Ein Freitag zum Vergessen. Die Samsung-Electronics-Aktie verlor 6,4 Prozent auf 329.000 KRW — einer der schärfsten Tagesverluste inmitten einer bemerkenswerten Jahresrally. Der Auslöser kam aus den USA.
Broadcom hatte nach Börsenschluss am 3. Juni seine Quartalszahlen vorgelegt. Der Konzern prognostizierte KI-Chip-Umsätze von 16 Milliarden Dollar für das dritte Geschäftsquartal 2026 — über 200 Prozent mehr als im Vorjahr, aber rund sieben Prozent unter der Markterwartung von 17,2 Milliarden Dollar. Auch der Jahresausblick von 56 Milliarden Dollar verfehlte die erwarteten 57,6 Milliarden Dollar.
Die Schockwellen erreichten Seoul umgehend.
KOSPI im freien Fall
Der südkoreanische Leitindex KOSPI brach um 5,54 Prozent ein. Zeitweise fiel er sogar über sechs Prozent — tief genug, um einen Circuit Breaker auszulösen. Der automatische Handelsstopp unterbrach den Programmhandel für fünf Minuten, nachdem KOSPI-200-Futures um fünf Prozent gefallen waren.
Samsung Electronics und SK Hynix erklären zusammen mehr als die Hälfte des KOSPI-Gewichts. SK Hynix verlor an diesem Tag 9,92 Prozent. Fast drei Viertel der diesjährigen KOSPI-Gewinne gehen auf diese beiden Unternehmen zurück. Das Konzentrationsrisiko, das sich über Monate aufgebaut hatte, zeigte sich an diesem Freitag in voller Schärfe.
Trotz des Einbruchs steht die Samsung-Aktie seit Jahresbeginn noch immer 156,56 Prozent im Plus. Das 52-Wochen-Tief von 56.900 KRW aus dem Juni 2025 liegt weit zurück. Vom Allzeithoch bei 370.000 KRW, erreicht am 2. Juni, fehlen nun 11,08 Prozent.
Foundry-Comeback mit langer Geschichte
Hinter der Kursbewegung steckt mehr als ein schlechter Tag. Samsungs Foundry-Sparte — lange von Kundenabgängen geplagt und zeitweise als Spinoff-Kandidat gehandelt — meldet sich zurück.
Tesla hat Samsung nicht nur mit der Produktion des KI-Chips AI6 beauftragt, sondern auch mit dem Vorgängermodell AI5. Die Massenproduktion des AI5-Chips soll noch 2026 beginnen. Margaret Han, Vizepräsidentin für Nordamerika bei Samsung Foundry, bestätigte: Die Fab in Taylor, Texas, nimmt 2027 den Betrieb auf.
Der Zeitplan hat sich mehrfach verschoben. Ursprünglich war die zweite Jahreshälfte 2024 geplant, dann 2025, dann Ende 2026. Den letzten Aufschub löste Samsungs eigene Entscheidung aus: Das Unternehmen verwarf den geplanten 4-nm-Prozess und wechselte direkt zu 2 nm — einer Transistorarchitektur auf Basis der Gate-All-Around-Technologie.
Das 17-Milliarden-Dollar-Werk in Texas hat damit seine bisher größte Glaubwürdigkeitshürde genommen. Beim SAFE Forum am 28. Mai sagte Han: „Kunden sind für den Produktionsstart in der Taylor-Fab ab nächstem Jahr eingeplant.“
Anthropic-Einstieg und Foundry-Verluste
Samsung beteiligte sich an der Series-H-Finanzierungsrunde von Anthropic. Der Claude-Entwickler sammelte 65 Milliarden Dollar ein und erreicht damit eine Bewertung von 965 Milliarden Dollar. Neben Samsung investierten auch SK Hynix und Micron.
In Südkorea kursieren Spekulationen, dass Samsung die Zusammenarbeit mit Anthropic über Speicherchips hinaus auf KI-Beschleuniger ausweiten könnte. Von den drei beteiligten Speicherherstellern betreibt nur Samsung auch ein Foundry-Geschäft für Logikchips. Das Seouler Wirtschaftsblatt berichtete von möglichen Aufträgen im Wert von über 20 Milliarden Dollar — potenziell das größte Einzelgeschäft in Samsungs Geschichte. Bestätigt ist davon nichts.
Auf der Kostenseite läuft die Sanierung. Foundry und System LSI verzeichneten 2025 zusammen einen operativen Verlust von rund 6,8 Billionen Won. Im ersten Quartal 2026 soll sich dieser Verlust auf 376,9 Milliarden Won reduziert haben — nach 1,9 Billionen Won im Vorjahreszeitraum. Die Rückkehr in die Gewinnzone erwartet Samsung-Securities-Analyst Lee Jong-wook für 2027.
Korea SAFE Forum als nächster Katalysator
Am 1. Juli veranstaltet Samsung das Korea SAFE Forum in Seoul. Dort will das Unternehmen weitere Details zu seinen fortschrittlichen Fertigungsprozessen vorstellen. Beim US-Pendant im Mai hatte Samsung bereits die SF2-Roadmap skizziert: von SF2 über SF2P und SF2P+ bis zum SF2X-Knoten, der auf KI- und Hochleistungsrechner-Workloads zielt.
Mit einem RSI von 63,3 und einem Kurs, der noch immer 35 Prozent über dem 50-Tage-Durchschnitt liegt, hat die Broadcom-Korrektur zumindest einen Teil der überhitzten Stimmung abgebaut. Das Forum am 1. Juli liefert die nächste konkrete Messlatte für Samsungs Foundry-Ambitionen.
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