Ein Kurssprung von 8,22 Prozent binnen eines Handelstags — nach sieben Tagen mit fast neun Prozent Verlust. Samsung Electronics zeigt am Freitag, wie schnell sich die Stimmung an der Seouler Börse drehen kann. Auslöser waren massive institutionelle Käufe und Berichte über mögliche KI-Chip-Geschäfte mit einem prominenten Namen aus dem Silicon Valley.
Die Aktie schloss bei 309.500 Won, nach 286.000 Won am Vortag. Damit liegt Samsung Electronics nun 4,44 Prozent über dem 50-Tage-Durchschnitt, aber weiterhin 17,36 Prozent unter dem 52-Wochen-Hoch von 374.500 Won. Seit Jahresbeginn steht dennoch ein Plus von 141,36 Prozent zu Buche.
Institutionelle Käufer lösen Sidecar aus
Die Rally bei Samsung und anderen großen Chipherstellern trieb den gesamten KOSPI-Index nach oben. Der Leitindex sprang um 5,76 Prozent auf 8.088,34 Punkte. Die Bewegung war so heftig, dass um 13:47 Uhr Ortszeit ein Kauf-Sidecar ausgelöst wurde — Programmkäufe wurden damit vorübergehend gestoppt.
Institutionelle Investoren kauften an diesem Tag Aktien im Wert von rund 4,46 Billionen Won netto. Sie nutzten damit die Schwäche der vergangenen Woche zum Einstieg. Trotz der Turbulenzen bleibt die Aktie über zwölf Monate gerechnet ein Ausnahmefall: Der Kurs liegt 390,66 Prozent über dem Niveau vor einem Jahr.
Anthropic verhandelt über Custom-Chips
Der wichtigste Kurstreiber kommt aus den USA. Das KI-Startup Anthropic verhandelt Berichten zufolge mit Samsung über die Entwicklung eigener KI-Chips. Im Zentrum steht Samsungs fortschrittliche 2-Nanometer-Fertigung.
Ein solcher Deal würde Samsungs Foundry-Sparte deutlich stärken. Der Konzern will damit im High-End-Segment für KI-Halbleiter näher an die Konkurrenz heranrücken. Parallel verhandelt Samsung offenbar über eine Preiserhöhung von bis zu 20 Prozent bei DRAM-Speicherchips für das dritte Quartal 2026 — ein Signal für anhaltend hohe Nachfrage aus der KI-Infrastruktur.
Glasfaser-Substrate als neues Standbein
Samsung baut sein Portfolio auch abseits der klassischen Chipfertigung aus. Samsung Electro-Mechanics gründet mit Dongwoo Fine-Chem, einer Tochter von Sumitomo, das Gemeinschaftsunternehmen GlaSSEM. Samsung Electro-Mechanics hält daran 66,2 Prozent, das Projektvolumen liegt bei 480 Milliarden Won, umgerechnet rund 310 Millionen Dollar.
Im Fokus stehen sogenannte Glass-Core-Substrate. Sie sollen künftigen KI-Chips Vorteile bei Geschwindigkeit und Energieeffizienz bringen. Die Produktion am Standort Pyeongtaek soll in der zweiten Jahreshälfte 2027 starten.
Blick auf die Quartalszahlen
Am Dienstag, den 7. Juli 2026, veröffentlicht Samsung seine vorläufigen Zahlen für das zweite Quartal. Der von FnGuide erhobene Marktkonsens rechnet mit einem operativen Gewinn zwischen 85 und 86 Billionen Won.
Die Schätzungen einzelner Analysehäuser gehen dabei deutlich auseinander:
- iM Securities hob seine Prognose auf 80 Billionen Won an
- Kiwoom Securities rechnet mit 89 Billionen Won
- Korea Investment & Securities senkte seine Schätzung um 10 Prozent auf 8,6 Billionen Won (rund 6,2 Milliarden Dollar) und verwies auf hohe Kompensationskosten
Die große Spanne der Schätzungen erklärt sich vor allem durch unterschiedliche Ansätze bei der Verbuchung von Mitarbeiterboni. Einige Häuser rechnen hier mit Beträgen im zweistelligen Billionen-Won-Bereich. Im ersten Quartal 2026 hatte der operative Gewinn bei 57,2 Billionen Won gelegen.
Analysten richten den Blick nun auf eine mögliche Marke von 100 Billionen Won operativem Quartalsgewinn. Ob Samsung diese Schwelle erreicht, hängt maßgeblich davon ab, wie stark die Bonuszahlungen das Ergebnis am Ende belasten.
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