Sandisk bekommt Rückenwind von der Wall Street – doch nicht alle Beobachter sind überzeugt, dass sich der jüngste Kursrutsch bereits erholt hat. Argus Research stufte die Aktie am Dienstag von „Hold“ auf „Buy“ hoch, im US-Handel legte das Papier daraufhin um 2,7 Prozent auf 1.271,05 Dollar zu. Gleichzeitig warnt Morningstar, dass der Speicherchip-Hersteller trotz eines Kursrückgangs von 48 Prozent vom Hoch noch immer überbewertet sei.
Starke Zahlen, harte Kursreaktion
Die Ausgangslage ist widersprüchlich: SanDisk hatte für das vierte Quartal einen Gewinn je Aktie von 39,25 Dollar gemeldet, deutlich über dem Konsens von 33,28 Dollar. Der Umsatz sprang um 371,6 Prozent auf 8,97 Milliarden Dollar. Für das erste Quartal 2027 stellt das Unternehmen einen Gewinn je Aktie zwischen 44 und 46 Dollar in Aussicht. Zusätzlich kündigte SanDisk ein Aktienrückkaufprogramm über 14 Milliarden Dollar an.
Trotz dieser Zahlen war die Aktie zuvor um rund 13 Prozent eingebrochen – ein Kursverlauf, der viele Anleger überrascht hat. Die Analysten von Barclays bewerteten die Entwicklung dennoch konstruktiv: Sie verweisen auf fünf neue Vereinbarungen im Bereich langfristiger Speicherverträge (NBM-Deals) mit einem Mindestumsatzvolumen von 94 Milliarden Dollar und einem Auftragsbestand (RPO) von 91 Milliarden Dollar. Auch Citi äußerte sich positiv zur Geschäftsentwicklung.
Langfristige Lieferverträge als Stützpfeiler
Ein zentraler Baustein der Investmentstory sind langfristige Liefervereinbarungen (LTA), die sich inzwischen auf SanDisk und weitere Speicherhersteller ausweiten.
Berichten zufolge sichert SanDisk dabei Vorauszahlungen von rund 11 Milliarden Dollar ab – ein Vergleichswert zu den etwa 22 Milliarden Dollar, die Micron in diesem Zusammenhang erhält. Goldman Sachs sieht in solchen Vorauszahlungen den entscheidenden Unterschied zwischen den Anbietern in der aktuellen Marktphase.
Parallel dazu positioniert sich SanDisk technologisch neu: Gemeinsam mit SK hynix stellte das Unternehmen auf der Speicherfachmesse FMS 2026 eine Spezifikation für sogenannten HBF-Speicher vor, der ab etwa 2027 kommerzialisiert werden soll.
Hintergrund ist ein wachsendes Engpassproblem bei High-Bandwidth-Memory: Derzeit wird nur 50 bis 60 Prozent des Speichers in KI-Servern tatsächlich für Rechenoperationen genutzt. Technologien wie CXL, PIM und HBF sollen diese Lücke schließen – ein Feld, in dem sich auch Samsung und SK hynix positionieren.
Skepsis bei der Bewertung bleibt
Trotz der operativen Stärke bremst Morningstar die Euphorie. Die Analysten sehen SanDisk gemeinsam mit Western Digital, das um 42 Prozent vom Hoch gefallen ist, im oberen Bereich ihrer Drei-Sterne-Bewertung – ein Hinweis auf eine aus ihrer Sicht überzogene Bewertung. Morningstar erwartet den Höhepunkt des aktuellen Zyklus für Anfang 2028, gefolgt von einem Abschwung in den Jahren 2029 und 2030.
Für Anleger ergibt sich damit ein zweigeteiltes Bild. Operativ liefert SanDisk mit Rekordumsatz, hoher Gewinnsteigerung und milliardenschweren Lieferverträgen klare Stärke.
Die Marktkapitalisierung lag zuletzt bei rund 188 Milliarden Dollar, das Kurs-Gewinn-Verhältnis bei 17,44. Auf Eurobasis notierte die Aktie am Dienstag bei 1.100,00 Euro, ein Plus von 1,85 Prozent gegenüber dem Vortag – nach einem Rückgang von knapp 25 Prozent binnen 30 Tagen bleibt der Titel damit deutlich unter seinem 50-Tage-Durchschnitt.
Die Konsenserwartung der Wall Street bleibt trotz der Bewertungsdebatte mehrheitlich positiv, mit einem Kursziel von 1.853,14 Dollar und der Einstufung „Moderate Buy“.
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