Die Übernahme ist besiegelt, doch die Börse reagiert mit Skepsis. Royal Caribbean hat die Vereinbarung zum Einstieg bei Sandals offiziell bekanntgegeben – und die Aktie fiel dennoch deutlich. Bernstein SocGen hält trotz der Kursschwäche an seiner positiven Einschätzung fest.
Die Analysten bestätigten ihr „Outperform“-Rating mit einem Kursziel von 355 Dollar. Die Aktie notiert aktuell bei rund 227 Dollar – nahe ihrem 52-Wochen-Tief und damit weit entfernt vom Bernstein-Ziel. Der Markt bewertet Royal Caribbean derzeit mit rund 60,6 Milliarden Dollar.
Was der Deal konkret vorsieht
Royal Caribbean erwirbt 50 Prozent an Sandals Resorts für rund 3 Milliarden Dollar. Die Transaktion bewertet Sandals insgesamt mit 6 Milliarden Dollar und wird über eine gesicherte Fremdfinanzierung von Morgan Stanley gestemmt. Die Familie Stewart behält die verbleibende Hälfte am Gemeinschaftsunternehmen, das 20 Resorts auf acht Karibikinseln umfasst.
Für das kommende Jahr soll sich die Übernahme bereits gewinnsteigernd auswirken. Bernstein rechnet vor: Bei geschätzten 6.500 Zimmern zahlt Royal Caribbean umgerechnet 900.000 Dollar pro Zimmer – etwa doppelt so viel, wie Tortuga zuletzt für das Playa-Portfolio an Hyatt zahlte. Das sei ein hoher Preis, so die Analysten, aber angesichts eines angebotsknappen Marktes für Premium-Resorts durchaus vertretbar, sofern Royal Caribbean strategische Synergien nachweisen kann.
Kurs fällt trotz Analysten-Support
Die Marktreaktion fiel deutlich aus: Die Aktie verlor im Zuge der Deal-Meldungen mehrere Prozentpunkte. Das ist bemerkenswert, denn auch andere Häuser stehen dem Schritt positiv gegenüber.
UBS bestätigte sein „Buy“-Rating und verwies zusätzlich auf eine Kapazitätssteigerung von 12 Prozent im September-Quartal bei TUI Cruises, einem Joint-Venture-Partner von Royal Caribbean. Goldman Sachs hielt ebenfalls an seiner Kaufempfehlung fest und berichtete von reger Investoren-Nachfrage zur Expansionsstrategie des Konzerns.
Die Diskrepanz zwischen Analystenlob und Kursreaktion lässt sich mit der Größenordnung des Deals erklären. Es handelt sich um die bislang größte Übernahme in der Unternehmensgeschichte – ein Schritt weg vom reinen Kreuzfahrtgeschäft hin zu landgestützten Ferienangeboten.
Genau dieser Strategiewechsel scheint einen Teil der Anleger zu verunsichern, während die Analysten die Cross-Selling-Chancen zwischen Kreuzfahrt- und Resort-Angebot höher gewichten.
Der Abschluss der Transaktion wird für Anfang kommenden Jahres erwartet. Bis dahin dürfte sich zeigen, ob Royal Caribbean die von Bernstein geforderten Synergien tatsächlich belegen kann – und ob sich die Kurslücke zum Kursziel von 355 Dollar schließt.
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