Rolls-Royce forciert die Entwicklung künftiger Antriebsgenerationen und erweitert gleichzeitig seine industrielle Infrastruktur. Mit der Führung des europäischen Forschungsprojekts ELEVATED sowie dem Ausbau des brandenburgischen Standorts Dahlewitz setzt der britische Triebwerksbauer wichtige operative Wegmarken. Am Kapitalmarkt stießen diese Initiativen auf Zuspruch: Die Aktie legte heute um 3,9 Prozent auf 17,53 Euro zu.
Europäische Initiative für Hybrid-Antriebe
Im Rahmen des EU-Programms Clean Aviation übernimmt Rolls-Royce Deutschland die Leitung des Konsortiums ELEVATED. Das Projekt widmet sich der Entwicklung und Integration eines hybrid-elektrischen Antriebssystems für künftige Kurz- und Mittelstreckenflugzeuge.
Insgesamt stellt die Europäische Union für eine Gruppe von 19 Vorhaben Fördermittel von bis zu 290 Millionen Euro bereit, während das gesamte Investitionsvolumen unter Einbeziehung privater Mittel 664 Millionen Euro erreicht.
Das Konsortium vereint Industriepartner und Forschungseinrichtungen aus mehreren europäischen Ländern, darunter Deutschland, Frankreich und das Vereinigte Königreich.
Im Zentrum steht die praktische Erprobung: Ein hybrid-elektrisches Teilsystem wird in eine bestehende Gasturbine integriert, um unter realitätsnahen Betriebsbedingungen getestet zu werden. Übergeordnetes Ziel des Programms ist eine Reduktion der Kohlendioxidemissionen auf Flugzeugebene um mindestens 20 Prozent.
Alan Newby, Director Research & Technology bei Rolls-Royce, verwies darauf, dass die im Projekt gewonnenen Daten als direkte Grundlage für Modellierung, Technologieauswahl und die spätere Zertifizierung dienen sollen. Zudem bereitet das Unternehmen die Triebwerkstechnologie UltraFan 30 vor, für die im Jahr 2028 erste Bodentests vorgesehen sind. Das System soll vollständig mit nachhaltigen Flugkraftstoffen betrieben werden können.
Ausbau des Standorts Dahlewitz
Parallel zu den technologischen Forschungsprojekten investiert Rolls-Royce in bestehende Produktions- und Wartungskapazitäten. Am Standort Dahlewitz bei Berlin feierte das Unternehmen das Richtfest für eine neue Produktionshalle.
Die Baumaßnahme ist Teil eines Standortprogramms im Umfang von 55 Millionen Pfund für Deutschland und Großbritannien, wovon rund 30 Millionen Euro auf den Ausbau in Brandenburg entfallen. Über 100 neue Arbeitsplätze wurden im Zuge dieser Erweiterung bereits eingerichtet.
Die zusätzlichen Flächen sollen primär das Wartungs- und Überholungsgeschäft für das Trent-1000-Triebwerk der Boeing 787 stärken. Perspektivisch ist in Dahlewitz auch die Montage und Prüfung des Trent XWB-84 für den Airbus A350 vorgesehen. Die Werkstattaufenthalte großer Triebwerke verzeichneten konzernweit in den vergangenen drei Jahren einen Zuwachs von 50 Prozent, was den Ausbau der Serviceinfrastruktur erforderlich macht.
Solide Nachfrage stützt den operativen Ausblick
Für die globale Flotte mit Rolls-Royce-Triebwerken rechnet das Unternehmen bis zum Ende des Jahrzehnts mit einem jährlichen Zuwachs von 7 bis 9 Prozent.
Gestützt auf diese Entwicklung peilt das Management für das Gesamtjahr 2026 einen bereinigten operativen Gewinn in der Spanne von 4,7 Milliarden bis 4,9 Milliarden Pfund an. Die Investitionen in Fertigung und emissionsärmere Antriebstechnologien fügen sich damit in eine Phase anziehender Kapazitätsauslastung ein.
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