Der Auftragsbestand wächst um 18 bis 30 Prozent, die Margen ziehen an, das Pentagon kauft alles, was RTX liefern kann, und trotzdem hat die Aktie seit Anfang März keine gute Figur gemacht. Wer das verstehen will, muss nur eine Zahl kennen: 271 Milliarden Dollar Backlog, aber nur 88,6 Milliarden Dollar Jahresumsatz. Die Lücke zwischen dem, was bestellt ist, und dem, was RTX tatsächlich ausliefern kann, ist das eigentliche Thema dieser Geschichte.
Tomahawks, Minen und ein Krieg ohne Ende
Der Konflikt im Nahen Osten hat die US-amerikanischen Tomahawk-Bestände merklich dezimiert. Die Navy plant nun, 2027 ganze 785 Tomahawk-Raketen zu kaufen, nach nur 55 in diesem Jahr. Das ist kein normaler Beschaffungsrhythmus, das ist Panik-Restocking. Dazu kommt die Straße von Hormuz: RTX ist mit seinem Common Uncrewed Surface Vessel direkt in die US-Minenräumoperation eingebunden. Die Nachfrage nach RTX-Produkten ist also nicht nur stark, sie ist politisch und militärisch kaum wegzudiskutieren.
Und dennoch: Im Raytheon-Segment, das von genau diesen Tomahawk-Tailwinds profitieren sollte, lag das organische Wachstum im ersten Quartal 2026 bei 9 Prozent, leicht unter den 10 Prozent der anderen Segmente. Die Erklärung ist simpel, aber unbefriedigend: Wer nicht produzieren kann, kann auch nicht liefern.
Zahlen, die gut aussehen, bis man genauer hinschaut
RTX meldete für Q1 2026 einen Umsatz von 22,1 Milliarden Dollar, plus 9 Prozent gegenüber dem Vorjahr, und schlug damit die Analystenerwartungen um mehr als 600 Millionen Dollar. Das klingt ordentlich. Organisch allerdings verlangsamte sich das Wachstum von 14 Prozent im Vorquartal auf 10 Prozent. Das bereinigte EPS kletterte um 21 Prozent und übertraf die Konsensschätzung um 0,26 Dollar. Die Margen zogen in allen drei Segmenten an, Raytheon führte mit rund 150 Basispunkten Expansion.
RTX hob daraufhin die Jahresprognose für bereinigten Umsatz und bereinigtes EPS an. Das neue EPS-Mittelpunkt-Ziel impliziert ein Wachstum von rund 8 Prozent. Schön, nur: Der Ausblick lag dennoch unter dem Analystenkonsens. Die Erwartung war offenbar, dass die geopolitischen Rückenwind schneller in Umsatz umschlagen. Tun sie nicht.
Verträge kommen, Kapazität kommt langsamer
An Aufträgen mangelt es RTX wahrlich nicht. Gemeinsam mit Lockheed Martin sicherte sich RTX einen 12-Milliarden-Dollar-Deal für Marinesysteme an Deutschland. Raytheon gewann zudem einen 213-Millionen-Dollar-Auftrag zur Modernisierung der Zumwalt-Klasse. Und zuletzt kam die $369,9-Mio.-Vertragsmodifikation für das F135-Triebwerksprogramm dazu, mit Lieferung von 138 Antriebssystemen unter Lot 20 und Fertigstellung bis Mai 2031.
Pratt & Whitney eröffnete kürzlich eine Fertigungsanlage in Marokko und investiert 100 Millionen Dollar in ein Werk in Polen für GTF-, F135- und F100-Triebwerke. RTX baut also, aber eben im Tempo einer Rüstungsindustrie, nicht eines Softwareunternehmens.
RTX Corporation Aktie Chart
Bewertung, die sich noch rechtfertigen lässt
Ein Forward-KGV von gut 26 ist für einen Industriewert nicht gerade günstig. Der Rückgang von über 30 in den vergangenen Wochen macht die Aktie aber zumindest diskutierbar. Wer 271 Milliarden Dollar Auftragsbestand gegen 88,6 Milliarden Dollar Jahresumsatz hält und dabei weiß, dass globale Verteidigungsausgaben strukturell steigen, kann das Bewertungsniveau als gerechtfertigt betrachten.
Das Risiko ist klar: Kapazität. Nicht Nachfrage, nicht Geopolitik, nicht Margen. Wer darauf wartet, dass RTX diesen Engpass überwindet, braucht Geduld. Aber 271 Milliarden Dollar Backlog laufen nicht weg.
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