Tarifkonflikt, Disziplinarverfahren, Misstrauensvotum — bei Ryanair läuft der Arbeitsstreit mit den Piloten gerade auf mehreren Ebenen gleichzeitig.
Die Pilotengewerkschaft Vereinigung Cockpit (VC) wirft dem irischen Billigflieger vor, Mitglieder der Verhandlungskommission und gewerkschaftsnahe Beschäftigte mit Disziplinarmaßnahmen unter Druck zu setzen. Als Reaktion haben Pilotenvereinigungen aus elf europäischen Ländern — koordiniert über die Ryanair Transnational Pilot Group — dem Management geschlossen das Misstrauen ausgesprochen. Ryanair wies die Vorwürfe zurück und erklärte, zu Einzelfällen keine Stellung zu nehmen.
Seit 2018 kein neuer Abschluss
Im Kern geht es um Geld und Geltung. Der letzte Tarifabschluss für die deutschen Piloten datiert aus dem Jahr 2018. Die VC fordert seither einen Inflationsausgleich sowie Gehaltssteigerungen für die kommenden zwei Jahre. Mehrfach habe man konstruktive Vorschläge eingebracht, die das Unternehmen abgelehnt habe.
VC-Präsident Andreas Pinheiro zog daraus eine praktische Konsequenz: Die Gewerkschaft lässt die Verhandlungen künftig durch professionelle Verhandlungsführer und juristische Berater begleiten. Eine klare Eskalation — aber noch kein Streikaufruf.
Berliner Basis als Warnsignal
Besondere Brisanz erhält der Konflikt durch Ryanairs angekündigte Schließung seiner Berliner Basis zum Herbst. Die VC wertet dies als direkte Reaktion auf den Widerstand der Berliner Piloten gegen neue Arbeitszeitregelungen — eine Strafaktion, wie die Gewerkschaft es formuliert. Ryanair hat das nicht öffentlich kommentiert.
Das Unternehmen wiederum betonte, in anderen Märkten Einigungen erzielt zu haben: In Italien, Rumänien und Dänemark unterzeichnete Ryanair neue Fünfjahresverträge mit Pilotenvertretungen. Das soll zeigen, dass Einigungen möglich sind — für die deutschen Piloten aber gilt das bislang nicht.
An der Euronext verlor die Ryanair-Aktie infolge der Nachrichten rund ein halbes Prozent. Eine begrenzte Marktreaktion auf einen Arbeitskampf, der sich in den kommenden Wochen ausweiten könnte: Weitere europäische Länder stehen kurz vor dem Beginn eigener Tarifverhandlungen mit dem Konzern.
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