Die Farnborough International Airshow bringt Pratt & Whitney gleich mehrere Erfolgsmeldungen an einem einzigen Tag. Die RTX-Tochter sichert sich neue Kunden für ihr GTF-Triebwerk, meldet einen milliardenschweren Wartungsauftrag fürs Militär und präsentiert einen Technologiedurchbruch beim 3D-Druck von Triebwerken. Für den Rüstungs- und Luftfahrtkonzern ist das ein dichter Nachrichtentag mit klarer Botschaft: Das Geschäft läuft auf mehreren Ebenen gleichzeitig.
British Airways setzt auf die geared Architektur
Die größte Meldung kommt vom britischen Flaggschiff-Carrier. British Airways hat sich für das GTF-Triebwerk entschieden, um bis zu 63 Airbus-A320neo-Maschinen anzutreiben — 33 fest bestellt, 30 als Option. Dazu kommt ein zwölfjähriger Wartungsvertrag, die Auslieferungen sollen 2027 beginnen.
Auch der Leasing-Sektor bleibt Pratt & Whitney treu: Jackson Square Aviation, Teil der japanischen Mitsubishi-HC-Capital-Gruppe, hat das GTF-Triebwerk für eine unbestimmte Zahl weiterer A320neo-Maschinen ausgewählt. Der Leasinggeber betreibt bereits 91 GTF-angetriebene A320neo-Flugzeuge. Beide Deals stärken den Auftragsbestand des Triebwerks, der inzwischen bei über 8.000 Einheiten liegt — verteilt auf mehr als 90 Kunden weltweit mit über 2.800 im Einsatz befindlichen GTF-Flugzeugen.
Milliardenauftrag für Militärtriebwerke
Parallel zu den Verkehrsflugzeug-Deals sichert sich Pratt & Whitney Canada einen neunjährigen Vertrag über eine Milliarde Dollar. Auftraggeber ist V2X Inc., der Auftrag umfasst die Überholung von mehr als 750 PT6A-68-Triebwerken für die T-6-Trainer der US-Luftwaffe. Die Arbeiten laufen am Standort Bridgeport in West Virginia — bereits zum zweiten Mal erhält die Anlage diesen Wartungsauftrag der US-Regierung.
Technologisch untermauert Pratt & Whitney seine Ambitionen mit einem erfolgreichen Test des additiv gefertigten TJ150-Triebwerks. Fast 60 Prozent des Bauteils entstanden im 3D-Druck, darunter zentrale statische und rotierende Komponenten. Das Unternehmen hat dabei mehr als 50 einzelne Bauteile im heißen Triebwerksbereich zu wenigen gedruckten Teilen konsolidiert — ein Ansatz, der laut Militärsparten-Chefin Jill Albertelli auch auf andere Programme wie die Valox-Triebwerksfamilie übertragen werden soll.
Die Kombination aus zivilen Großaufträgen, langfristigen Militärverträgen und fortschreitender Fertigungstechnologie zeigt, wie breit Pratt & Whitney sein Geschäft derzeit aufstellt. Für RTX bleibt die Airshow in Farnborough damit ein Fenster, durch das sich die Nachfragedynamik im zivilen wie im militärischen Triebwerksgeschäft gut ablesen lässt.
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