Der Essener Energiekonzern RWE blickt nach einem erfolgreichen ersten Halbjahr deutlich optimistischer auf das Gesamtjahr und die kommenden Geschäftsperioden. Am vergangenen Dienstag hob das Unternehmen seine Ergebnisprognose für 2026 und 2027 an, nachdem vorläufige Zahlen eine starke operative Entwicklung in fast allen Kernsegmenten offenbarten. Insbesondere das Geschäft mit Erneuerbaren Energien und der Energiehandel trugen maßgeblich zu diesem Schritt bei.
Kräftiges Gewinnplus im Kerngeschäft
Grundlage für die Anhebung der Ziele ist die Performance in den ersten sechs Monaten des laufenden Jahres. Medienberichten zufolge erzielte RWE ein vorläufiges bereinigtes EBITDA von 3,01 Milliarden Euro. Das bereinigte Nettoergebnis belief sich auf 1,3 Milliarden Euro, was einem Wert von 1,77 Euro je Aktie entspricht. Vor allem die Bereiche Onshore-Wind und Solar sowie der Energiehandel zeigten sich als wesentliche Ergebnistreiber.
Infolge dieser Entwicklung korrigierte RWE die Erwartungen für das Geschäftsjahr 2026 nach oben. Das bereinigte EBITDA wird nun in einer Spanne zwischen 5,75 Milliarden Euro und 6,35 Milliarden Euro erwartet. Zuvor lag die Zielmarke bei 5,2 bis 5,8 Milliarden Euro. Auch für 2027 rechnet das Management mit einer deutlichen Steigerung gegenüber den bisherigen Planungen. Investoren erhalten detaillierte Einblicke in die Bilanz am 13. August, wenn der Konzern den vollständigen Zwischenbericht für das erste Halbjahr veröffentlicht.
Strategische Weichenstellung durch Amprion-Mehrheit
Neben den operativen Zahlen prägten strategische Zukäufe die letzten Wochen. Am 24. Juli schloss RWE den Erwerb eines indirekten Anteils von 35 Prozent am Übertragungsnetzbetreiber Amprion ab. Die Transaktion mit fünf M31-Gesellschaftern hatte ein Volumen von 3,6 Milliarden Euro. Damit hält RWE nun indirekt 55 Prozent an dem Unternehmen und übernimmt somit die Mehrheit.
Durch diesen Schritt stärkt der Konzern laut Medienberichten seinen Anteil an regulierten Geschäften, die weitgehend unabhängig von den Schwankungen der Marktpreise für Energie sind. Parallel dazu treibt das Unternehmen den Ausbau seiner Kapazitäten voran. So speiste der Offshore-Windpark „Nordseecluster A“ mit einer Leistung von 660 Megawatt am 22. Juli erstmals Strom in das deutsche Netz ein; die volle Inbetriebnahme soll Anfang 2027 erfolgen. Zudem begann RWE am vergangenen Dienstag mit dem Bau eines großen Batteriespeichers am Tagebau Hambach, der ab 2027 mit einer Leistung von 236 Megawatt Netzschwankungen ausgleichen soll.
Analysten loben Stabilität im Energiehandel
Analysten reagierten positiv auf die jüngsten Meldungen. Ahmed Farman von Jefferies hob am Mittwoch das Kursziel für die Rwe-Aktie an und verwies auf die gestiegenen Rohstoffpreise, die insbesondere die Erträge der Offshore-Windparks stützen dürften. Auch die Bestätigung der Ziele im Energiehandel fand Anklang am Markt. Pavan Mahbubani von JPMorgan betonte am selben Tag, dass diese Signale die Bedenken zerstreuen könnten, die nach schwächeren Daten von Wettbewerbern aufgekommen waren.
An der Börse spiegelte sich der Optimismus zuletzt in einer soliden Kursentwicklung wider. Die Aktie beendete den Handel am Freitag bei 57,20 Euro. Seit Jahresbeginn konnte das Papier bereits um 26,38 Prozent zulegen. Trotz dieser Rally notiert der Wert mit einem Abstand von 7,74 Prozent weiterhin unter seinem 52-Wochen-Hoch von 62,00 Euro. Abseits des Kerngeschäfts engagiert sich der Konzern zudem punktuell in Zukunftstechnologien: Anfang Juli beteiligte sich RWE mit 25 Millionen Euro an einer Finanzierungsrunde des Münchner Startups Proxima Fusion, das an der Entwicklung von Fusionsenergie arbeitet.
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