Ein Kursrutsch von über 12 Prozent an einem einzigen Tag, und trotzdem heben Analysten ihre Kursziele an. Bei Sandisk klafft die Marktreaktion gerade weit auseinander von dem, was Wall-Street-Experten für die eigentliche Story halten. Am Montag traf es die Speicherchip-Branche breit — SanDisk gehörte zu den größten Verlierern im S&P 500 dieser Sitzung.
Auslöser war ein Kurseinbruch bei den SK-Hynix-ADRs. Der Philadelphia Semiconductor Index rutschte daraufhin deutlich unter sein Juni-Hoch, und die gesamte Speicherbranche geriet unter Druck. SanDisk erholte sich zwar bereits wieder etwas: Der Schlusskurs am Dienstag lag bei 1.550,00 Euro, ein Plus von 1,97 Prozent auf Wochensicht. Auf 30-Tage-Sicht steht dennoch ein Minus von 14,84 Prozent zu Buche.
Zum 52-Wochen-Hoch von 2.060,00 Euro aus dem Juni fehlen der Aktie inzwischen fast 25 Prozent. Zum Tief bei 1.300,00 Euro von Anfang Juli beträgt der Abstand knapp 19 Prozent. Die annualisierte 30-Tage-Volatilität von 141,80 Prozent zeigt: Hier schwanken die Kurse gerade heftig in beide Richtungen.
Warum Analysten optimistisch bleiben
Evercore ISI hat sein Kursziel für SanDisk deutlich auf 3.100 Dollar angehoben — im Bull-Case-Szenario nennt die Bank sogar 4.000 Dollar. Die Begründung liegt nicht in kurzfristigen Kurstrends, sondern in der Auftragslage des Unternehmens.
SanDisk sitzt auf einem Auftragsbestand (Remaining Performance Obligations) von 41,6 Milliarden Dollar. Darin enthalten sind rund 62 Milliarden Dollar aus Mindestumsatzgarantien neu abgeschlossener langfristiger Lieferverträge. Analysten sprechen von einem strukturellen Wandel in der Ertragssichtbarkeit des Unternehmens — planbare Einnahmen über Jahre statt volatiler Quartalsgeschäfte.
Fünf solcher Langfristverträge hat SanDisk bereits unterschrieben. Zusammen decken sie mehr als ein Drittel des für das Geschäftsjahr 2027 erwarteten NAND-Bit-Volumens ab.
Starke Zahlen, starker Ausblick
Die operativen Zahlen untermauern den Optimismus der Analysten. Im dritten Fiskalquartal erzielte SanDisk einen Umsatz von 5,95 Milliarden Dollar — fast doppelt so viel wie im Vorquartal. Das Rechenzentrumsgeschäft war der stärkste Wachstumstreiber: Der Umsatz in diesem Segment sprang um 233 Prozent auf 1,47 Milliarden Dollar, die Bruttomarge erreichte dabei 78,4 Prozent.
Für das laufende Quartal rechnet das Management mit einem Umsatz zwischen 7,75 und 8,25 Milliarden Dollar. Der Sprung erklärt sich aus der Nachfrage nach NAND-Flash-Speicher für datenintensive Anwendungen und KI-Workloads. Experten gehen davon aus, dass das Ungleichgewicht zwischen Angebot und Nachfrage im Speichermarkt bis 2027 anhalten könnte — mit Spielraum für weitere Preiserhöhungen.
Technologisch treibt SanDisk parallel die nächste NAND-Generation voran. Das Unternehmen testet aktuell seinen BiCS10 1Tb TLC-Chip, den zehnten Generation seines 3D-NAND-Flash-Speichers. Gemeinsam mit Kioxia hat SanDisk die Produktion dieser neuen Chip-Generation im japanischen Werk Kitakami Fab2 bereits gestartet. Ziel ist mehr Speicherdichte bei geringerem Energieverbrauch.
Am 5. August legt SanDisk die Zahlen zum vierten Fiskalquartal und zum Gesamtjahr 2026 vor. Eine Woche später, am 13. August, folgt ein Investor Day. Beide Termine dürften zeigen, ob sich die langfristigen Lieferverträge bereits in den Zahlen niederschlagen — und ob die Kursziele der Analysten Bestand haben.
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