Zwei der führenden US-Investmenthäuser haben frische Kursziele für Rolls-Royce vorgelegt – und die fallen ambitioniert aus. Jefferies und JP Morgan sehen bei der britischen Triebwerksschmiede noch erhebliches Aufwärtspotenzial. Dass nicht alle Analysten mitziehen, zeigt die vorsichtigere Haltung von Berenberg.
Analysten-Ziele
Jefferies setzt das Kursziel auf 1.530 Pence. JP Morgan zieht mit 1.500 Pence nach. Das entspricht einem Kurspotenzial von knapp 30 bis 34 Prozent im Vergleich zum Schlusskurs von 1.248,80 Pence am vergangenen Freitag. Die Aktie notiert im Euro-Handel aktuell bei 14,62 Euro – ein Plus von 1,39 Prozent zum Wochenstart.
Berenberg bleibt indes skeptischer. Das Hamburger Haus vergibt ein „Hold“-Rating und ein Kursziel von 1.270 Pence. Damit liegt die Bewertung nur knapp über dem aktuellen Kurs. Der Analyst verweist auf zyklische Risiken und mögliche Probleme in den Lieferketten des Industriesektors.
Was hinter dem Optimismus steckt
Die zuversichtlichen Prognosen stützen sich auf den radikalen Umbau des Konzerns unter CEO Tufan Erginbilgic. Das Unternehmen hat sich von einem hohen Cash-Verbrauch zu einem deutlich cash-stärkeren Modell gewandelt. Drei Geschäftsbereiche treiben die positive Stimmung:
- Zivile Luftfahrt: Die Flugstunden großer Triebwerke sollen 2026 bei 115 bis 120 Prozent des Vorkrisenniveaus von 2019 liegen. Das beflügelt die Margen im Ersatzteilgeschäft.
- Verteidigung: Militäraufträge und langfristige Ingenieursverträge für Marine- und Luftfahrtsysteme laufen stabil.
- Energielösungen: Fortschritte bei den Small Modular Reactors (SMR) – zuletzt mit strategischen Verträgen bei Great British Energy.
Risiken am Horizont
Der Höhenflug ist beachtlich. Über drei Jahre hinweg summiert sich die Kursrally auf über 1.000 Prozent. Das 52-Wochen-Hoch liegt bei 15,92 Euro, der RSI von 72,9 deutet auf eine überkaufte Marktlage hin.
Gleichzeitig – nein, ich ersetze durch „Parallel dazu“ – belasten hohe Ölpreise infolge geopolitischer Spannungen im Nahen Osten die Aussichten auf globale Flugstunden. Das ist der zentrale Hebel für Rolls-Royces servicegetriebene Erlöse.
Ob der Konzern sein erhöhtes Mittelfristziel erreicht – ein operatives Ergebnis von 4,0 bis 4,2 Mrd. Pfund für 2026 – hängt maßgeblich davon ab, wie sich diese Risikofaktoren entwickeln. Die Signale der Großbanken sind eindeutig, aber ungetrübte Euphorie wäre verfrüht.
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