SANDISK: 23,41 Dollar je Aktie

Sandisk übertrifft Analystenerwartungen mit Rekordzahlen, während der Aktienkurs im Sektor-Ausverkauf stark nachgibt.

Auf einen Blick:
  • Gewinn je Aktie weit über Prognose
  • Rechenzentrumsgeschäft wächst um 233 Prozent
  • Aktie verliert trotz Rekordquartal deutlich
  • Analysten sehen Kurspotenzial bei Sandisk

Der Speicherchip-Hersteller meldete einen Gewinn je Aktie von 23,41 US-Dollar – der Analystenkonsens hatte lediglich 14,17 US-Dollar erwartet. Der Umsatz kletterte auf 5,95 Milliarden US-Dollar. Trotzdem zählt die Aktie in den vergangenen Wochen zu den größten Verlierern im Halbleitersektor. Vorbörslich notiert das Papier bei 1.180,00 Euro, ein Minus von 0,84 Prozent gegenüber dem Freitagsschluss. Binnen 30 Tagen hat der Titel 38,86 Prozent verloren.

Nachfrageboom im Rechenzentrum

Treiber der Zahlen ist das Rechenzentrumsgeschäft: Hier legte Sandisk im Quartalsvergleich um 233 Prozent zu. Die Bruttomarge erreichte 78,4 Prozent. Der Auftragsbestand für Mehrjahresverträge summiert sich auf 41,6 Milliarden US-Dollar – ein Polster, das dem Unternehmen Planungssicherheit über mehrere Jahre geben soll. Firmenchef Goeckeler sprach von einem „fundamentalen Wendepunkt“ für das Geschäft. Für das laufende vierte Quartal stellt Sandisk einen Umsatz zwischen 7,75 und 8,25 Milliarden US-Dollar sowie einen Gewinn je Aktie von 30 bis 33 US-Dollar in Aussicht – deutlich mehr als noch vor wenigen Monaten für möglich gehalten.

Ausverkauf trotz Boom

Die Kursreaktion fällt trotz dieser Zahlen negativ aus, weil der gesamte Speicherchip-Sektor unter Druck steht. Der Philadelphia Semiconductor Index ist rund 20 Prozent von seinem Junihoch entfernt und damit technisch in einen Bärenmarkt gerutscht. Micron, einer der engsten Vergleichswerte für Sandisk, notiert trotz eines Rekordquartals mit 41,46 Milliarden US-Dollar Umsatz und einer Bruttomarge von 84,6 Prozent rund 30 Prozent unter seinem Jahreshoch. SK Hynix verlor sogar 43 Prozent vom Hoch. Die Bank Barclays bleibt dennoch optimistisch: Die Nachfrage nach Rechenleistung übersteige das Angebot, Kapazitätsengpässe würden sich nicht schnell auflösen. Die Schweizer Großbank UBS wertet die Verkäufe eher als taktisches Trimmen von Positionen denn als Ausstieg. Für Sandisk bedeutet das laut aktuellen Marktdaten: Der Titel liegt 42,72 Prozent unter seinem 52-Wochen-Hoch von 2.060,00 Euro, das am 22. Juni 2026 markiert wurde.

Untermauert wird die strukturelle Knappheitsthese durch Aussagen aus der Speicherbranche selbst. SK-Group-Chairman Chey Tae-won rechnet für 2027 mit einem Anstieg der KI-Chip-Nachfrage um bis zu 100 Prozent und einer insgesamt um 50 bis 60 Prozent steigenden Speichernachfrage. Er bezeichnete die Angebotsknappheit als Zustand auf „Chaos-Niveau“. Auch Apple hat wegen gestiegener NAND-Kosten die Preise für Mac- und iPad-Modelle angehoben – ein Indiz dafür, dass die Verknappung bereits die Endkundenpreise erreicht.

Analysten bleiben zuversichtlich

Trotz der Kursturbulenzen fällt das Bild unter Analysten überwiegend positiv aus. Von 26 erfassten Einschätzungen entfallen zwei auf „Strong Buy“, 19 auf „Buy“ und fünf auf „Hold“ – in der Summe ein „Moderate Buy“ mit einem Konsens-Kursziel von 1.803,29 US-Dollar. Die Bewertung hat sich durch den Kursrutsch spürbar verändert: Das Forward-Kurs-Gewinn-Verhältnis fiel von 13,6 auf 6,4.

Institutionelle Anleger nutzten die Schwäche teils zum Einstieg. Allspring Global Investments stockte seine Sandisk-Position im ersten Quartal 2026 um 1.070,4 Prozent auf 74.885 Aktien im Wert von 51,9 Millionen US-Dollar auf. Independent Financial Group eröffnete eine neue Position über 3.890 Aktien im Wert von rund 2,47 Millionen US-Dollar. Auf der anderen Seite verkauften Insider Aktien im Gesamtwert von gut 10 Millionen US-Dollar innerhalb von 90 Tagen – darunter Executive Ilkbahar mit 2.000 Aktien zu 1.756,58 US-Dollar sowie ein Direktoriumsmitglied namens Sayiner mit 579 Aktien zu 1.503,11 US-Dollar.

Für die mittelfristige Perspektive arbeitet Sandisk zudem gemeinsam mit SK Hynix an einer neuen Speichertechnologie namens High Bandwidth Flash, die HBM-ähnliche Packaging-Verfahren auf NAND-Flash überträgt und künftig speziell für KI-Inferenz-Anwendungen ausgelegt sein soll. Bis zur Marktreife dürfte es jedoch noch mindestens ein Jahr dauern. Kurzfristig bleibt der Titel damit ein Paradebeispiel dafür, wie stark operative Rekordzahlen und Kursverlauf in der aktuellen Halbleiter-Korrektur auseinanderfallen können.

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