Der britische Triebwerksbauer Rolls-Royce hat mit seinen Halbjahreszahlen die Erwartungen des Marktes deutlich übertroffen und infolgedessen seine Ziele für das Gesamtjahr nach oben korrigiert. Die strategische Neuausrichtung unter CEO Tufan Erginbilgic zeigt Wirkung: Der bereinigte operative Gewinn kletterte in den ersten sechs Monaten des Jahres um 46 Prozent auf 2,5 Milliarden Pfund.
Die entsprechende Marge erreichte dabei einen Wert von 22,5 Prozent. Getrieben durch diese Dynamik hat das Unternehmen seine Prognose für den operativen Gewinn im Gesamtjahr 2026 auf eine Spanne von 4,7 bis 4,9 Milliarden Pfund angehoben.
Rekordzahlen und angehobene Prognosen
Neben dem Gewinnsprung verzeichnete Rolls-Royce einen deutlichen Anstieg des Konzernumsatzes um 26 Prozent auf 11,3 Milliarden Pfund. Auch die Cashflow-Generierung hat sich verbessert: Der freie Cashflow stieg um 24 Prozent auf 2,0 Milliarden Pfund an. Dies stärkt die Bilanz des Konzerns erheblich, sodass die Netto-Cash-Position zum Halbjahr auf 2,1 Milliarden Pfund angewachsen ist. Für das laufende Geschäftsjahr erwartet das Management nun einen freien Cashflow zwischen 3,8 und 4,0 Milliarden Pfund.
Diese finanzielle Stabilität spiegelt sich auch in der Bewertung durch die Kreditmärkte wider. Moody’s und Fitch haben das Kreditrating des Unternehmens kürzlich auf A3 beziehungsweise A- angehoben, jeweils mit einem stabilen Ausblick.
S&P Global bestätigte das Rating von BBB+ und hob den Ausblick auf „positiv“ an. An der Börse wird diese Entwicklung honoriert: Die Aktie verzeichnet seit Jahresanfang eine Wertsteigerung von 38 Prozent. Mit dem aktuellen Kursniveau notiert das Papier nur rund 1,5 Prozent unter seinem 52-Wochen-Hoch von 18,47 Euro.
Analysten und Insider sehen weiteres Potenzial
Die jüngsten Erfolge haben zu einer Reihe von Kurszielanpassungen geführt. Die Analysten der Deutschen Bank hoben ihr Ziel am 5. August von 1325 Pence auf 1705 Pence an und bekräftigten ihre Kaufempfehlung. Sie begründen diesen Schritt damit, dass die Dynamik des Motorenbauers weit über den aktuellen Prognosezeitraum hinaus anhalten dürfte. Bereits am 4. August hatte JPMorgan das Kursziel von 1625 auf 1800 Pence heraufgesetzt und die Einstufung auf „Overweight“ belassen.
Zusätzliches Vertrauen signalisiert das Management durch eigene Aktienkäufe. Medienberichten zufolge haben die Direktorinnen Helen McCabe, Wendy Mars und Birgit Behrendt Anteile am Unternehmen erworben. Birgit Behrendt kaufte am 7. August 72 Aktien zu einem Durchschnittspreis von 1537 Pence.
Parallel dazu treibt der Konzern seine Kapitalrückführungen voran: Von dem für 2026 geplanten Aktienrückkaufprogramm im Volumen von 2,5 Milliarden Pfund wurden bis Ende Juli bereits 1,4 Milliarden Pfund umgesetzt. Zudem wurde für das erste Halbjahr eine Zwischendividende von 6,0 Pence je Aktie angekündigt.
Herausforderungen in der Lieferkette
Trotz der starken operativen Performance sieht sich Rolls-Royce mit anhaltenden Problemen in der globalen Logistik konfrontiert. Das Unternehmen rechnet mit Belastungen in Höhe von 150 bis 200 Millionen Pfund durch Herausforderungen in der Lieferkette. Insbesondere die Kosteninflation bei Seltenen Erden und anderen Elementen erschwert die Kostenkontrolle.
CEO Erginbilgic deutete jedoch an, dass die meisten Vorteile aus strategischen Initiativen, wie etwa der Neuverhandlung von Verträgen und der Verbesserung von Margen bei langfristigen Serviceverträgen, erst noch zum Tragen kommen werden. Dies lasse Spielraum, die mittelfristigen Ziele des Konzerns zu einem späteren Zeitpunkt erneut zu bewerten.
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