Ein Vorfall an einem Umspannwerk bei Köln hat in der Nacht zum Mittwoch fünf Braunkohle-Kraftwerksblöcke von Rwe lahmgelegt. Die Polizei geht von einer vorsätzlich herbeigeführten Störung aus. Betroffen sind die Standorte Niederaußem und Neurath im Rheinischen Revier – mit einer Kapazität von zusammen rund 4.200 Megawatt einer der größten Kraftwerkskomplexe Deutschlands.
Zum Zeitpunkt des Vorfalls speisten die Blöcke etwa 3.000 Megawatt ins Netz ein. Netzbetreiber Amprion, dem die betroffene Umspannanlage gehört, betonte, die allgemeine Stromversorgung sei durchgehend gesichert gewesen. Fehlende Mengen ließen sich aus anderen Netzbereichen ausgleichen.
Erste Blöcke schon wieder am Netz
RWE Power arbeitet an der schrittweisen Wiederinbetriebnahme. Ein Block in Niederaußem läuft bereits wieder, zwei weitere mit zusammen rund 1.600 Megawatt sollten im Tagesverlauf folgen. Für zwei übrige Blöcke in Niederaußem mit ähnlicher Kapazität rechnet das Unternehmen mit einer Rückkehr ans Netz erst zum Wochenende. Der Hergang der Tat bleibt bislang ungeklärt, das Gelände rund um die Anlage ist weiträumig abgesperrt.
An der Börse reagierte die Aktie verhalten – der Kurs gab zeitweise leicht nach und notierte um die 58,40 Euro. Von einer Verkaufswelle kann keine Rede sein, der Vorfall dürfte operativ begrenzte Auswirkungen haben.
Analysten bleiben trotz allem optimistisch
Der Ausfall trifft RWE in einer Phase, in der Analysten zuletzt reihenweise ihre Kursziele angehoben hatten. Goldman Sachs und Jefferies setzten ihre Ziele erst am Dienstag auf jeweils 75 Euro herauf und bekräftigten ihre Kaufempfehlungen.
Goldman-Analyst Alberto Gandolfi sieht in RWE ein sich wandelndes „Powerhouse“ der Versorgerbranche – getrieben von der Amprion-Übernahme und dem 15-Prozent-Anteil an Eon. Jefferies-Analyst Ahmed Farman verweist auf Strompreise am Terminmarkt, die deutlich über den Annahmen des RWE-Managements liegen.
Die Aktie hatte am Dienstag kurzzeitig ein Vier-Monats-Hoch über 60 Euro markiert, ehe sie die Gewinne in einem schwächeren Gesamtmarkt wieder abgab und bei 58,58 Euro schloss. Seit Jahresbeginn steht dennoch ein Plus von rund 30 Prozent zu Buche – deutlich mehr als bei Wettbewerber Eon und dem europäischen Versorgersektor, die beide nur rund zehn Prozent zulegten.
Ob der Kraftwerksausfall die Notierung kurzfristig belastet, dürfte sich zeigen, sobald die letzten beiden Blöcke in Niederaußem zum Wochenende wieder Strom liefern. Für die fundamentale Bewertung durch die Analysten spielt der Vorfall bislang keine erkennbare Rolle.
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