648 Milliarden Dollar. Das ist keine Zahl, die man mal eben in eine Pressemitteilung schreibt. Und doch will die Samsung Group genau das am Montag tun, wenn Konzernchefs vor Präsident Lee Jae Myung im Präsidialamt erscheinen und einen Zehnjahresplan vorlegen, der Südkorea in ein KI-Powerhouse verwandeln soll. 1.000 Billionen Won, verteilt auf Chipfabriken, KI-Rechenzentren, Batterien und Displays. Allein für den Bau neuer Halbleiterwerke im Südwesten des Landes sollen demnach 300 Billionen Won reserviert sein.
Wo das Geld hinfließt, ist die eigentliche Frage
Gwangju steht offenbar ganz oben auf der Liste möglicher Investitionsstandorte für Samsung Electronics. Das ist geografisch interessant, politisch noch mehr. Gwangju und die umliegenden Provinzen Jeolla sind eine Hochburg von Lees Demokratischer Partei, er holte dort bei der Präsidentschaftswahl im Juni 2025 rund 85 Prozent der Stimmen. Landesweit lag er bei 49,42 Prozent. Wer diese beiden Zahlen nebeneinanderstellt, versteht, warum die Opposition von „politisierten Halbleiterinvestitionen” spricht.
PPP-Sprecher Park Sung-hoon sagte diese Woche, wo Chipfabriken gebaut werden, sollten die Unternehmen entscheiden, nicht der Präsident. Samsung und SK Hynix lehnten jede Stellungnahme ab.
Fachkräfte im Südwesten? Extrem schwierig
Kim Tae-yun, Professor für Verwaltungswissenschaften an der Hanyang University, bringt den Knackpunkt auf den Punkt: Qualifizierte Arbeitskräfte im Südwesten zu gewinnen werde extrem schwierig sein, „und das wird darüber entscheiden, ob das Projekt Erfolg hat oder scheitert.” Und weiter: „Wenn keine wirklich hochmoderne Fab gebaut wird, droht es, kaum mehr als ein Bauprojekt und ein Schub für den Immobilienmarkt zu werden.”
Hightech-Fertigung lebt von Clustern, von Zulieferern, Ingenieuren, Universitäten in der Nähe. Die gibt es rund um Seoul. Im Südwesten nicht in vergleichbarer Dichte.
Icheon zittert schon jetzt
Während Gwangju hofft, zittert Icheon. Dort betreibt SK Hynix große Werke, die Stadtfinanzen hängen direkt daran. Jo Jun-taek, Leiter einer Basisgruppe vor Ort, formuliert es unverblümt: „Der Großteil der Steuereinnahmen der Stadt stammt aus SKs Chipwerk. Wenn ein neuer Cluster entsteht, wird SK die Produktion hier wahrscheinlich zurückfahren. Die Stadt würde zur Geisterstadt.”
So sieht regionale Entwicklungspolitik in der Praxis aus: Was einer Region gegeben wird, wird einer anderen genommen. Lees Zustimmungsrate ist diese Woche laut Gallup Korea auf 51 Prozent gefallen, den niedrigsten Wert seit seiner Amtseinführung. Die 648 Milliarden Dollar kommen also zu einem durchaus günstigen Zeitpunkt für ihn.
Aktie fällt trotzdem
Die Samsung Electronics-Aktie reagiert auf all das heute mit einem Minus von 2,4 Prozent. Auf Jahressicht steht sie mit gut 417 Prozent im Plus, die 52-Wochen-Spanne reicht von 59.800 bis 374.500 Won. Wer also auf die große Ankündigung spekuliert hatte, lernt wieder einmal: Kaufe das Gerücht, verkaufe die Nachricht. Oder in diesem Fall: Verkaufe beides.
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