Für Rolls-Royce hängt das langfristige Wachstumspotenzial bei Schmalrumpfflugzeugen an einer entscheidenden Hürde: der Auswahl durch die Flugzeughersteller. Diese dürften ihre Triebwerkspartner in den kommenden Jahren bestimmen.
Erst ein gewonnener Auftrag würde die Grundlage für zusätzliche Montage- und Testanlagen sowie eine höhere Komponentenfertigung in Großbritannien schaffen. Für Anleger ist deshalb die Trennung zwischen Technologieentwicklung und kommerziellem Erfolg entscheidend.
Der Auftrag ist noch nicht gesichert
Die nächste Generation dieser Flugzeuge soll Mitte bis Ende der 2030er in den kommerziellen Dienst gehen. Rolls-Royce will sich dafür mit effizienteren und emissionsärmeren Triebwerkstechnologien positionieren. Vorgesehen ist unter anderem ein Demonstrator, mit dem das Unternehmen seine technische Entwicklung vorantreiben will.
Damit eröffnet sich eine langfristige Geschäftschance, aber noch kein gesicherter Absatzmarkt. Die mögliche britische Fördervereinbarung von vor gut einer Woche ersetzt keine Entscheidung der Flugzeugbauer. Auch die Umsetzung der ersten Forschungsphase steht unter dem Vorbehalt einer endgültigen Vereinbarung.
Wie groß das adressierte Marktsegment ist, verdeutlicht Boeings Ausblick: Für den Zeitraum von 2026 bis 2045 erwartet der Flugzeugbauer weltweit 33.545 neue Schmalrumpfflugzeuge. Diese Prognose beschreibt das Marktpotenzial, nicht das künftige Auftragsvolumen von Rolls-Royce.
Ein erfolgreicher Wiedereinstieg könnte Fluggesellschaften eine zusätzliche Triebwerksoption neben CFM International und Pratt & Whitney bieten. Bestehende Bestellungen für A320neo und 737 MAX ändern sich dadurch nach Einschätzung von Analysten jedoch nicht. Die wirtschaftliche Chance liegt somit bei künftigen Flugzeugprogrammen und nicht in einer unmittelbaren Verschiebung bestehender Aufträge.
Beschäftigung und Fertigung bleiben an Bedingungen geknüpft
Bis Ende 2029 sollen zunächst 3.300 bestehende Arbeitsplätze bei Rolls-Royce und Zulieferern unterstützt werden. Zehntausende zusätzliche Stellen könnten später entstehen, falls das Unternehmen einen entsprechenden Triebwerksauftrag gewinnt. Die Sicherung bestehender Beschäftigung und ein möglicher späterer Personalaufbau sind damit unterschiedliche Etappen.
Bei einer Auswahl durch die Flugzeughersteller plant Rolls-Royce britische Montage- und Testanlagen. Hinzu käme eine höhere Fertigung von Turbinenschaufeln und Verbundwerkstoff-Fanblättern. Der mögliche industrielle Ausbau ist also ausdrücklich an den kommerziellen Zuschlag gebunden.
Rolls-Royce beziffert den möglichen Beitrag eines erfolgreichen Auftrags zur britischen Wirtschaft über die Programmlaufzeit auf 120 Milliarden Pfund. Diese Größe ist weder eine Umsatzprognose des Unternehmens noch ein bereits gesicherter wirtschaftlicher Ertrag.
Für die Anlagebewertung zählt daher vor allem, ob aus der Technologieentwicklung eine verbindliche Herstellerentscheidung wird. Förderung kann die Entwicklung unterstützen. Über das zusätzliche Geschäft entscheiden letztlich die Flugzeugbauer.
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