Der Essener Energiekonzern Rwe festigt seine strategische Ausrichtung für die kommenden Jahre und setzt dabei auf eine Kombination aus verlässlichen Ausschüttungen und einem großvolumigen Ausbau der Erzeugungskapazitäten.
Am vergangenen Freitag bekräftigte das Unternehmen im Rahmen einer Strategiepräsentation sein Ziel, die Dividende jährlich um 10 % zu steigern. Damit unterstreicht der Versorger seinen Kurs, Anleger direkt am Transformationsprozess hin zu einem führenden Akteur im Bereich der erneuerbaren Energien zu beteiligen.
Ambitionierte Ziele bis zum Ende des Jahrzehnts
Über die kurzfristigen Planungen hinaus hat die Unternehmensführung die langfristigen finanziellen Ambitionen präzisiert. Für das Jahr 2031 wird ein bereinigtes EBITDA in einer Spanne von 9,2 bis 10,0 Milliarden Euro angestrebt. Diese Zielsetzung verdeutlicht die Erwartung einer massiven Skalierung des operativen Geschäfts in den nächsten Jahren.
Begleitet wird dieser Ausbau durch den konsequenten Rückzug aus der konventionellen Energieerzeugung. Symbolisch dafür stand am vergangenen Freitag die Sprengung von drei ehemaligen Kraftwerksanlagen, bei der insgesamt 30.000 Tonnen Stahlmasse kontrolliert rückgebaut wurden.
Die Aktie reagiert am heutigen Montag eher verhalten auf die Bestätigung der langfristigen Ziele und notiert bei 57,18 €, was einem leichten Rückgang von 0,1 % entspricht. Trotz der jüngsten Konsolidierung weist das Papier seit Jahresbeginn eine positive Entwicklung von 26 % auf. Derzeit beträgt der Abstand zum 52-Wochen-Hoch, das Ende April bei 62,00 € markiert wurde, rund -7,8 %.
Analysten sehen deutliches Aufwärtspotenzial
In der vergangenen Woche haben mehrere Analysehäuser ihre Einschätzungen für den DAX-Konzern aktualisiert. Pavan Mahbubani von JPMorgan Chase & Co. hob das Kursziel für die Aktie am vergangenen Mittwoch von 65,00 € auf 68,50 € an und beließ die Einstufung auf „Overweight“.
Als Begründung dienten neben den starken Ergebnissen des ersten Halbjahres auch die Kompensationszahlungen aus den USA. Bereits am vergangenen Montag hatte Analystin Wanda Serwinowska von der UBS ihr „Buy“-Rating mit einem Kursziel von 68,00 € bestätigt. Sie sieht insbesondere in den anstehenden Auktionen für Gas-Dampf-Kombikraftwerke (CCGT) attraktive Renditechancen für das Unternehmen.
Auch die Deutsche Bank bestätigte am vergangenen Montag ihre Kaufempfehlung, nachdem die detaillierten Berichte zum ersten Halbjahr vorlagen. In diesen hatte der Konzern bereits vor gut drei Wochen gemeldet, dass das bereinigte EBITDA im Vergleich zum Vorjahreszeitraum um 44 % auf 3,01 Milliarden Euro gestiegen ist.
Im Zuge dieser starken Zahlen wurde die Prognose für das Gesamtjahr 2026 angehoben. Der Konzern erwartet nun ein bereinigtes EBITDA zwischen 5,75 und 6,35 Milliarden Euro.
Stabilität durch Rating und US-Reinvestitionen
Flankiert wird der Wachstumskurs durch eine solide finanzielle Basis. Die Ratingagentur Moody’s bestätigte am vergangenen Donnerstag das Kreditrating von „Baa2“ mit einem stabilen Ausblick. Dies verschafft dem Unternehmen den nötigen Spielraum für geplante Großinvestitionen.
Ein wichtiger Baustein ist dabei die Neuordnung des US-Geschäfts. Medienberichten zufolge konkretisierten sich Mitte August die Details eines Vergleichs mit der US-Regierung über 1,22 Milliarden US-Dollar.
RWE gibt dafür bestimmte Offshore-Wind-Lizenzen auf, reinvestiert jedoch den Großteil der Mittel unmittelbar: Rund 900 Millionen US-Dollar fließen in eine 16-prozentige Beteiligung am „Louisiana LNG Project“. Weitere 300 Millionen US-Dollar werden für Kapazitätsreservierungen im Bereich von Erdgas-Peaker-Anlagen genutzt, um die Netzstabilität zu unterstützen.
Zusätzlich stärkt der Konzern seine Position auf dem heimischen Markt durch die Aufstockung seines Anteils am Übertragungsnetzbetreiber Amprion auf eine Mehrheitsbeteiligung, wie das Unternehmen am 13. August bekannt gab. Die nächsten detaillierten Einblicke in die Geschäftsentwicklung werden für den 12. November erwartet, wenn RWE die Quartalsmitteilung zum 30. September veröffentlicht.
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