Am Mittwoch legte SanDisk Zahlen zum vierten Geschäftsquartal 2026 vor: 8,97 Milliarden US-Dollar Umsatz, ein Plus von 372 Prozent gegenüber dem Vorjahr, dazu ein bereinigter Gewinn je Aktie von 39,25 US-Dollar. Auf dem Papier ein Traumquartal. Was die Anleger jedoch verschreckte, war der Ausblick: Für das erste Quartal des Geschäftsjahres 2027 stellte das Management einen Umsatz zwischen 10,3 und 10,8 Milliarden US-Dollar in Aussicht – deutlich unter den optimistischsten Analystenschätzungen von rund 12,3 Milliarden US-Dollar. Die Aktie brach in der Folge um mehr als zehn Prozent ein.

Der Ausverkauf setzte sich fort. Am Freitag schloss das Papier bei 1.050,00 Euro, ein Tagesminus von 4,55 Prozent. Auf Sicht von 30 Tagen summiert sich der Rückgang inzwischen auf 30,92 Prozent. Wer sich fragt, ob hier Panik oder Kalkül am Werk ist – ich tendiere zu Letzterem: Der Markt preist offenbar eine deutlich vorsichtigere Preisdynamik im NAND-Geschäft ein, als es die Rekordzahlen zunächst vermuten ließen.

Analysten uneins: Zwischen Kaufempfehlung und Vorsicht

Die Reaktion der Analysten fällt entsprechend gespalten aus. Am Donnerstag senkte Evercore ISI-Analyst Amit Daryanani sein Kursziel von 3.100 auf 2.800 US-Dollar, beließ die Einstufung aber bei „Outperform“ – die langfristige NAND-Nachfrage rechtfertige aus seiner Sicht weiterhin eine positive Haltung. Deutlich skeptischer positionierte sich Jefferies: Das Haus kappte sein Kursziel im selben Zug von 3.000 auf 1.750 US-Dollar und verwies auf steigende Risiken bei Preisen und Margen im NAND-Markt.

Dazwischen bewegt sich der Rest der Wall Street. Citigroup senkte am Donnerstag ihr Ziel auf 2.100 US-Dollar, hält aber an „Buy“ fest und spricht von einem „gedämpften“ Preisausblick fürs Septemberquartal. Wells Fargo strich das Kursziel auf 1.400 US-Dollar zusammen und bleibt bei „Equal-Weight“, mit Verweis auf Bewertungsbedenken. Am Freitag bekräftigten dagegen Morgan Stanley (1.750 US-Dollar, „Overweight“) und Wedbush (2.000 US-Dollar, „Outperform“) ihre positive Sicht und verwiesen auf eine strukturell robuste NAND-Nachfrage – Wedbush hält den eigenen Preisausblick des Unternehmens sogar für konservativ. Goldman Sachs stützte seine „Buy“-Einstufung mit Kursziel 2.200 US-Dollar bereits am Tag der Zahlen auf die Stärke der langfristigen Lieferverträge. Die Zielspanne reicht damit von 1.400 bis 2.800 US-Dollar – ein Bild von Unsicherheit, nicht von Konsens.

Rückkäufe und Milliardenverträge als Vertrauensbeweis

Interessant wird es, wenn man auf die Kapitalmaßnahmen schaut, die das Management parallel zu den Zahlen bekannt gab. Der Vorstand genehmigte ein zusätzliches Aktienrückkaufprogramm über 14 Milliarden US-Dollar, womit sich das verbleibende Rückkaufvolumen auf 15,5 Milliarden US-Dollar summiert. Ein Unternehmen, das massiv eigene Aktien zurückkauft, signalisiert in der Regel Überzeugung von der eigenen Bewertung – auch wenn Rückkäufe naturgemäß nie eine Garantie sind.

Dazu passt die Meldung über fünf weitere sogenannte New-Business-Model-Vereinbarungen, mit denen sich die Gesamtzahl auf zehn Verträge mit einem kontrahierten Langfristumsatz von 93,9 Milliarden US-Dollar erhöht. In Kombination mit der gemeinsam mit SK hynix veröffentlichten ersten technischen OCP-Spezifikation für High Bandwidth Flash – einen Speicherstandard für KI-Anwendungen – zeichnet sich ein Unternehmen ab, das seine Marktposition offensiv absichert. Nebenbei verkaufte Chief Legal Officer Bernard Shek im Rahmen eines vorab festgelegten Handelsplans 600 Aktien für rund 697.296 US-Dollar – ein Vorgang, den ich angesichts der Größenordnung nicht überbewerten würde.

Fazit: Kurzfristiger Schock, langfristige Substanz?

Unterm Strich sehe ich bei SanDisk zwei Geschichten, die gerade gegeneinander laufen. Kurzfristig dominiert die Enttäuschung über den Ausblick, verstärkt durch eine ohnehin nervöse Marktstimmung rund um NAND-Preise. Die Kursverluste der vergangenen Wochen spiegeln genau das wider. Langfristig aber sprechen die Milliardenverträge, das aggressive Rückkaufprogramm und die technologische Positionierung bei KI-Speicherlösungen für ein Unternehmen, das operativ substanziell dasteht. Für mich überwiegt aktuell die Verunsicherung über die Substanz – ob sich das ändert, dürfte maßgeblich davon abhängen, ob sich die vorsichtige Preis-Guidance in den kommenden Quartalen als übertrieben konservativ erweist, wie es Wedbush bereits andeutet, oder ob Jefferies mit seiner Warnung vor Margendruck recht behält.

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