Deutschlands Entscheidung, die Beschaffung von sechs F126-Fregatten bei Rheinmetall vorerst auf Eis zu legen, hat den europäischen Rüstungssektor in dieser Woche hart getroffen. Rheinmetall verlor an einem einzigen Handelstag mehr als 18 Prozent. Saab blieb nicht verschont.
Berliner Beschaffungspause belastet Stimmung
Der schwedische Rüstungskonzern schloss die Woche mit einem Minus von knapp fünf Prozent. Der Kurs liegt aktuell bei 24,97 USD — rund 39 Prozent unter dem Jahreshoch von 40,77 USD, das Ende Januar erreicht wurde. Morgan Stanley sieht den direkten finanziellen Schaden für Saab zwar als begrenzt an. Trotzdem hat die Berliner Entscheidung Zweifel gesät: Wie verlässlich sind die langfristigen Auftragsbücher europäischer Rüstungsunternehmen wirklich?
Der 14-Tage-RSI liegt bei 33,5 — knapp oberhalb der klassischen Überverkauft-Schwelle. Der Kurs notiert deutlich unter dem 50-Tage-Durchschnitt von 28,62 USD und dem 200-Tage-Durchschnitt von 30,82 USD. Seit Jahresbeginn hat die Aktie fast 18 Prozent verloren.
Wallenberg-Umfeld investiert in Pulverfabrik
Abseits der Börsenbewegungen gibt es eine strategisch interessante Entwicklung. Verkan AB, ein Unternehmen aus dem Umfeld der Wallenberg-Familie — Großaktionäre bei Saab — hat eine Absichtserklärung mit Sveaskog unterzeichnet. Geplant ist eine Schießpulverfabrik im schwedischen Björneborg.
Das Gelände soll zwischen 200 und 300 Hektar umfassen. Die Fabrik soll Nitrozellulose, Schießpulver und Ether produzieren und rund 450 Arbeitsplätze schaffen. Der Betrieb soll 2028 starten. Ein Umweltgenehmigungsantrag liegt bereits vor. Das Signal ist klar: Die nordische Verteidigungsindustrie baut ihre eigene Lieferkette aus.
NATO-Gipfel als nächster Kurstreiber
In der kommenden Woche richtet sich der Blick auf den NATO-Gipfel am 7. und 8. Juli in Ankara. Geopolitische Spannungen im östlichen Mittelmeer könnten die Stimmung zusätzlich beeinflussen. Die Türkei hat ihre ballistischen TAYFUN-Blok-2-Raketen in Dienst gestellt. Griechenland prüft daraufhin den Kauf von US-amerikanischen Patriot-Systemen. Außerdem beobachten Investoren, ob die USA den Verkauf von F-110-Triebwerken für das türkische KAAN-Kampfjetprogramm genehmigen.
Saab ist an diesen konkreten Deals nicht direkt beteiligt. Dennoch bestimmen die Verschiebungen in der NATO-Beschaffung und die regionalen Rüstungsbudgets, wie der Markt Saab in den nächsten Wochen bewertet. Der Gipfel in Ankara wird zeigen, ob Europa seinen Rüstungskurs tatsächlich beschleunigt — oder ob die Berliner Pause ein Vorbote weiterer Zurückhaltung ist.
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