Samsung Electronics-Aktie: Ausverkauf war eine Leverage-Story!

Der Kursrutsch bei Samsung ist auf gehebelte ETFs zurückzuführen, nicht auf das operative Geschäft. Analysten sehen den Abbau als abgeschlossen und erwarten eine Erholung.

Auf einen Blick:
  • Samsung-Aktie fiel von Juni-Hoch um fast 50 Prozent, trotz 250-fachem Anstieg des Chip-Gewinns
  • Leveraged-ETF-Vermögen kollabierte von 50 Milliarden auf 17 Milliarden Dollar
  • Ausländische Investoren kauften an einem einzigen Tag koreanische Aktien im Wert von 7,2 Billionen Won
  • JP Morgan: Leveraged-ETF-Abbau abgeschlossen, Hedgefonds zu 90 Prozent deleveraged

Samsung Electronics hat im letzten Monat fast die Hälfte seines Börsenwerts verloren. Nicht weil die Quartalszahlen schlecht waren, sondern weil zu viele Leute auf Kredit in die Aktie gegangen sind und dann gleichzeitig raus mussten. Das ist der Kern dieser Geschichte.

250-facher Gewinnanstieg, Aktie trotzdem im freien Fall

Samsung meldete einen 250-fachen Anstieg des Chip-Gewinns. Der Ausblick war solide, die Nachfrage aus Rechenzentren intakt. Dennoch rauschte die Aktie vom Juni-Hoch bis Ende Juli um fast 50 Prozent nach unten. Steve Lawrence, Chief Investment Officer bei Balfour Capital Group, bringt es auf den Punkt: „Das war ein Leverage-Ereignis, kein Earnings-Ereignis.“ Lawrence verwaltet über 400 Millionen Euro und bezeichnet sich selbst als Bullen für Samsung. Seine Begründung: Die Aktie wurde verkauft, weil sie die Hälfte des koreanischen Leitindex KOSPI ausmacht, nicht wegen irgendetwas im Geschäft selbst.

Das Unglück hatte einen Namen: Leveraged ETFs

Im Mai 2026 starteten in Südkorea Single-Stock-Leveraged-ETFs auf Samsung und SK Hynix. Was danach passierte, beschreibt Pierre Hoebrechts, stellvertretender CIO bei East Eagle Asset Management, so: „Die Zahl der in Korea eröffneten Konten, kombiniert mit lokalem Hebel und sehr konzentriertem Exposure sowie den großen ausländischen 2x-gehebelten ETFs obendrauf, machte dies zu einer explosiven Ausgangslage, wo nur ein Funke reichte, um den großen Knall auszulösen.“

Das Vermögen in diesen Produkten kollabierte von rund 50 Milliarden Dollar Ende Juni auf 17 Milliarden Dollar zuletzt, laut JP Morgan. Südkoreas Finanzminister Koo Yun-cheol entschuldigte sich öffentlich für die Einführung dieser ETFs ohne ausreichende Prüfung. Citi schätzt die Verluste für Kleinanleger in Leveraged ETFs auf rund 38,7 Milliarden Dollar.

Ausländer kauften, Kleinanleger weinten

Am Freitag dann der Rebound: Der KOSPI legte an einem einzigen Tag 17,9 Prozent zu. Ausländische Investoren, die das ganze Jahr über netto Verkäufer koreanischer Aktien waren, kauften an diesem Tag Aktien im Wert von 7,2 Billionen Won, mehr als doppelt so viel wie der bisherige Tagesrekord. JP Morgan-Analyst Rajiv Batra, Leiter der Asien-Strategie und Co-Leiter der globalen Schwellenländer-Aktienstrategie, schreibt, der Abbau der Leveraged ETFs sei abgeschlossen, Hedgefonds seien zu rund 90 Prozent durch das Deleveraging. Der Median-Zwölf-Monats-Return nach früheren Schwellenländer-Korrekturen liege bei etwa 28 Prozent.

Und jetzt?

Der KOSPI fiel am Montag darauf gleich wieder knapp 5 Prozent. Wer also glaubte, Freitag war die Wende, wurde sofort daran erinnert, dass hier noch Volatilität im System steckt. Lawrence sieht das gelassen: „Der Memory-Zyklus und die KI-Capex-Story sind intakt, und der Abbau liefert Samsung zu einem Abschlag, den die Fundamentaldaten nicht rechtfertigen.“ Ob er recht hat, weiß man am 1. November, wenn Samsung die nächsten Quartalszahlen vorlegt.

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