RWE: 1,22 Milliarden Dollar für US-Rückzug

RWE steigert Halbjahresergebnis deutlich, bestätigt Jahresprognose und plant bis 2031 Nettoinvestitionen von 42 Milliarden Euro.

Auf einen Blick:
  • Bereinigtes EBITDA erreicht 3,0 Milliarden Euro
  • Investitionsprogramm über 42 Milliarden Euro geplant
  • US-Offshore-Wind-Lizenzen für 1,22 Mrd. Dollar aufgegeben
  • Analysten zeigen sich nach Zahlen optimistisch

Der Energiekonzern RWE hat mit seinen endgültigen Zahlen für das erste Halbjahr 2026 die Weichen für eine langfristige Wachstumsstrategie gestellt. Neben einer deutlichen Ergebnissteigerung in den ersten sechs Monaten bekräftigte das Management seine Prognosen und gab einen detaillierten Ausblick auf die kommenden Jahre. Dabei setzt das Unternehmen verstärkt auf Investitionen in die Netzinfrastruktur und eine Bereinigung des internationalen Portfolios.

Deutlicher Ergebnissprung im ersten Halbjahr

In der ersten Jahreshälfte 2026 konnte RWE ein bereinigtes EBITDA von 3,0 Milliarden Euro erwirtschaften. Das bereinigte Ergebnis je Aktie belief sich auf 1,77 Euro. Auf Basis dieser Entwicklung bestätigte der Konzern am Donnerstag seine Zielsetzung für das Gesamtjahr.

Für 2026 erwartet die Unternehmensführung weiterhin ein bereinigtes EBITDA in einer Spanne von 5,75 Milliarden bis 6,35 Milliarden Euro. Das bereinigte Nettoergebnis soll zwischen 1,95 Milliarden und 2,45 Milliarden Euro liegen.

Für die Aktionäre bleibt die Dividendenplanung stabil: RWE plant für das Geschäftsjahr 2026 eine Ausschüttung von 1,32 Euro je Aktie. Langfristig zeigt sich der Konzern ambitioniert und stellt bis zum Jahr 2031 ein durchschnittliches jährliches Wachstum des bereinigten Ergebnisses je Aktie von 10 Prozent in Aussicht.

Getragen werden soll diese Entwicklung durch ein massives Investitionsprogramm. Zwischen 2026 und 2031 sind Nettoinvestitionen in Höhe von insgesamt 42 Milliarden Euro vorgesehen, die in erneuerbare Energien, Speichertechnologien und regulierte Netze fließen sollen.

Strategische Neuausrichtung im US-Geschäft

Ein wesentlicher Bestandteil der aktuellen Strategie ist die Fokussierung auf Kernmärkte und rentable Projekte. In diesem Zusammenhang gab RWE am 6. August einen bedeutenden Vergleich mit dem U.S. Department of the Interior bekannt.

Für eine Summe von 1,22 Milliarden US-Dollar gab das Unternehmen Offshore-Wind-Leasingverträge in der New York Bight sowie vor den Küsten Kaliforniens und Louisianas auf. Die freiwerdenden Mittel sollen laut Unternehmensangaben in andere Energieprojekte umgeschichtet werden, was eine strategische Abkehr vom dortigen Offshore-Wind-Markt markiert.

Stattdessen gewinnt das Engagement im heimischen Übertragungsnetz an Bedeutung. Die Beteiligung am Netzbetreiber Amprion, an dem RWE 55 Prozent hält, wurde im Rahmen der Halbjahresberichterstattung als dritter strategischer Pfeiler des Konzerns hervorgehoben. Parallel dazu treibt das Unternehmen Projekte im Bereich der digitalen Infrastruktur voran.

Laut Reuters stehen zwei Standorte für Rechenzentren kurz vor einer Einigung mit Betreibern. Operativ wurden seit Jahresbeginn bereits neue Erzeugungsanlagen mit einer Leistung von 752 Megawatt in Betrieb genommen, während sich weitere 10,3 Gigawatt Kapazität derzeit im Bau befinden.

Analysten heben die Kursziele an

Die Reaktionen am Kapitalmarkt auf das Zahlenwerk und die langfristige Guidance fielen überwiegend positiv aus. Am Freitag hoben die Analysten von RBC Capital Markets ihr Kursziel für die Rwe-Aktie von 65 auf 66 Euro an und beließen die Einstufung auf „Outperform“.

Das Haus Jefferies bestätigte am Donnerstag seine Kaufempfehlung mit einem Kursziel von 68 Euro. Auch JPMorgan und Exane BNP Paribas zeigten sich in ihren aktuellen Einschätzungen konstruktiv, wobei die Kursziele in einer Spanne zwischen 63 und 65 Euro angesiedelt wurden.

An der Börse spiegelte sich der Optimismus zuletzt in einer soliden Performance wider. Mit einem Schlusskurs von 58,94 Euro am Freitag verzeichnet das Papier seit Jahresbeginn ein Plus von 30 %.

Aktuell notiert die Aktie zudem 4,2 % über dem 50-Tage-Durchschnitt, was die kurzfristige Aufwärtstendenz nach der Veröffentlichung der Halbjahreszahlen unterstreicht. Die Kombination aus stabiler Dividende, dem Rückzug aus verlustträchtigen US-Projekten und dem Fokus auf den Netzausbau scheint das Vertrauen der Investoren nachhaltig zu stärken.

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